Samstag, 20. Juli 2019

Elektroautos Der Stotterstart der Stromer

Es sollte das Jahr des Aufbruchs werden - doch bei den Elektroauto-Pionieren kehrt Ernüchterung ein. Die Verkaufszahlen der Stromer bleiben in Deutschland minimal. 2012 werden Kunden zwar deutlich mehr Auswahl an Modellen haben. Doch die größte Hürde bleibt.

Hamburg - Wenige Tage vor Weihnachten haben die Elektroauto-Befürworter noch einen prominenten Politiker zum emissionsfreien Fahren bekehrt - zumindest für einen Fototermin. Am Montag überreichte BMW feierlich einen Elektro-1er an Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Und der ließ es sich nicht nehmen, sich selbst kurz hinters Steuer des "ActiveE" genannten BMW-Kompaktautos zu klemmen.

Doch die Wandlung von Tillich zum Elektroauto-Piloten währte nur kurz: In den kommenden drei Monaten soll der ActiveE die Dienstwagenflotte der sächsischen Regierung ergänzen, hieß es danach. Tillichs Mitarbeiter können den Wagen als Selbstfahrer nutzen und so Alltagserfahrungen sammeln. Der Ministerpräsident selbst wird sich aber auch in den nächsten Wochen im Audi A8 zu seinen Terminen fahren lassen.

Das passt ins Bild, das der deutsche Markt für Elektroautos derzeit abgibt. So wie Sachsens Ministerpräsident scheuen auch Autokäufer den Umstieg auf ein Elektroauto, wie die Zulassungszahlen zeigen.

Dies liegt auch daran, dass in diesem Jahr nur sehr wenige Modelle im Handel verfügbar waren. Mitsubishi, Peugeot und Citroën bieten für rund 35.000 Euro einen baugleichen Pkw mit rund 150 Kilometer Reichweite an. Für rund 50.000 Euro haben Ford und Citroën seit einiger Zeit Elektrotransporter im Programm. Renault offeriert seit Anfang November den Elektro-Lieferwagen Kangoo Z.E. für knapp 24.000 Euro, dazu kommt noch eine monatliche Batterie-Leasingrate von 86 Euro.

Doch auch wenn man die sehr eingeschränkte Auswahl an Fahrzeugen berücksichtigt, bleiben die Absatzzahlen für die Stromer im homöopathischen Bereich - entgegen den Hoffnungen der Autohersteller.

83 Zulassungen im November - Bundesregierung will eine Million bis 2020

Ganze 83 Elektroautos wurden deutschlandweit im November neu zugelassen, zeigen die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts. Seit Jahresanfang waren es exakt 1994 Stück. Zum Vergleich: Von Januar bis November kauften die Deutschen 2,91 Millionen Neuwagen mit Benzin- oder Dieselantrieb. Elektroautos kamen in diesem Jahr auf bisher nur 0,06 Prozent aller Neuwagen-Zulassungen.

Mit diesem schleppenden Start ins Elektroauto-Zeitalter ist auch der ehrgeizige Plan der Bundesregierung gefährdet, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu haben. Laut den Hochrechnungen der Nationalen Plattform Elektromobilität sollten in diesem Jahr bereits 10.000 Stromer auf Deutschlands Straßen herumkurven. Tatsächlich werden es weniger als die Hälfte sein.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen geht mit den Stromer-Verkaufszahlen hart ins Gericht. "Die bisherige Bilanz sieht ernüchternd aus", urteilt Dudenhöffer in einer kürzlich veröffentlichten Studie. Zumal ein Großteil der Stromer-Zulassungen an der Masse der Autokäufer vorbeigeht. Ganze 101 Elektroautos wurden in elf Monaten von Privatkunden gekauft, weist Dudenhöffer nach.

Über 90 Prozent der wenigen Stromer in Deutschland sind auf Autohersteller, Händler und Unternehmen zugelassen. Nur 3 Prozent aller in diesem Jahr verkauften Elektroautos gingen an Vermieter. Damit sind Elektroautos in Deutschland außer in Werbespots "unsichtbar", kritisiert Dudenhöffer.

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