Posten im Aufsichtsrat Neue Wendung in der Daimler-Fehde

Es ist eine Überraschung: Daimler-Aufsichtsrat Ansgar Osseforth hat seinen Arbeitsvertrag mit dem Autobauer nach Informationen des manager magazins verlängert. Damit behält er seinen Sitz im Aufsichtsrat - und der eigentlich vorgesehene, dann aber verklagte Nachrücker Georg-Dieter Bell geht leer aus.
Produktion bei Daimler: Kampf mit harten Bandagen um den neuen Aufsichtsrat

Produktion bei Daimler: Kampf mit harten Bandagen um den neuen Aufsichtsrat

Foto: Bernd Weissbrod/ picture alliance / dpa

Hamburg - Aufatmen in den Führungsetagen der Daimler AG: Aufsichtsratsmitglied Ansgar Osseforth hat seinen Arbeitsvertrag mit dem Stuttgarter Automobilkonzern nach Informationen des manager magazins bis zum 31. März 2013 verlängert. Damit kann der Vertreter der Unabhängigen Betriebsräte sein Mandat im Kontrollgremium voll erfüllen - und der eigentlich als Nachrücker vorgesehene und vom Konzern wegen angeblichen Zeitbetrugs verklagte Georg-Dieter Bell wird nicht in den Aufsichtsrat einziehen.

Es war somit ein ganz und gar außergewöhnliches Papier, das Ansgar Osseforth am vergangenen Freitag unterschrieb. Der Daimler-Mitarbeiter, Betriebsrat und Mitglied des Aufsichtsrats verlängerte seinen Arbeitsvertrag: Er geht nicht wie vorgesehen am morgigen 30. November in Rente, sondern arbeitet bis zum 31. März 2013 - und damit über das 65. Lebensjahr hinaus.

Der Trend bei dem Stuttgarter Automobilkonzern geht eigentlich in die entgegen gesetzte Richtung. Manager scheiden inzwischen regelmäßig mit 60 aus, und auch die Arbeiter in den Fabriken erhalten häufig Angebote, die ihnen die vorzeitige Pensionierung schmackhaft machen sollen. Es gilt zu sparen, auch bei Daimler und auch in Zeiten hoher Renditen.

Osseforths Zusatzvereinbarung verhindert das Aufrücken von Bell

Im Fall Osseforth allerdings lagen die Interessen anders. Mit der Verlängerung seines Arbeitsvertrags erfüllt er sein Aufsichtsratsmandat bis zum Ablauf der Amtszeit. Er verhindert damit, dass jemand satt seiner in das Gremium einrückt. Denn Osseforths frei werdende Position in dem Kontrollgremium hätte jemand übernommen, der bei der Konzernspitze schon seit Jahren in etwa so beliebt ist wie eine Rückrufaktion: Georg-Dieter Bell, Chef der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM).

So verbreitete es sich schnell, als einigen Mitarbeitern auffiel, dass Osseforths Abschied in den Computersystemen des Konzerns nicht mehr auf den 30. November datiert war. Und schließlich informierte Osseforth eine Reihe von Kollegen per Mail, er habe am 25. November um 11.50 Uhr eine "Zusatzvereinbarung zum bestehenden Arbeitsvertrag" unterschrieben. Der Aufsichtsrat bleibe auf eigenen Wunsch länger, heißt es in Unternehmenskreisen.

Die von Osseforth vertretenen Unabhängigen Betriebsräte und Bells CGM hatten bei der letzten Betriebsratswahl eine gemeinsame Liste gebildet. Gemeinsam hatten die Gruppierungen einen Sitz im Aufsichtsrat erobert.

In den vergangenen Wochen hatten sich Daimler und Bell jedoch einen regelrechten Kleinkrieg geliefert. Der Konzern wirft dem Betriebsrat vor, er habe seine ebenfalls bei Daimler  beschäftigte Ehefrau wiederholt während der Arbeitszeit zu ihrer drei Kilometer von seinem Büro entfernten Arbeitsstelle gefahren. Das sei "Arbeitszeitbetrug" und rechtfertige eine außerordentliche Kündigung. Bell bestreitet den Vorwurf.

Der Betriebsrat hatte der Kündigung allerdings widersprochen. Daimler will die eigentlich notwendige Zustimmung des Gremiums deshalb gerichtlich für unnötig erklären lassen. Der Konzern und Bell haben sich in den vergangenen Jahren schon häufiger juristisch befehdet, mal auf persönlicher Ebene in einem Streit zwischen Bell und Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth, mal bei einer erfolgreichen Klage einer Gruppe CGM-Mitglieder gegen das Unternehmen.

mm
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