Mittwoch, 18. September 2019

Daimlers Elektroauto-Pläne "Wir warten nicht, bis Deutschland Rahmenbedingungen schafft"

Elektroautos tun sich schwer in Deutschland: Daimler-Forschungschef Thomas Weber spricht mit manager magazin Online über den langsamen Start in das Elektroauto-Zeitalter, die fehlende Infrastruktur für alternative Antriebe und Daimlers Kooperationen mit BYD und Renault/Nissan.

manager magazin: Herr Weber, in diesem Jahr hat Daimler seinen 125. Geburtstag gefeiert und kräftig Werbung für seine Kompetenz in Technologiefragen geworben. Warum standen dabei Brennstoffzellenautos wie das Forschungsfahrzeug F125! im Vordergrund - und nicht rein batteriegetriebene Elektroautos?

Weber: Auf der Automesse IAA haben wir bewusst die Brennstoffzelle in den Mittelpunkt gestellt. Auch Brennstoffzellenfahrzeuge sind Elektroautos, denn sie werden ebenfalls elektrisch angetrieben. Aber auch an batteriegetriebenen Fahrzeugen sind wir dran. Der Smart mit Elektroantrieb ist mit über 2.000 Fahrzeugen schon auf der Straße unterwegs und ab nächstem Jahr in Großserienproduktion. Bei uns sind alle Weichen in Richtung emissionsfreies Fahren gestellt. Parallel dazu werden wir noch Jahrzehnte Autos mit Verbrennungsmotoren haben, die wir aber konsequent optimieren und weiterentwickeln. Dazu kommen mehr und mehr Hybridfahrzeuge, um nochmals einen weiteren Schritt in der Effizienz zu machen. Die Zukunft der Mobilität hat bei uns aber ohne Zweifel bereits begonnen, und sie wird elektrisch und emissionsfrei sein.

manager magazin: Hat sie das wirklich? Laut den Berechnungen der Nationalen Plattform Elektromobilität, der auch Sie angehören, sollen in diesem Jahr bereits 10.000 Elektroautos in Deutschland zugelassen sein. Bis Oktober waren es weniger als 5.000. Ist das für Sie ein gelungener Start ins Elektroauto-Zeitalter?

Weber: Elektromobilität findet derzeit im Markt noch in relativ kleinem Rahmen statt. Wir haben immer darauf hingewiesen, dass ein gemeinsamer Kraftakt nötig ist, um hier auf entsprechende Stückzahlen zu kommen. Die Frage ist doch, wie attraktiv Elektromobilität in Deutschland sein soll. Die Kundenresonanz auf unsere Elektrofahrzeuge ist sehr positiv. Doch die Infrastruktur ist heute noch so gut wie nicht vorhanden. Es gibt noch kaum öffentliche Ladestationen, deshalb kann das Laden der Autos bislang fast nur zu Hause stattfinden. Jetzt braucht Elektromobilität dringend die Kommunen und Versorger, die für Parkplätze sorgen und Ladesäulen aufstellen. Wir alle müssen dafür sorgen, dass auch die Rahmenbedingungen für die Elektromobilität entstehen.

manager magazin: Bislang sind Elektroautos noch ein sehr teures Vergnügen. Der Smart mit Elektroantrieb wird 16.000 Euro netto kosten, dazu kommen noch 60 Euro monatlich für die Batteriemiete. Ist das nicht zu teuer für Privatkunden?

Weber: Bisher konnte man das elektrische Fahren erleben, die Autos aber kaum erwerben. Jetzt kommen die ersten kaufbaren Elektroautos auf dem Markt, und nun trennt sich die Spreu vom Weizen. Ab Mitte 2012 liefern wir die Elektro-Smarts in Serie aus - zu einem hochattraktiven Preis. Ein Elektroauto für unter 16.000 Euro netto, bei dem die Steuern zum Großteil erlassen werden, ist sehr günstig. Die Batteriemiete von unter 60 Euro netto pro Monat macht weniger aus als die durchschnittlichen monatlichen Spritkosten der meisten Autofahrer. Ich kenne jedenfalls kein vergleichbar günstiges Angebot für ein voll alltagstaugliches Elektroauto.

manager magazin: Gibt es bereits Interesse für den E-Smart von Privatkunden?

Weber: Sogar jede Menge. Zudem verhandeln wir bereits über größere Kontingente für Flottenkunden. Darunter sind Autovermieter und Kommunen, sowie Unternehmen, die aus Nähe zur Technologie großes Interesse an solchen Fahrzeugen haben. Aber wir wollen die E-Smarts nicht komplett an Großkunden geben. Es ist unser ausdrückliches Ziel, eine gute Mischung zwischen Privatkunden, Flottenkunden, Kommunen und Politik zu haben. Damit machen wir Elektromobilität für alle zugänglich.

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