Verkauf an MPC MAN befreit sich von Ferrostaal

Nach monatelangem Streit hat der Lastwagenbauer MAN eine Lösung für seine von einer Schmiergeldaffäre erschütterte Ex-Tochter Ferrostaal gefunden. Damit ist der Weg frei für die vollständige Übernahme von MAN durch Volkswagen. Die Aktien der beiden Unternehmen haussieren.
Lkw von MAN: Die Münchener kaufen Ferrostaal von IPIC zurück, und verkaufen den Dienstleister gleich wieder an die Beteiligungsgesellschaft MPC

Lkw von MAN: Die Münchener kaufen Ferrostaal von IPIC zurück, und verkaufen den Dienstleister gleich wieder an die Beteiligungsgesellschaft MPC

München - MAN kauft die Beteiligung von 70 Prozent vom Haupteigner IPIC zurück, wie der Münchener Lastwagenbauer mitteilte. Im Anschluss soll das gesamte Unternehmen Ferrostaal direkt in die Hände der Beteiligungsgesellschaft MPC Gruppe übergehen. MAN halte anschließend keine Anteile mehr an dem Essener Industriedienstleister.

An der Börse wurde die Einigung positiv aufgenommen. Die MAN-Papiere notierten am Vormittag mit mehr als 6 Prozent im Plus, die Aktien von Anteilseigner Volkswagen  zogen um mehr als 4 Prozent an. Aktienrechtliche Bedenken wegen des Streits zwischen MAN und IPIC hatten Volkswagen bislang daran gehindert, MAN vollständig in die eigene Lkw-Sparte zu integrieren.

Für den Rückkauf der Anteile zahlt MAN an IPIC, einem Staatsfonds aus Abu Dhabi, 350 Millionen Euro. Die MPC Gruppe übernehme ihrerseits Ferrostaal zu einem Kaufpreis von bis zu 160 Millionen Euro. Mit der Einigung seien sämtliche Ansprüche zwischen MAN und IPIC abgegolten. Die Transaktion soll nach Freigabe der Wettbewerbsbehörden vollzogen werden.

MAN-Finanzvorstand Frank Lutz, der das Unternehmen im Aufsichtsrat von Ferrostaal vertritt, sagte: "Wir freuen uns sehr, dass wir die Gespräche mit IPIC in versöhnlicher Weise beenden konnten mit einem Ergebnis, das für alle Beteiligten akzeptabel ist. Wir haben den Weg für einen erfolgreichen Neustart der Ferrostaal bereitet." Auch IPIC-Chef Khadem Al Qubaisi zeigte sich versöhnlich: "Diese Vergleichsvereinbarung ist das Ergebnis einer sehr guten Zusammenarbeit der beiden Anteilseigner und ermöglicht IPIC und MAN, ihre Unstimmigkeiten endgültig beiseite zu legen."

Ferrostaal rutscht voraussichtlich in die Verlustzone

IPIC und MAN hatten sich über Monate darüber gestritten, wer die Folgen der Korruptionsaffäre bei Ferrostaal zu tragen hat. Das Golf-Emirat drang auf eine Rückabwicklung des Geschäfts, da die unsauberen Machenschaften erst nach dem Mehrheitserwerb aufgedeckt wurden, aber unter der alleinigen Eigentümerschaft von MAN geschahen. MAN hätte dagegen am liebsten auch seine Restbeteiligung von 30 Prozent an IPIC abgegeben. Ein Vergleichsangebot von MAN hatte IPIC im Frühjahr abgelehnt.

Ferrostaal ist vor allem im Anlagenbau stark und wickelt für deutsche Unternehmen Geschäfte im Ausland ab. Die Schmiergeldvorwürfe drehen sich unter anderem um U-Boot-Geschäfte mit Griechenland. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Ferrostaal mit 5400 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 90 Millionen Euro. Für dieses Jahr wird laut Medienberichten erstmals seit Jahrzehnten ein Verlust erwartet. Das "Handelsblatt" beziffert den erwarteten Fehlbetrag auf 60 Millionen Euro. Die Hamburger Finanzinvestor MPC Gruppe ist den Angaben zufolge bislang in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Schiffe und Schiffsbau sowie Rohstoff- und Maschinenhandel tätig.

Die ungeklärte Eigentümerfrage hatte die Geschäfte von Ferrostaal in den vergangenen Monaten zunehmend belastet. Die Banken verlangten höhere Sicherheiten für die bei dem Geschäftsmodell des Unternehmens unverzichtbaren Kredite. IPIC hatte sich im Oktober bereiterklärt, Garantien für auslaufende Kreditlinien zu übernehmen. Im Oktober hatte Ferrostaal auch ein Bußgeld der Staatsanwaltschaft München über 149 Millionen Euro akzeptiert, gegen das die Ermittlungen eingestellt werden sollen.

mg/dpa
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