Streit um Partnerschaft Suzuki will Volkswagen herauskaufen

Der japanische Autobauer Suzuki dringt verstärkt auf einen Rückzug des Großaktionärs Volkswagen. Binnen Jahresfrist sollen die Deutschen ihre Aktien abgeben. Die halten trotz des bitteren Streits an der Beteiligung fest.
Demonstration der Stärke: Suzuki will seine indische Marktmacht nicht mit Volkswagen teilen

Demonstration der Stärke: Suzuki will seine indische Marktmacht nicht mit Volkswagen teilen

Tokio - Man wolle die Partnerschaft beenden und den Anteil von Volkswagen zurückkaufen, teilte Suzuki am Freitag mit. Dafür setzte der japanische Konzern eine Frist von einem Jahr. Nach Aussage eines Volkswagen-Sprechers wollen die Niedersachsen an ihrem Suzuki-Anteil festhalten. Der Wolfsburger Konzern ist mit knapp 20 Prozent an dem japanischen Unternehmen beteiligt.

Die Japaner wollen den Fall nun vor den Schiedsgerichtshof der internationalen Handelskammer bringen, hieß es auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Suzuki-Chef Yasuhito Harayama sagte allerdings, man werde VW noch etwas Zeit geben, bevor man den Schiedsgerichtshof anrufe. Suzuki-Konzernpatriarch Osamu Suzuki wollte mit der vor rund zwei Jahren eingegangenen Partnerschaft vor allem Einblick in die technische Entwicklung bei Europas größtem Hersteller erhalten.

An der Börse kamen die Neuigkeiten nicht gut an: Die Vorzugsaktien von Volkswagen  gaben im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz rund 1,3 Prozent nach. Die jüngsten Auseinandersetzungen hätten die Beziehungen zwischen den beiden Autobauern verschlechtert, sagte Analyst Jakob Penndorf von Alpha Wertpapierhandel, der die jüngste Nachricht als leicht negativ für den VW-Kurs wertete. Zudem habe Suzuki  ein gutes Timing bewiesen, indem die Japaner mit ihrer Mitteilung kurz vor Beginn der VW-Aufsichtsratssitzung am heutigen Freitag an die Öffentlichkeit gegangen seien.

VW hatte den Japanern Vertragsbruch vorgeworfen, als sie Dieselmotoren bei Fiat  bestellten. Der Konzern hatte Ende Oktober bei der Bilanzvorlage klargestellt, dass die Zusammenarbeit grundsätzlich überprüft werde. Da die Japaner die Kooperation mit VW beenden wollen, sei "bis auf weiteres die Möglichkeit, maßgeblichen Einfluss auf Suzuki auszuüben, nicht mehr gegeben", hieß es im Zwischenbericht. Deshalb werde die Ende 2009 erworbene Beteiligung von 19,9 Prozent nun anders in der Bilanz geführt.

Suzuki hatte sich zu Beginn der Auseinandersetzungen auch daran gestört, in den VW-Büchern als assoziiertes Unternehmen geführt zu werden. Das japanische Familienunternehmen pocht auf seine Unabhängigkeit.

Suzuki zeigte sich enttäuscht von der Partnerschaft: Der erhoffte Zugang zu Technologien sei nicht gewährt worden. Volkswagen wollte mit Suzuki vor allem sein Know-how im Kleinwagenbau verbessern und seine Position auf dem indischen Markt ausbauen, wo Suzuki mit seiner Tochter Maruti klar dominiert, VW aber auch nach einer Werkseröffnung in Puna nur eine Nebenrolle spielt.

ak/dpa-afx/rtr
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