Mittwoch, 26. Juni 2019

Russischer Millionär Antonow Saabs verhinderter Retter taucht ab

Saab-Fabrik: Dem russischen Millionär Wladimir Antonow, dessen Rolle bei Saab im Dunklen bleibt, hat es die Sprache verschlagen

Während litauische Behörden seine Bank Snoras notverstaatlichen, ist der russische Geschäftsmann Wladimir Antonow wie vom Erdboden verschluckt. Für den schwer angeschlagenen Autohersteller Saab könnte Antonows Abtauchen ein böses Erwachen bringen.

Hamburg - Die Worte des Bank-Chefs ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: "Wie soll sich ein Mann fühlen, dem das Geschäft mitten am Tag weggenommen wird? Das ist ein Diebstahl in der direkten Bedeutung des Wortes", wütete Raimondas Baranauskas gestern gegenüber der litauischen Zeitung Lietuvos rytas. Baranauskas ist Miteigentümer Vorstandsvorsitzender der drittgrößten litauischen Bank Snoras - oder besser gesagt, er war es. Denn seit gestern Abend steht die Snoras-Bank unter der Obhut der litauischen Regierung. Quasi über Nacht wurde die Bank wegen möglicher krimineller Aktivitäten zwangsverstaatlicht.

Den Meldungen zufolge soll die Snoras-Bank in den vergangenen Tagen hohe Summen ins Ausland überwiesen haben, entgegen der ausdrücklichen Anweisung der litauischen Zentralbank. Zudem haben die litauischen Behörden offenbar Unregelmäßigkeiten entdeckt, die auf Bilanzfälschung und Geldwäsche hinweisen. Doch während der Geschäftsmann Baranauskas medial kräftig austeilt, hält der Mehrheitseigentümer der Bank bislang merkwürdig still.

Und das dürfte einigen Verantwortlichen bei dem schwedischen Autohersteller Saab zu denken geben.

Aber der Reihe nach: Rund 68 Prozent der Snoras-Bank gehören dem russischen Millionär Wladimir Antonow. Woher Antonows Wohlstand kommt, lässt sich nicht so leicht nachvollziehen. Der 36-Jährige, dessen Vermögen auf mindestens 300 Millionen Dollar geschätzt wird, lebt seit Jahren in London. Von dort aus verfolgt er neben seinen Finanzgeschäften zwei Interessen: Sport und Automobile.

Langjähriger Spyker-Finanzier und Autofanatiker

Vor kurzem hat Antonow etwa den britischen Fußballclub F.C. Portsmouth erworben. Antonows Finanzholding Convers Group Conversgroup hält Beteiligungen an Medienunternehmen, die sich mit Sportberichterstattung beschäftigen. Zudem interessiert sich Antonow für alles, was vier Räder und starke Motoren hat: Der Russe fährt selbst Autorennen und hat das Ferrari Team Russia aus der Taufe gehoben. Er ist an der Autodesignfirma Zagato beteiligt - und hat den kleinen niederländischen Sportwagenhersteller Spyker jahrelang mit viel Geld unterstützt.

Mit seiner Spyker-Beteiligung ist Antonow europaweit bekannt geworden. Denn Spyker kaufte - wohl mit dem Geld Antonows - den schwedischen Autohersteller Saab, der seit Monaten nach einer Zukunft sucht. Antonow selbst wollte sich danach mit vielen Millionen Euro bei Saab beteiligen. Doch das verhinderte die schwedische Regierung, die Antonow wegen angeblicher Verbindungen zur russischen Mafia als Investor ablehnte.

Der russische Millionär kämpft seither gegen die Vorwürfe krimineller Machenschaften. Er heuerte private Ermittler an, die ihm in Gutachten eine weiße Weste attestierten. Im April dieses Jahres gaben die schwedischen Behörden ihre Zweifel an Antonows Integrität auf und hätten ihn als Anteilseigner bei Saab einsteigen lassen. Doch die Europäische Investitionsbank, die Saab 217 Millionen Euro für neue Modelle geliehen hatte, legte sich quer.

Antonow blieb hartnäckig. Mitte dieses Jahres wollte er die Sportwagenmarke Spyker komplett übernehmen, die in den zehn Jahren ihres Bestehens gerade einmal 100 Autos und millionenschwere Verluste produziert hat. Antonow und Spyker-Chef Victor Muller, der nun Saab führt, gelten als persönliche Freunde.

Kaum jemand zweifelte daran, dass der Spyker-Käufer Antonow heißen würde. Doch in letzter Sekunde entschied sich Muller offenbar anders.

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