Russischer Millionär Antonow Saabs verhinderter Retter taucht ab

Während litauische Behörden seine Bank Snoras notverstaatlichen, ist der russische Geschäftsmann Wladimir Antonow wie vom Erdboden verschluckt. Für den schwer angeschlagenen Autohersteller Saab könnte Antonows Abtauchen ein böses Erwachen bringen.
Saab-Fabrik: Dem russischen Millionär Wladimir Antonow, dessen Rolle bei Saab im Dunklen bleibt, hat es die Sprache verschlagen

Saab-Fabrik: Dem russischen Millionär Wladimir Antonow, dessen Rolle bei Saab im Dunklen bleibt, hat es die Sprache verschlagen

Foto: AFP

Hamburg - Die Worte des Bank-Chefs ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: "Wie soll sich ein Mann fühlen, dem das Geschäft mitten am Tag weggenommen wird? Das ist ein Diebstahl in der direkten Bedeutung des Wortes", wütete Raimondas Baranauskas gestern gegenüber der litauischen Zeitung Lietuvos rytas. Baranauskas ist Miteigentümer Vorstandsvorsitzender der drittgrößten litauischen Bank Snoras - oder besser gesagt, er war es. Denn seit gestern Abend steht die Snoras-Bank unter der Obhut der litauischen Regierung. Quasi über Nacht wurde die Bank wegen möglicher krimineller Aktivitäten zwangsverstaatlicht.

Den Meldungen zufolge soll die Snoras-Bank in den vergangenen Tagen hohe Summen ins Ausland überwiesen haben, entgegen der ausdrücklichen Anweisung der litauischen Zentralbank. Zudem haben die litauischen Behörden offenbar Unregelmäßigkeiten entdeckt, die auf Bilanzfälschung und Geldwäsche hinweisen. Doch während der Geschäftsmann Baranauskas medial kräftig austeilt, hält der Mehrheitseigentümer der Bank bislang merkwürdig still.

Und das dürfte einigen Verantwortlichen bei dem schwedischen Autohersteller Saab zu denken geben.

Aber der Reihe nach: Rund 68 Prozent der Snoras-Bank gehören dem russischen Millionär Wladimir Antonow. Woher Antonows Wohlstand kommt, lässt sich nicht so leicht nachvollziehen. Der 36-Jährige, dessen Vermögen auf mindestens 300 Millionen Dollar geschätzt wird, lebt seit Jahren in London. Von dort aus verfolgt er neben seinen Finanzgeschäften zwei Interessen: Sport und Automobile.

Langjähriger Spyker-Finanzier und Autofanatiker

Vor kurzem hat Antonow etwa den britischen Fußballclub F.C. Portsmouth erworben. Antonows Finanzholding Convers Group Conversgroup hält Beteiligungen an Medienunternehmen, die sich mit Sportberichterstattung beschäftigen. Zudem interessiert sich Antonow für alles, was vier Räder und starke Motoren hat: Der Russe fährt selbst Autorennen und hat das Ferrari Team Russia aus der Taufe gehoben. Er ist an der Autodesignfirma Zagato beteiligt - und hat den kleinen niederländischen Sportwagenhersteller Spyker jahrelang mit viel Geld unterstützt.

Mit seiner Spyker-Beteiligung ist Antonow europaweit bekannt geworden. Denn Spyker kaufte - wohl mit dem Geld Antonows - den schwedischen Autohersteller Saab, der seit Monaten nach einer Zukunft sucht. Antonow selbst wollte sich danach mit vielen Millionen Euro bei Saab beteiligen. Doch das verhinderte die schwedische Regierung, die Antonow wegen angeblicher Verbindungen zur russischen Mafia als Investor ablehnte.

Der russische Millionär kämpft seither gegen die Vorwürfe krimineller Machenschaften. Er heuerte private Ermittler an, die ihm in Gutachten eine weiße Weste attestierten. Im April dieses Jahres gaben die schwedischen Behörden ihre Zweifel an Antonows Integrität auf und hätten ihn als Anteilseigner bei Saab einsteigen lassen. Doch die Europäische Investitionsbank, die Saab 217 Millionen Euro für neue Modelle geliehen hatte, legte sich quer.

Antonow blieb hartnäckig. Mitte dieses Jahres wollte er die Sportwagenmarke Spyker komplett übernehmen, die in den zehn Jahren ihres Bestehens gerade einmal 100 Autos und millionenschwere Verluste produziert hat. Antonow und Spyker-Chef Victor Muller, der nun Saab führt, gelten als persönliche Freunde.

Kaum jemand zweifelte daran, dass der Spyker-Käufer Antonow heißen würde. Doch in letzter Sekunde entschied sich Muller offenbar anders.

Ein merkwürdiger US-Finanzinvestor als Gegenspieler

Ende September hieß es, dass der US-Hedgefonds North Street Capital Spyker für 32 Millionen Dollar übernehmen soll. Saab sollen künftig die chinesischen Autohersteller Youngman und Pang Da finanziell unter die Arme greifen - wenn die einstige Saab-Mutter General Motors das zulässt.

Mit diesen neuen Geldgebern haben sich Spyker und Saab auf einen Schlag ihres anrüchigen russischen Interessenten entledigt - so scheint es zumindest. Doch auf den zweiten Blick tauchen bei dem US-Investor einige Ungereimtheiten auf.

Auf seiner Website  gibt der North Street Capital LP eine Geschäftsadresse in Greenwich, Connecticut an. Wer danach sucht, landet bei Regus, einem Anbieter von Bürolösungen. Spezialität von Regus sind virtuelle Büros. Immerhin hat North Street Capital seine eigene Telefondurchwahl. Die Faxnummer des Finanzinvestors ist jedoch ident mit der allgemeinen Regus-Faxnummer des Greenwich-Standorts.

Über den Chef des Hedge Fonds, Alex Mascioli, ist nur wenig bekannt. Laut einigen Artikeln bei Google nimmt Mascioli gerne an Autorennen teil und verfasst selbst Autotests. North Street Capital ist einer Eintragung in einem US-Ranking zufolge weniger als ein Jahr alt, dieses Datum hat Mascioli selbst bei der Bearbeitung des Eintrags angegeben. In dem Online-Netzwerk Xing gibt es ein Profil für einen Alex Mascioli  aus Greenwich, Connecticut. Doch der ist laut Eintrag als CEO in der Haustierbedarfbranche tätig.

Dazu passt auch, dass ein Alex Mascioli, ebenfalls aus Greenwich, in den USA 2006 die Rechte an der Handelsmarke Hampton Dog eintragen ließ. Unter der Marke wurden Hundehalsbänder und Hundeleinen aus Leder angeboten - offenbar nicht allzu erfolgreich. Denn seit 2007 ist die Marke als "aufgegeben" gemeldet.

Solche Ungereimtheiten legen eine Vermutung nahe: Mascioli könnte als Strohmann für Antonow dienen.

Auf allen Antonow-Kanälen herrscht plötzlich Funkstille

Antonow selbst hat immer wieder angedeutet, dass er an Saabs Verhandlungen mit chinesischen Investoren zumindest beteiligt war. Ein Hedgefonds, der als Feigenblatt für Antonow dient, erscheint da gar nicht mehr so abwegig.

Bei dieser doch etwas ungünstigen Optik kann es auch kaum mehr verwundern, dass Antonow im Internet plötzlich wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. Auf seinem Twitter-Account, auf dem er bislang gerne Durchhalteparolen für Saab und seinen Fußballclub durchgab, herrscht seit dem 1. November Funkstille. Erstaunlicherweise ist seine private Website,  die bislang mit Pressemitteilungen und Fotos über Antonows Taten gut bestückt war, nicht mehr aufrufbar.

Selbiges gilt auch für die Website seiner Finanzholding Conversgroup. Auch diese ist heute "under construction". Einzig die Website der Convers Sports Initiatives ist noch erreichbar. Auf telefonische Anfrage von manager magazin Online hieß es bei Conversgroup lapidar, dass man Fragen über das Unternehmen doch per E-Mail schicken sollte. Herr Antonow werde sich aber derzeit nicht persönlich äußern.

Für den Autohersteller Saab, der weiterhin um seine Rettung kämpft, sind das keine guten Nachrichten. Denn obwohl er angeblich nichts mehr mit Saab zu tun hat, hat Antonow bei Spyker und Saab irgendwie doch noch die Finger drinnen.

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