MAN Ruhe vor dem Sturm

Bei MAN in München laufen die Geschäfte rund. Auch ins kommenden Jahr blickt der Vorstand zuversichtlich. Doch die Ruhe trügt. Sobald die Übernahme durch VW durch ist, dürften größere Umbrüche ins Haus stehen.
Von Cornelia Knust
MAN-Zentrale in München: Alles prima - aber wie lange noch?

MAN-Zentrale in München: Alles prima - aber wie lange noch?

Foto: Andreas Gebert/ dpa

München - Alles prima bei MAN, so der Tenor bei der heutigen Vorlage der Neunmonatszahlen. Tatsächlich trübt nichts den Optimismus des Herstellers von Nutzfahrzeugen und Großmotoren. Vorstandssprecher Georg Pachta-Reyhofen meldet keinerlei Stornierungen oder Einschränkungen in der Produktion. Nicht nur für 2011 bestätigt er den im Juli gegebenen positiven Ausblick, selbst für das nächste Jahr sieht er einen "weiterhin nach oben weisenden Trend".

Vorsorglich weist er darauf hin, dass der Konzern in Einkauf und Produktion sehr flexibel geworden sei. Allein die 6 Prozent Leiharbeiter am Gesamtpersonal, die man derzeit beschäftige, böten einen Puffer für den Krisenfall. Aber auch das wachsende Gewicht der so genannten Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) beschere der MAN  eine "gute Verteilung der Konjunkturzyklen".

Träger des Erfolgs ist vor allem das Nutzfahrzeuggeschäft (einschließlich Brasilien), das sein Ergebnis in den ersten neun Monaten auf knapp 700 Millionen Euro verdoppelt hat und jetzt eine Rendite von 7,6 Prozent aufweist. Das ist zwar immer noch nicht so gut wie bei der Schwestergesellschaft Scania, dafür ist die auch nicht so breit aufgestellt und daher krisenanfälliger.

Weitere gute Nachrichten kommen aus der Ecke von Ferrostaal. Die an den arabischen IPIC-Fonds verkaufte ehemalige Tochter, bei der ein Schmiergeldskandal offenbar wurde, hat sich mit der Staatanwaltschaft München über die Höhe einer Strafzahlung (150 Millionen Euro) geeinigt. Die Verhandlungen zwischen MAN und IPIC über die Teilung der Lasten und über die Übergabe der restlichen 30 Prozent, die MAN noch an Ferrostaal hält, bezeichnete MAN-Finanzvorstand Frank Lutz als "sehr konstruktiv". Ob sich die Parteien noch in diesem Jahr einig würden, dazu wollte er nichts sagen.

Konstruktive Gespräche mit IPIC zum Fall Ferrostaal

Der einzige Wermutstropfen steckt in der Frage, warum die Profitabilität im 3. Quartal zurückgegangen sei. Dazu liefert Lutz verschiedene Erklärungen, darunter höhere Rechtsberatungskosten, und zwar auch im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot von Volkswagen. Da hätte der Vorstand ja verschiedene Stellungnahmen abgeben und sich Rat dazu holen müssen, sagte Lutz.

Das könnte ein Indiz dafür sein, wie es unter der Oberfläche brodelt und wie der amtierende Vorstand um Haltung ringt. Denn sobald auch die chinesische Wettbewerbsaufsicht als Letzte der Übernahme zugestimmt hat, wird Volkswagen auf einen Schlag 56 Prozent am MAN-Kapital halten. Dann werden nicht nur die berühmten Arbeitsgruppen zwischen MAN und Scania reaktiviert, die Synergieeffekte ausloten sollten und wegen des laufenden Übernahmeverfahrens auf Eis gelegt waren. Auch werden in Aufsichtsrat und Vorstand vermutlich sehr schnell Fakten geschaffen werden.

Die Aufsichtsratsmitglieder von VW, die auf der MAN-Hauptversammlung im Juni in letzter Minute ihre Kandidatur zurückziehen mussten, um die EU-Wettbewerbshüter nicht zu verprellen, werden vermutlich umgehend in das Gremium einziehen - per Beschluss des Registergerichts. Dann kann auch der Vorstand neu besetzt oder um VW-Manager ergänzt werden.

Die Mitarbeiter in den Fabriken brauchen sich nicht zu fürchten, hat VW ihnen doch weitgehenden Bestandsschutz gewährt. Doch im Management dürfte die Angst grassieren, zumal ein Modell immer noch nicht vom Tisch ist: Dass das MAN-Aktienpaket am Ende doch bei Scania landet und aus dem Münchner Dax-Konzern eine schwedische Tochter wird. Die Börse spekulierte heute zunächst einmal darauf, dass Volkswagen  weitere MAN-Anteile übernimmt.

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