Sonntag, 8. Dezember 2019

Peugeot und Renault Schwierige Zeiten für Frankreichs Auto-Ikonen

Peugeot-Konzeptauto HX1: Der Autohersteller will in der Oberklasse punkten

Bonjour tristesse: Während Deutschlands Autohersteller von Rekord zu Rekord eilen, zuckeln Peugeot Citroën und Renault hinterher. Zu lange haben sie sich auf Kleinwagen verlassen. Jetzt steht der Umbau bevor - kann Daimler Renault aus der Misere führen?

Hamburg - Keine Frage: An Visionen, wo es künftig langgehen soll, mangelt es Frankreichs Autoriese PSA Peugeot Citroën Börsen-Chart zeigen nicht. Knapp fünf Meter lang und dabei nur 1,38 Meter hoch ist das Konzeptfahrzeug HX1, dass die Franzosen im September auf die Frankfurter Automesse IAA vorstellten. Weiße Lederplissée-Sessel und Natureiche-Applikationen machen das Konzeptfahrzeug zur rollenden Lounge. Unter der Haube werkt ein Dieselmotor, den Peugeot mit einem Elektroantrieb kombiniert.

Peugeot, so wollten die Franzosen suggerieren, soll in Zukunft stärker für elegante, sparsame Oberklasse-Fahrzeuge stehen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn abseits des Automessen-Glanzes ist es um Europas zweitgrößten Autohersteller hinter Volkswagen derzeit nicht gut bestellt.

Vor wenigen Tagen erst musste Konzernchef Philippe Varin seine Prognose kassieren. Statt eines "deutlichen Gewinns" will Peugeot in diesem Jahr nur mehr ein ausgeglichenes Ergebnis vorweisen. Scheinbar etwas besser ergeht es derzeit dem PSA-Rivalen Renault Börsen-Chart zeigen. Im dritten Quartal steigerte Renault seinen Umsatz um 12 Prozent auf 9,75 Milliarden Euro. An der Prognose, 2011 Umsatz und Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr zu steigern, hält Renault fest.

Doch im Kern kämpfen beide Konzerne mit drei großen Problemen: Sie laborieren beide an den hohen Produktionskosten in ihrem Heimatland, die ihre Margen kräftig anknabbern. Sie haben sich zu stark auf das Segment der Kleinwagen konzentriert, in dem sich nur wenig Geld verdienen lässt. Und sie sind beide zu stark vom westeuropäischen Markt abhängig, dessen ohnehin magere Wachstumsaussichten sich gerade weiter eintrüben.

PSA muss nun eisern sparen

Bei PSA mit seinen beiden traditionsreichen Marken Peugeot und Citroën ist die Lage an der Kostenfront ernst. So ernst, dass Varin den Sparkurs in seinem Konzern kräftig verschärfen will. Im Jahr 2012 sollen die Kosten nochmals um 800 Millionen Euro sinken - obwohl das im Jahr 2009 beschlossene Kostensenkungsprogramm über 3,7 Milliarden Euro noch nicht einmal abgeschlossen ist.

Doch Analysten sind bereits jetzt skeptisch, ob die neuerliche Kostenbremse greift. Bereits der alte Sparplan sollte PSAs Profitabilität auf den Branchenschnitt bringen, heißt es in einem aktuellen Analystenreport von Credit Suisse. Aber trotzdem werde PSA im 2. Halbjahr 443 Millionen Euro in der Autosparte verlieren. "Wir bleiben skeptisch, wie viel von den neuen Einsparungen tatsächlich unter dem Strich ankommt", mäkeln die Analysten.

Kürzen will Varin auch bei den Stellen. Er will sich von 6000 Mitarbeitern in Europa trennen, weltweit arbeiten 167.000 Menschen für PSA. Ein Großteil der Streichungen, versicherte Varin eilig, soll in Bereichen außerhalb der Autoproduktion stattfinden - also etwa im Forschungs- und Entwicklungsbereich.

Doch das klingt eher nach besänftigenden Worten für Frankreichs Gewerkschaften. Denn die Probleme im Konzern benannte der 59-jährige Konzernchef ungewohnt. Die Produktionskosten lägen auf deutschem Niveau, klagte der PSA-Chef im September. Doch sein Konzern verkaufe weniger teure Autos als die Deutschen. Deshalb müsste PSA eigentlich auch ein niedrigeres Kostenniveau haben.

Im Klartext heißt das, dass er in Frankreichs Autowerken den Rotstift ansetzen muss. Und das geht meist nur über den Abbau von Mitarbeitern. Doch so klar will er das knapp vor dem französischen Superwahljahr 2012 nicht sagen - obwohl es vermutlich darauf hinauslaufen wird. In Renaults französischen Werken ist die Situation kaum anders.

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