Pischetsrieder "Nichts dabei gedacht"

Als Chef der Autohersteller BMW und Volkswagen stand Bernd Pischetsrieder viele Jahre im Rampenlicht. Nun steht er in München vor Gericht. Er soll durch Umwidmungen Steuern hinterzogen haben. Doch der Ex-Manager bestreitet, absichtlich falsche Angaben gemacht zu haben.
Bernd Pischetsrieder im Landgericht München: "Ich habe geglaubt, richtig zu handeln"

Bernd Pischetsrieder im Landgericht München: "Ich habe geglaubt, richtig zu handeln"

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

München - Der ehemalige Automanager Bernd Pischetsrieder muss sich wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 63-Jährigen vor, in den Jahren 2000 bis 2003 insgesamt etwa 234 000 Euro Einkommensteuer hinterzogen zu haben. Der ehemalige Chef von BMW  und Volkswagen  bestritt heute, absichtlich unwahre oder unkorrekte Angaben beim Finanzamt gemacht zu haben. "Das wäre auch ausgesprochen dumm gewesen", sagte Pischetsrieder vor dem Münchner Landgericht. Den monierten Fehlbetrag hat er laut Staatsanwaltschaft inzwischen beglichen - die entsprechenden Bescheide aber bereits angefochten.

Im Detail geht es darum, dass Pischetsrieder Schuldzinsen aus Darlehen für diverse Immobilienobjekte in München und Chemnitz sowie für ein eigen genutztes Anwesen in Breitbrunn am Chiemsee umgeschichtet und so seine Steuerlast gemindert haben soll.

Um dies zu verschleiern und insbesondere wie verlangt bis 2003 die Schulden zu tilgen, habe Pischetsrieder für Breitbrunn beantragte Darlehen auf andere seiner vermieteten oder verpachteten Immobilien übertragen. Das Verfahren war auf Betreiben eines Betriebsprüfers des Finanzamtes Rosenheim ins Rollen gekommen, der bei Pischetsrieder vorstellig geworden war. Der Beamte bestätigte am Montag, dass ohne die Umschuldung die Steuerminderung hinfällig gewesen wäre.

Pischetsrieder sagte, er habe sich, "volkstümlich gesagt, nichts dabei gedacht" und niemals mit strafrechtlichen Konsequenzen gerechnet. Mit seiner Bank, die eigenständig Kreditzahlungen auf den Konten bewegt habe, habe er nur selten und telefonisch Kontakt gehabt.

Die Staatsanwaltschaft ist indes der Auffassung, dass Pischetsrieder die Vorgänge bewusst gewesen seien und er absichtlich Steuern hinterzogen hat. Pischetsrieder berief sich dagegen darauf, dass das Finanzamt die Vorgehensweise sechs Jahre zuvor gebilligt habe. "Deshalb hatte ich nicht die geringsten Bedenken. Ich kam gar nicht auf die Idee, dass ich eine Straftat begehen könnte. Ich habe geglaubt, richtig zu handeln."

Pischetsrieder war von 1993 bis 1999 BMW-Chef, musste dort aber nach dem Debakel um die kostspielige Übernahme der britischen Rover Group gehen. Auch bei VW scheiterte der einst als Visionär gefeierte Manager. Er hatte dort 2002 den Chefsessel von Ferdinand Piëch übernommen, dessen Rückendeckung jedoch bald verloren. 2006 musste er den Chefsessel in Wolfsburg verlassen. Er hat allerdings noch bis April 2012 einen Vertrag mit dem Unternehmen und berät nach eigenen Angaben den Vorstand.

wed/dpa
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