Fotostrecke

Hundert Jahre Chevrolet: Viel Masse, wenig Klasse

GM-Marke Chevrolet "Unsere Abgrenzung zu Opel funktioniert"

Chevrolet-Deutschland-Chef Steffen Raschig sprach mit manager magazin Online über Chevrolets Erfolg in Deutschland, die Markenabgrenzung zur Konzernschwester Opel - und die Signalwirkung des Elektroautos Volt.

mm: Herr Raschig, in den letzten Monaten hat Chevrolet in Deutschland Marktanteile hinzugewonnen. Worauf führen Sie den Erfolg zurück?

Raschig: Derzeit decken wir 75 Prozent aller Marktsegmente mit eigenen Modellen ab. Wir entwickeln uns ganz klar in Richtung Vollsortimenter. Vor kurzem haben wir den Cruze-Fünftürer eingeführt, das ist im Kompaktsegment eine der gefragtesten Varianten. Mit dem Orlando haben wir einen Van in den Markt gebracht, den wir so nicht hatten. Wir können jetzt in Segmenten mitspielen, die wir zuvor nicht bedienen konnten. Wachstum heißt bei uns ganz klar Ausweitung der Modellpalette.

mm: In welche Fahrzeugklassen wollen Sie weiter vordringen?

Raschig: Ab 2012 bringen wir die Neuauflage der Limousine Malibu nach Deutschland. In diesem Segment sind wir aktuell nicht präsent, in den USA sind wir damit sehr stark. Auf der IAA haben wir eine Studie des Pickup-Trucks Colorado vorgestellt. Wir können uns sehr gut vorstellen, dass dieses Fahrzeug seinen Weg auch nach Deutschland und Europa findet.

mm: Sehen Sie bereits erste Anzeichen dafür, dass sich die gute Autokonjunktur bald eintrüben könnte? Einige Experten warnen ja bereits vor einem Einbruch der Absatzzahlen…

Raschig: Für Chevrolet lief das Jahr 2011 bisher sehr gut. Bis Ende September sind wir mit über 33 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahr unterwegs. In diesem Jahr wollen wir unseren Marktanteil auf ein Prozent steigern, derzeit liegen wir bei 0,92 Prozent. Wir kommen mit einer Modelloffensive, die historische Ausmaße hat. Begonnen hat diese in mit dem Orlando, dem Captiva Facelift, der Einführung des neuen Aveo und des Cruze Fließhecks und unseren Sportwagen Corvette Grand Sport und Camaro. Den vorläufigen Abschluss bildet dann die Einführung des Volt im November. Ich erwarte deshalb, dass es für Chevrolet insgesamt ein sehr gutes Jahr wird. Damit kopple ich mich ein bisschen von der Gesamtmarkterwartung ab.

mm: Viele in Deutschland verkaufte Chevrolet-Modelle basieren auf Plattformen der Konzernschwester Opel. Wie grenzen Sie innerhalb des GM-Konzerns die Marken Chevrolet und Opel ab?

Raschig: Unsere Fahrzeuge basieren auf GM-Architekturen, auf die auch andere Konzernmarken zugreifen. Chevrolet präsentiert sich als US-Marke, die weltweit aufgestellt ist. Bei uns stehen das amerikanische Erbe, Leidenschaft und emotionales Design im Vordergrund. Diese Positionierung grenzt Chevrolet gegen andere Konzernmarken ab.

mm: GM-Chef Dan Akerson prüft, ob Chevrolet-Modelle künftig auch in den Opel-Werken vom Band laufen könnten. Ist das korrekt?

Raschig: Bitte haben Sie Verständnis, dass ich das nicht kommentieren möchte.

"Chevrolet wird dank dem Volt als grüne Marke wahrgenommen"

mm: Ist eine Produktion in Deutschland für Chevrolet vorstellbar?

Raschig: Chevrolet ist eine globale Marke, wir produzieren Modelle in Amerika, Brasilien und Russland. Wir richten uns danach, wo die Märkte sind und welche Kapazitäten man dort benötigt. Welche Schlüsse sich daraus für Europa ergeben, wird sich zeigen.

mm: Wie wichtig ist das Elektroauto Volt für das Image von Chevrolet?

Raschig: Viele Deutsche verbinden Chevrolet noch mit großen Motoren, viel Leistung und hohem Benzinverbrauch. Doch mit dem Volt haben wir ein voll funktionsfähiges, vollelektrisches Fahrzeug. Chevrolet wird als Marke wahrgenommen, die eine grüne Technologie erfunden hat. In Deutschland bieten das Auto ab November für 41.950 Euro an - und ich bin überzeugt davon, dass der Volt in Europa ähnlich erfolgreich wird wie in den USA.

mm: Gibt es in Deutschland Vorbestellungen für den Volt?

Raschig: Wir bringen das Auto erstmal auf den Markt. Unsere Händler sind bereits informiert und haben bereits Interessenten vorgemerkt. Aber wir haben uns gegen eine klassische Vorverkaufsstrategie entschieden, weil sie auch der Funktion des Fahrzeugs als Imageträger entgegensteht.

mm: Wird Chevrolet künftig auch Hybridantriebe anbieten, die Elektro- und Verbrennungsmotor kombinieren?

Raschig: Hybride haben wir derzeit nicht im Programm. Doch die Technologie ist im Konzern vorhanden. Wenn es der Markt erfordert, können wir das auch anbieten. Doch für Chevrolet in Deutschland ist das Konzept des Range Extenders, wie wir es im Volt haben, das richtige. Darauf konzentrieren wir uns jetzt.

mm: Sie sehen also momentan keine große Nachfrage nach Hybridantrieben, die Elektro- und Verbrennungsmotor kombinieren?

Raschig: Für Chevrolet sehe ich das nicht so, weil wir mit dem Volt eine grüne Technologie anbieten, die perfekt passt. Hybridtechnologie eignet sich vor allem dazu, um die Schadstoffbilanz großer, schwerer Fahrzeuge zu senken. Für Chevrolet stellt sich diese Thematik nicht.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.