VW-Tochter Scanias Geschäft brummt - noch

Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Scania konnte im dritten Quartal sowohl Gewinn als auch Umsatz weiter steigern. Doch wie viele andere Unternehmen auch bereitet sich die VW-Tochter auf den Abschwung vor und drosselt die Produktion.
Lkw von Scania: Vor allem in Südeuropa hat sich die Nachfrage abgeschwächt

Lkw von Scania: Vor allem in Südeuropa hat sich die Nachfrage abgeschwächt

Foto: DDP

Södertälje - Im Zeitraum zwischen Juli und September verdiente die VW-Tochter Scania unter dem Strich 2,3 Milliarden Kronen (257 Millionen Euro), 2 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 21,1 Milliarden Kronen (2,3 Milliarden Euro).

An der Börse wurden die Zahlen zunächst gut aufgenommen: Die Scania-Papiere  legten um knapp 1 Prozent zu. Auch die Titel des Konkurrenten MAN  profitierten und gehörten zur Spitzengruppe im Dax. Bei Scania sei das Ergebnis je Aktie über den Erwartungen ausgefallen, hieß es in einer ersten Reaktion.

Für die Ergebnisse im zweiten Quartal war Scania wegen der gesunkenen Profitabilität noch heftig abgestraft worden. Auch im dritten Quartal zeigte sich die operative Marge weiter rückläufig. Sie schrumpfte von 18,3 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 14,2 Prozent und ging damit auch im Vergleich zum Vorquartal nochmals zurück.

Nachlassende Bestellungen

Am Ende der Berichtsperiode habe sich die Nachfrage besonders in Südeuropa aber auch im Nahen Osten abgeschwächt, sagte Scania-Chef Leif Östling. Scania hatte schon zuvor angekündigt, die europäische Produktion werde wegen der geringeren Neubestellungen gedrosselt. Die Kunden zögerten bei Neuanschaffungen. Die weltweite Produktion soll deshalb ab November um bis zu 15 Prozent sinken, um den Aufbau von Lagerbeständen zu verhindern.

Scania ist damit eines der wenigen Unternehmen, das zugibt, sich auf den Abschwung vorzubereiten. Einer Umfrage von manager magazin Online zufolge rechnen die Dax-Konzerne nicht mit einer Krise und bereiten sich auch nicht darauf vor - zumindest kommunizieren sie es nicht.

Scania dagegen teilt sogar mit, dass im Zuge der Produktionsanpassungen die Verträge von 900 befristet Beschäftigten nicht verlängert werden. Der Konzernchef erklärte, sein Unternehmen stelle sich "im Lichte der unsicheren wirtschaftlichen Lage" auf weitere Maßnahmen ein.

Besonders der brasilianische Markt sei in den nächsten Monaten schwer einzuschätzen. Dort wird im Frühjahr die Abgasnorm Euro 5 eingeführt. Fahrzeuge, die die strengeren Auflagen erfüllen, sind teurer. Deshalb dürfte es zu Vorzieheffekten kommen, deren Ausmaße noch nicht absehbar sind.

Auslieferungen steigen

Scania hat im dritten Quartal 16.812 Lastwagen ausgeliefert, 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bestellungen stiegen vor allem wegen der anhaltenden Nachfrage in Großbritannien, Skandinavien, Deutschland und Russland in gleichem Maße auf insgesamt 17.109 Lastwagen.

Erneut zurück ging aber das operative Ergebnis der Gruppe. Es sank um 11 Prozent auf drei Milliarden Kronen. Zur Begründung führte Östling die starke schwedische Währung, höhere Rohstoffpreise sowie einen höheren Anteil niedrigmargiger Verkäufe an. Im Gegenzug habe Scania höhere Preise durchsetzen können und generell vom höheren Verkaufsvolumen profitiert.

Zum geplanten engeren Zusammenrücken mit dem Münchener Konkurrenten MAN enthielt der Bericht keinerlei Aussagen. VW kontrolliert beide Unternehmen, es liegen aber noch nicht alle Genehmigungen für die Mehrheitsübernahme der Wolfsburger von MAN vor. Sobald die Verfahren abgeschlossen sind, sollen die gemeinsamen Arbeitsgruppen von MAN und Scania wiederbelebt und neue gebildet werden, hieß es zuletzt von MAN. Ziel sind Kosteneinsparungen, etwa durch den gemeinsamen Einkauf.

Die Nutzfahrzeugbranche gilt als Frühindikator für Konjunkturschwankungen, an der sich das Auf und Ab der Wirtschaft eher ablesen lässt als etwa am Pkw-Geschäft. Auch Konkurrent MAN streicht einzelne Schichten. Europas größter Lastwagenbauer Daimler spürt dagegen keinen Rückgang der Auftragseingänge.

mg/dpa-afx
Mehr lesen über Verwandte Artikel