Starkes Wachstum bis 2014 "Dacia verdoppelt seine Produktion"

Mit günstigen Preisen ab 7000 Euro findet die Renault-Marke Dacia in Deutschland immer mehr Käufer. Dacia-Modellchef Gérard Détourbet spricht im Interview über neue Modelle, ehrgeizige Wachstumspläne und die zunehmende Konkurrenz im Low-Cost-Segment.
Geländewagen Dacia Duster: Der Billig-SUV findet auch bei deutschen Käufern Anklang

Geländewagen Dacia Duster: Der Billig-SUV findet auch bei deutschen Käufern Anklang

Foto: Dacia

mm: Herr Détourbet, die Marke Dacia hat sich in den letzten Jahren zu Renaults großer Erfolgsgeschichte gemausert. Doch in den letzten Monaten verkauft Dacia in manchen Ländern Europas deutlich weniger Autos. Weshalb?

Détourbet: Das stimmt so nur für Frankreich, wo unsere Verkäufe in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 25 Prozent zurückgingen im Vergleich zum Vorjahr. Doch dafür gibt es nachvollziehbare Gründe. Bis Ende 2010 erhielten französische Autokäufer, die sich für Gasmotoren entschieden, von der Regierung einen Zuschuss über 2000 Euro. Wir haben eine Menge Sandero-Modelle mit Gasantrieb verkauft. Dann hat die Regierung diesen Anreiz plötzlich gestrichen. Im März dieses Jahres kam der Tsunami in Japan hinzu, der die Produktion unserer Dieselmotoren lähmte. Doch bis Ende dieses Jahres werden wir europaweit etwas mehr Autos produzieren als im Vorjahr.

mm: Mit dem Sandero hat Dacia einen Kleinwagen im Programm, der Logan deckt das Kompaktauto-Segment ab - und seit kurzem gibt es mit dem Duster auch einen Billig-Geländewagen von Dacia. In welche Segmente wollen sie als nächstes vorstoßen?

Détourbet: Derzeit produzieren wir insgesamt sechs Modelle: Vier Logan-Varianten, den Sandero und den Duster. Anfang 2012 starten wir mit zwei neuen Fahrzeugen, einem Familienauto in Form eines Minivans und einem kleinen Geländewagen. Beide Karosserien entstehen auf unserer bewährten Logan-Plattform.

mm: Werden die neuen Modelle im rumänischen Dacia-Werk in Pitesti gebaut?

Détourbet: Derzeit produzieren wir alle sechs Modelle in Rumänien. Unser Stammwerk in Pitesti hat eine Kapazität von 350.000 Autos pro Jahr, und diese haben wir in den letzten drei Jahren immer voll ausgeschöpft. Während wir unsere beiden neuen Modelle entwickeln, investieren wir 600 Millionen Euro in eine neue Fabrik im marokkanischen Tanger. Sie wird unsere Produktionskapazität im Jahr 2012 um 175.000 Dacia-Fahrzeuge erhöhen, Ende 2013 sollen dort dann 350.000 Autos pro Jahr vom Band rollen.

mm: Das bedeutet also, dass Dacia weiterhin stark wachsen soll…

Détourbet: In den kommenden zwei Jahren werden wir unseren Output in Europa verdoppeln. Ich rechne zwar nicht damit, dass wir die neuen Kapazitäten in Tanger sofort ausschöpfen werden. Aber allzu weit werden wir nicht von der vollen Auslastung entfernt sein. Das gibt Ihnen wohl eine Ahnung davon, mit welchen Wachstumszahlen wir rechnen. Denn wir schaffen keine neuen Kapazitäten um der Kapazitäten willen.

"Bezahlbare Autos zu produzieren ist Dacias DNA"

mm: Automarken wie Kia oder Skoda, die früher ausschließlich billige Einsteigermodelle verkauften, bewegen sich in den letzten Jahren in Richtung Mittelklasse. Ist das ein Weg, der auch für Dacia vorstellbar ist?

Détourbet: Nein. Die DNA von Dacia ist es, bezahlbare Autos zu produzieren. Ich will nicht billig sagen, denn das wäre der falsche Wert. Wir werden keine teuren Zusatzausstattungen in die Dacias einbauen, nur weil das alle anderen tun. Denn wir wollen bezahlbar bleiben. Kunden haben natürlich die Möglichkeit, mehr Extras in ihre Autos einbauen zu lassen. Doch wer das nicht will, muss solche Dinge nicht extra bezahlen.

mm: Kann sich Dacia auch vorstellen, ein kleineres Auto als den Sandero anzubieten?

Détourbet: Die Bodenplatte, die wir für den Sandero, den Logan und den Duster benutzen, lässt Autolängen von 3,6 bis 4,7 Metern zu. Derzeit haben wir aber nur Autos zwischen 4 und 4,5 Metern Länge im Programm. Wir können also sowohl kleinere als auch größere Fahrzeuge anbieten. Doch wenn wir solche neuen Modelle bauen, wollen wir damit auch neue Märkte erschließen. In Europa ist das nicht notwendig, in Brasilien kommt es nicht auf die Länge des Autos an, sondern auf den Inhalt und den Preis. Aber in einigen Ländern sehen wir durchaus Potenzial für noch kleinere Autos. Doch wenn wir ein kleineres Auto entwickeln, müssen wir das Fahrzeug in großen Stückzahlen verkaufen können. Und das aus unserer Sicht schwierig.

mm: Der größte Wachstumsmarkt der Autobranche ist derzeit China. Gilt das auch für Dacia?

Détourbet: Nein. Dacia ist klar auf Europa fokussiert. Dazu kommen noch einige umliegende nordafrikanische Länder wie etwa Marokko. Doch es klar, dass Dacia nicht die Marke für die weltweite Expansion sein wird, sondern Renault. In Brasilien oder Russland werden Dacia-Modelle unter dem Namen Renault verkauft. Dacias Bandbreite für die europäische Expansion liegt in der Ausweitung der Modell- und Motorenpalette.

mm: VW iund BMW investieren nun Milliarden in ihre brasilianischen Produktionsstätten. Wird Renault seine Kapazität von derzeit 170.000 Pkws in Brasilien nun ebenfalls erhöhen, und wie viel Geld wollen sie dafür in die Hand nehmen?

Détourbet: Ja, Renault wird ab 2013 in seinem Werk Curitiba 200 Millionen Euro investieren, um somit die Produktionskapazität um 100.000 auf 380.000 Fahrzeuge zu steigern.

"Unsere Hauptkonkurrenten sind Hyundai und Kia"

mm: In seinen brasilianischen Werken hat Renault bislang nur die Dacia-Modelle Logan und Sandero gefertigt, die in Brasilien unter der Marke Renault verkauft werden. Wollen sie künftig auch den Geländewagen Duster in Brasilien produzieren - und ihr angekündigtes neues Familienauto samt dem Klein-Geländewagen?

Détourbet: Seit Oktober produziert Renault auch den Dacia Duster in Curitiba. Ab 2016 werden noch weitere Modelle in Curitiba vom Band rollen. Welche Modelle das sein werden, vermögen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu sagen.

mm: Im dritten großen Auto-Hoffnungsmarkt Indien hat Renault bisher kaum Fuß fassen können. Nun wagen Sie einen neuen Anlauf - mit welchen Modellen?

Détourbet: Renault ist mit Mahindra und Mahindra bereits ein Jointventure eingegangen, um den Logan auf dem indischen Markt einzuführen. In dem neuen Werk der Renault-Nissan-Allianz im indischen Chennai werden bereits die Renault Modelle Fluence und Koleos gefertigt. Im Jahr 2012 folgt die Produktion des Duster. Zudem ist geplant, dass weitere Modelle der Renault-Nissan Allianz hier vom Band gehen.

mm: Die Nische, die Dacia mit seinen günstigen Autos gefunden hat, wird immer belebter. Nun will ja auch Volkswagen mit seinem Up im Bereich vergleichsweise günstiger Autos mitmischen. Stört Sie die Konkurrenz?

Détourbet: Nein, im Vergleich zu 2008 sinken die Preise unserer Autos. Dieses Rennen ist noch nicht zu Ende, und wir sind gut in Form. In Europa versucht nun jeder Autohersteller, mit einem günstigen Modell gegen Dacia anzutreten. Doch das sind nur Autos mit einem niedrigeren Preis, aber nicht mit niedrigeren Produktionskosten. Wir hingegen entwickeln unsere Fahrzeuge von vorne herein auf einem sehr niedrigen Kostenniveau. Unsere Hauptkonkurrenten heute sind Hyundai und Kia. Eines Tages werde ich wohl auch mit den Chinesen kämpfen müssen.

mm: Ihre Konzernmutter Renault setzt massiv auf Elektroautos. Wird Dacia in nächster Zeit batteriebetriebene Fahrzeuge auf den Markt bringen?

Détourbet: Für Dacia ist es derzeit einfach zu teuer, ein Elektroauto zu entwickeln und zu produzieren. In der nahen Zukunft wird es daher kein Dacia Elektroauto geben. Ich sehe mir derzeit an, welche Lösungen unsere Konkurrenten für Elektro- und Hybridautos entwickeln. Doch das ist alles außerhalb der Reichweite für ein günstiges Auto. Vor 2015 sehe ich da keine Möglichkeit.

Mehr lesen über