Donnerstag, 19. September 2019

Jointventure mit Europcar Daimler setzt auf Teilzeitfahrer

Start der Car2Go-Flotte in Hamburg: Der Kurzzeitvermieter aus dem Hause Daimler nimmt nun Kurs auf Europas Millionenstädte.

Gemeinsam mit dem Autovermieter Europcar will Daimler sein Carsharing-Angebot Car2Go deutlich ausbauen. Bald soll Car2go in Dutzenden europäischen Städten verfügbar sein. Bisher sind es zwei. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Smart mieten statt Mercedes kaufen: Das hat Daimler nicht im Sinn. Doch der Autohersteller will aus der Kurzzeitvermietung von Smart-Stadtautos ein rentables Zusatzgeschäft machen. Gemeinsam mit seinem Partner Europcar will Daimler Börsen-Chart zeigen sein Mietkonzept Car2Go in naher Zukunft in 40 bis 50 europäische Städte ausweiten.

"Wir denken dabei an einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren", sagte Car2Go-Geschäftsführer Robert Henrich zu manager magazin Online. Zunächst will sich Car2Go vor allem auf Ballungsräume konzentrieren, die mehr als eine Million Einwohner haben. Kleinere Städte könnten danach folgen, sagte Henrich.

Dazu wollen die Konzerne ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, an dem Daimler die Mehrheit hält. Bei der modernen Form des Autoteilens gilt Daimler als Pionier. Bereits vor 3 Jahren ist Daimler mit Car2Go in das Carsharing-Geschäft eingestiegen. In Ulm startete der Autohersteller einen Pilotversuch mit dem zweisitzigen Smart, kurz danach kam Austin in Texas dazu. Innerhalb von drei Jahren schnellte die Car2Go-Nutzerzahl in Ulm auf 20.000 Kunden hoch.

Inzwischen hat Car2Go in Ulm, Austin, Vancouver und Hamburg rund 1000 Fahrzeuge auf der Straße, die Kundenzahl nähert sich der 50.000er-Marke. In Lyon, Amsterdam und San Diego soll das Projekt auch an den Start gehen. In Amsterdam und San Diego soll Car2Go den Betrieb noch vor Jahresende mit jeweils 300 Smarts mit Elektroantrieb aufnehmen.

Einsteigen, losfahren, abstellen - für 29 Cent pro Minute

Bei Car2Go wird derzeit ausschließlich der Kleinwagen Smart eingesetzt. Daimler und Europcar arbeiten bereits in Hamburg zusammen. Ende 2010 kamen die weiß-blauen Car2Go-Smarts in die Hansestadt- unter Beteiligung von Europcar. Bereits damals deutete Europcar an, dass die Partnerschaft nicht auf Hamburg begrenzt bleiben werde.

Dabei legen Daimler und Europcar großen Wert darauf, dass das Teilen der Autos besonders einfach funktioniert. Anders als bei etablierten Carsharing-Anbietern gibt es keine fixen Anmietplätze. Die Fahrzeuge sind im gesamten Stadtgebiet verteilt. Sie können von Kunden, die sich einmal registriert haben, per auf dem Führerschein aufgeklebten Chip geöffnet und in Betrieb genommen werden. Finden lassen sich die Autos auch über eine Smartphone-App, die die aktuellen Abstellorte der Autos anzeigt. Nach der Nutzung werden die Autos einfach auf einem Parkplatz im dafür vorgesehen Gebiet abgestellt. Im Mietpreis, der pro Minute je nach Stadt zwischen 19 und 29 Cent liegt, sind Kosten für Benzin und etwaige Parkgebühren bereits enthalten

Mit dem größten europäischen Autovermieter hat sich Daimler mit einen Partner geangelt, der dem Projekt deutlich Gewicht verleiht. Europcar verfügt über eine ausgebaute Infrastruktur in 160 Ländern, die Daimler sonst im Alleingang aufbauen müsste.

Diese will Daimler künftig stärker nutzen: "Wir wollen einen nahtlosen Übergang zwischen Car2Go und Europcar ermöglichen", sagte Henrich. In Hamburg können Car2Go-Kunden bereits zu Sonderkonditionen auf Europcar-Mietwagen umsteigen, die Fahrt zur Europcar-Station ist kostenlos. Künftig werden sich potenzielle Car2Go-Kunden auch in den Europcar-Vermietstationen registrieren können. Ab 2012 werden deutsche Car2Go-Kunden die weiß-blauen Smarts auch in anderen europäischen Städten problemos verwenden können. "Derzeit sind die Buchhaltungssysteme noch nicht abgeglichen", gab Henrich gegenüber manager magazin Online zu.

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