Übernahme von Porsche Volkswagens Plan B droht zu scheitern

Um die Übernahme von Porsche durch VW ist erneut juristischer Streit entflammt. Der Münchner Anwalt Franz Braun prüft eine Klage gegen den schrittweisen Kauf des Porsche-Autogeschäfts durch die Wolfsburger. Der Grund: Durch den Deal könnten Milliarden verloren gehen, die dann nicht mehr als Schadenersatz für umstrittene Börsengeschäfte zur Verfügung stünden.
Not amused: VW-Chef Martin Winterkorn, zugleich Vorstandsvorsitzender der Porsche SE, droht ein weiterer Rückschlag

Not amused: VW-Chef Martin Winterkorn, zugleich Vorstandsvorsitzender der Porsche SE, droht ein weiterer Rückschlag

Foto: Caroline Seidel/ dpa

Stuttgart - Der Volkswagen-Konzern stößt bei der geplanten Übernahme des Stuttgarter Sportwagenherstellers Porsche möglicherweise auf eine neue juristische Hürde. Der Münchener Kapitalrechtsanwalt Franz Braun sagte den "Stuttgarter Nachrichten", er prüfe eine Klage gegen den geplanten schrittweisen Kauf des Porsche-Autogeschäfts durch VW.

Der Wolfsburger Konzern hatte zuvor wegen milliardenschwerer Schadenersatzforderungen die Fusion auf Eis gelegt und erwägt stattdessen den Kauf in mehreren Schritten. Dadurch könnte jedoch Geld verloren gehen, das für Schadenersatz benötigt werde, sagte Braun dem Blatt. "Wir prüfen deswegen gerade, ob man diesen Plan B nicht vor Gericht stoppen lassen kann", fügte er hinzu.

Ansprüche von Klägern blieben auf der Strecke

Würde VW das Autogeschäft Porsches tatsächlich kaufen, bliebe laut Braun nur noch die Dachgesellschaft Porsche SE, die die VW-Anteile hält, um mögliche Ansprüche von Klägern zu bedienen. Das Vermögen der SE ließe sich allerdings ziemlich leicht beiseiteschaffen, warnte Braun: "Das ist wie bei einem Grundstücksbesitzer, gegen den Ansprüche laufen: Sein Grundstück kann er nicht mal schnell zu Geld machen. Geld und Wertpapiere lassen sich eben sehr leicht verschieben." Damit die Schadenersatzansprüche gesichert seien, könne dies ein Gericht untersagen.

Braun vertritt die Kläger, die von Porsche und VW insgesamt 1,1 Milliarden Euro Schadenersatz fordern. Es handelt sich um 41 institutionelle Investoren, darunter Banken, Versicherungen und Fonds. Sie werfen Porsche und VW Falschinformation vor. Vor rund einem Monat reichte Braun deswegen vor dem Landgericht Braunschweig Klage gegen Porsche und VW ein.

Kursturbulenzen führten zu hohen Millionenverlusten

Braun will nachweisen, dass Porsche bei der versuchten VW-Übernahme im Jahr 2008 die Öffentlichkeit über seine wahren Absichten getäuscht habe. Dadurch sei es zu Kursturbulenzen gekommen, die den Fondsgesellschaften jeweils hohe Millionenverluste eingebracht hätten. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt schon seit rund einem Jahr wegen möglicher Marktmanipulationen des früheren Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking und seines Finanzvorstands Holger Härter. Volkswagen und Porsche weisen die Vorwürfe zurück.

Neben Wiedeking und Härter sowie VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Großaktionär Ferdinand Piech hat Braun in seiner Klageschrift auch den früheren VW-Aufsichtsrat und heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff als Zeugen benannt. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Wulff habe durch verschiedene Äußerungen zu verstehen gegeben, "dass er von der Übernahmeabsicht wusste, diese aber nicht ernst genommen hat", sagte Braun.

krk/dapd

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