Joint-Venture genehmigt Daimler darf in China Lkws bauen

Der Autokonzern Daimler hat in China die lang ersehnte Genehmigung für ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau von Lastwagen erhalten. Die neue Marke heißt Auman. Mit dem Joint-Venture-Partner BAIC haben die Stuttgarter bereits Erfahrungen gesammelt.
Daimler-Werk im chinesischen Fujian: Schon heute schrauben die Stuttgarter in China Autos zusammen.

Daimler-Werk im chinesischen Fujian: Schon heute schrauben die Stuttgarter in China Autos zusammen.

Stuttgart - Daimler hat abschließende Genehmigung der chinesischen Behörden für sein geplantes Lastwagen-Joint-Venture erhalten. Die Entscheidung war lang ersehnt worden. Nun können die Stuttgarter über die Marke Auman des chinesischen Anbieters Foton in den wachsenden Massenmarkt einsteigen.

"Dies ist ein wichtiger Schritt für die globale Wachstumsstrategie von Daimler und die Erweiterung unseres Portfolios in China", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Montag. "Durch das Joint Venture ist Daimler künftig mit 50 Prozent am Geschäft von Foton Motor mit schweren und mittelschweren Lkw beteiligt", ergänzte China-Chef Ulrich Walker.

Den Angaben zufolge kommt das Gemeinschaftsunternehmen Beijing Foton Daimler Automotive insgesamt auf eine Kapazität von 160.000 Lastwagen. Daimler bringt in das Gemeinschaftsunternehmen sein technisches Wissen vor allem bei den Dieselmotoren und Abgassystemen ein. Die Motoren erfüllen die Auflagen bis zur Abgasnorm Euro V. Foton stellt das Vertriebs- und Servicenetz zur Verfügung. Die Partner denken auch über den Export der Fahrzeuge in andere Schwellenländer nach.

Die Aktie Daimlers  notierte im späten Vormittagshandel gegen den festeren Markt mit etwas mehr als einem Prozent im Minus.

Die Lastwagen europäischer Hersteller gelten in den Schwellenländern als zu teuer und für die dortigen Straßenverhältnisse und Belastungssituationen als zu hochwertig ausgestattet. Deshalb versuchen europäische Hersteller mit lokalen Partnern auf die dortigen Bedürfnisse ausgerichtete, kostengünstigere Fahrzeuge zu entwickeln und zu produzieren.

MAN  hat sich beispielsweise mit einem Viertel am chinesischen Hersteller Sinotruk beteiligt und will nun unter der Marke Sitrak Lastwagen für die Schwellenländer bauen. Bis 2018 werden 200.000 Verkäufe angestrebt, ein Fünftel davon soll in den Export gehen.

Daimler hat die Partnerschaft mit Foton schon 2008 in die Wege geleitet und einen Genehmigungsmarathon hinter sich. Foton ist ein Tochterunternehmen der Beijing Automotive Industry Corporation (BAIC), die mit Daimler auch ein Gemeinschaftsunternehmen bei Personenwagen unterhält. Dort werden die E- und C-Klasse für den lokalen Markt gefertigt.

Daimler hat zehn weitere Lkw-Märkte im Blick

Seit dem Einstieg in das Lastwagengeschäft 1998 sei Foton schnell gewachsen, hieß es. Prognosen zufolge dürfte der chinesische Lkw-Markt in der Gewichtsklasse über 6 Tonnen bis 2020 auf 1,5 Millionen Fahrzeuge wachsen, ausgehend von 1,2 Millionen Stück 2010.

Das gleichberechtigte chinesische Gemeinschaftsunternehmen ist Teil von Daimlers weltweiter Expansionsstrategie. In Indien nimmt der Dax-Konzern im nächsten Jahr die Produktion der neuen, eigene Marke BharatBenz auf. In Russland arbeiten die Schwaben mit dem lokalen Marktführer Kamaz zusammen. Mittlerweile hat die Lastwagensparte zehn weitere Märkte im Blick. Dazu zählen unter anderem Algerien, Kolumbien, Südkorea und Vietnam.

In Westeuropa ist Daimler Trucks mit der Marke Mercedes-Benz und fast einem Viertel Marktanteil führend. In Brasilien kommt Mercedes-Benz hinter der mittlerweile zu MAN gehörenden Lastwagenmarke VW auf Platz zwei. In Japan ist der Konzern mit der Marke Fuso vertreten. In Nordamerika fahren Daimler-Lkw unter den Labeln Freightliner und Western Star.

Von Januar bis August 2011 setzte Daimler Trucks 259.618 Fahrzeuge ab, eine Steigerung von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bis 2013 will Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler den weltweiten Lastwagenabsatz auf mehr als 500.000 Stück steigern. Bis Ende des Jahrzehnts sollen dann weltweit 700.000 Lastwagen jährlich verkauft werden. Bei der Profitabilität soll die Sparte ab 2013 durchschnittlich eine Umsatzrendite von acht Prozent erreichen.

krk/dpa

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