Automobilmesse IAA Sportwagenhersteller sind im Karbon-Fieber

Sportwagenhersteller finden Gefallen an Gewichtsdiäten: Leichtbau ist bei exklusiven Straßenrennern das Gebot der Stunde. Doch anders als bei den großen Autokonzernen halten Lamborghini, Ferrari und Co. dem Verbrennungsmotor weiter die Treue. Nur Jaguar und Porsche denken weiter.
Heckansicht des Sportwagen Jaguar C-X16: Mehr Leichtbau, mehr PS

Heckansicht des Sportwagen Jaguar C-X16: Mehr Leichtbau, mehr PS

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Zurückhaltung liegt dem italienischen Sportwagenhersteller Lamborghini nicht. Mit ihren flachen, gedrungenen und irgendwie eckigen Keilformen stechen die Straßenrenner der Volkswagen-Tochter ohnedies aus dem rundlichen Einerlei der Automesse IAA hervor. Wo andere Hersteller auf lichtes Weiß setzen, dominiert am Lamborghini-Stand die Farbe schwarz.

Schwarz, das ist auch die Farbe des Werkstoffs, den Lamborghini im großen Maßstab einsetzt: Denn mit Hilfe von Kohlenstofffasern will der Sportwagenhersteller seine Fahrzeuge künftig noch schneller machen. Dem Murciélago-Nachfolger Aventador hat Lamborghini eine kräftige Dosis Karbon verpasst. Sowohl die Karosserie als auch die Außenhaut bestehen vollständig aus Kohlefaser, was das Auto um ganze 93 Kilogramm leichter macht.

Bei der Motorisierung macht Lamborghini allerdings keine Zugeständnisse an die Ökofans: Der Zwölfzylindermotor des Aventador leistet mit seinem 6,5 Liter großen Hubraum satte 700 PS - ohne neumodisches Schnickschnack wie Turbolader oder Direkteinspritzung. In knapp drei Sekunden beschleunigt der Aventador auf 100 km/h, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 320 km/h.

Während Volumenhersteller mit möglichst sparsamen Modellen werben, die unter 100 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, ist bei vielen Sportwagenherstellern weiterhin PS-Protzen angesagt - mit nur wenig Rücksicht auf die Umwelt. Und der großflächige Einsatz von Leichtbau ist weniger dem Ökogedanken an sparsameres Fahren geschuldet. Bei den Herstellern von teuren, feinen Sportwagen dient die Gewichtsminimierung vor allem der Leistungssteigerung, wie ein Rundblick auf der IAA zeigt.

Lamborghini Sesto Elemento in 2,5 Sekunden auf 100 km/h

Zum Start der Messe hatte Lamborghini-Chef Stefan Winkelmann aber noch eine Überraschung im Gepäck: Das vor einem Jahr vorgestellte Konzeptfahrzeug Sesto Elemento, das dank großzügigem Karboneinsatz unter 1000 Kilogramm wiegt, geht nun in eine Kleinserie von 20 Stück. Anfang 2013 werden die ersten Exemplare des Supersportwagens ausgeliefert, der innerhalb von 2,5 Sekunden Tempo 100 erreicht.

An den Einsatz wirklich sparsamer Motoren oder die verbrauchsschondende Kombination mit Elektroantrieb denkt Lamborghini ebenso wenig wie sein italienischer Erzkonkurrent Ferrari. Die Fiat-Tochter stellte auf der IAA den 458 Spider vor, dessen Alu-Hardtop im Vergleich zu herkömmlichen Stoffverdecken um 25 Kilogramm leichter ist.

Doch bei der Motorisierung ist von Downsizing oder Spritspar-Maßnahmen nichts zu merken. Mit seinen 570 PS beschleunigt der Achtzylindermotor den Spider in 3,4 Sekunden auf 100 km/h - bei einem Hubraum von 4,4 Litern. Bis zu 320 km/h ist die offene Version des Spider schnell, doch hohe Benzinpreise sind für die Ferraristi wohl kein Thema. Laut Ferrari verbraucht der Spider 11,8 Liter Super auf 100 Kilometer - und bläst dabei 275 Gramm CO2 je Kilometer in die Luft.

Warum der sonst so viel beschworene Elektroantrieb in der kleinen, feinen Nische der Sportwagenhersteller bislang wenig Anklang finden, erklärt Aston-Martin-Chef Ulrich Bez gegenüber manager magazin Online so: "Autos sind dazu da, zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt zu fahren. Das kann man mit Elektroautos aufgrund der begrenzten Reichweite einfach nicht." Hybridantriebe wiederum machen Sportwagen deutlich schwerer und brauchen mehr Platz, so Bez - und das würde zu zu großen und zu schweren Autos führen.

Aston Martin V12 Zagato mit 6 Litern Hubraum und 510 PS

Aston Martin V12 Zagato: Karosserie aus Aluminium und Karbon

Aston Martin V12 Zagato: Karosserie aus Aluminium und Karbon

Nichts desto trotz: Auch Aston Martin packt viel Karbon in seine Autos. Auf der Messe zeigt Aston Martin den V12 Zagato, dessen Karosserie aus Aluminium und Karbon. Doch der Motor bleibt voluminös: Sechs Liter Hubraum sorgen für 510 PS.

Etwas anders ist die Richtung bei Porsche. Mit viel Getöse präsentiert Porsche-Chef Matthias Müller die Neuauflage des Porsche-Klassikers 911. Großzügiger Einsatz von Aluminium und Leichtbaukomponenten hat das Gewicht des 911ers um 35 Kilogramm schrumpfen lassen, das Fahrzeug wiegt mit Handschaltung nun 1380 Kilogramm. Den Normverbrauch gibt Porsche mit 8,5 Litern auf 100 Kilometer an, im realen Praxisbetrieb dürften aber zwischen 11 und 12 Liter daraus werden. Und ab 2015 soll es den 911er dann auch als Hybridversion mit kombinierten Elektro- und Verbrennungsmotor geben.

Einen Über-Hybrid hat Porsche übrigens auch im Programm: Der vor einem Jahr in Paris vorgestellte Porsche 918 Spyder. Der mit viel Karbon ausgestattete Supersportwagen wird 767 PS stark und 320 km/h schnell. Nur 3,2 Sekunden braucht der Spyder für den Sprint von 0 auf 100 km/h, den Verbrauch gibt Porsche mit 3 Litern je 100 Kilometern an. Und der CO2-Ausstoß des Boliden soll bei 79 Gramm je Kilometer liegen - und damit noch unter dem Niveau heutiger Kleinwagen. Ab Ende 2013 sollen die ersten Exemplare des auf 918 Stück limitierten Supersportwagens ausgeliefert werden - zum Preis von satten 768.026 Euro.

Jaguar C-X16 mit Boost-Knopf für Topspeed

Jaguar C-X16: Nach der Vorstellung im Palais Thurn und Taxis in Frankfurt am Main

Jaguar C-X16: Nach der Vorstellung im Palais Thurn und Taxis in Frankfurt am Main

Foto: DPA

Das wollten die Briten von Jaguar so nicht auf sich sitzen lassen: Vor einem Jahr haben sie in Paris mit dem CX-75 ein Konzeptfahrzeug präsentiert, dass es mit Porsches Spyder durchaus aufnehmen kann. Der CX-75 ist wie der Porsche als Hybridfahrzeug konzipiert. Mit seinen 800 PS, die sich aus der Kombination von Elektromotor und Verbrenner ergeben, beschleunigt er unter drei Sekunden auf Tempo 100. Nun wird das Fahrzeug in Kleinserie von 250 Stück gebaut, die zwischen Ende 2013 und 2015 in Handarbeit entstehen - zum Preis von mindestens 800.000 Euro.

In Frankfurt ließ Jaguar mit einem weiteren Hybrid-Konzeptfahrzeug aufhorchen: Mit dem C-X16 haben sie gezeigt, wie ein Nachfolger des legendären E-Type aussehen soll. Bereits 2012 soll das Fahrzeug unter der Bezeichnung XE auf den Markt kommen. Jaguars Neuer glänzt mit beeindruckenden Zahlen: Sein Dreiliter-Sechszylinder leistet 380 PS. Zusätzlich hat Jaguar dem Auto noch einen Elektroantrieb spendiert, der nochmals 95 PS an zusätzlicher Leistung bringt.

Per Boost-Knopf ist der Elektroantrieb zuschaltbar und beschleunigt das Fahrzeug so in 4,4 Sekunden auf 100 km/h. Auf das teure Karbon verzichtet Jaguar allerdings - die Karosserie besteht aus Aluminium. Dank Hybridantrieb verbraucht der Sportwagen laut Jaguar 6,9 Liter Benzin auf 100 Kilometer und stößt nur 165 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Für einen Sportwagen mit dieser Leistung ist das ein durchaus niedriger Wert. All das soll ab 2012 zu einem akzeptablen Preis erhältlich sein: Rund 60.000 Euro soll Jaguars neuer angeblich kosten. Umweltbewusster Fahrspaß muss also nicht unbedingt extrem teuer sein.

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