Zusammenschluss VW könnte Porsche AG komplett übernehmen

Porsche rechnet nicht mehr damit, mittels Aktientausch mit Volkswagen zu fusionieren. Jetzt rückt eine Alternative ins Blickfeld, mit der das Management die milliardenschweren Porsche-Altlasten in den Griff bekommen will, die den ursprünglich geplanten Fusionsplan scheitern ließen.
Zähes Ringen: Milliardenschulden erschweren Zusammenschluss

Zähes Ringen: Milliardenschulden erschweren Zusammenschluss

Foto: Peter Steffen/ picture alliance / dpa

Hamburg - Nach dem Rückschlag für die vorgesehene Fusion von Volkswagen und Porsche setzen die zwei Autobauer nun auf Plan B. Demnach könnte VW von Ende 2012 an seine Kaufrechte einlösen und die Porsche AG - also nur das operative Sportwagengeschäft des Porsche-Konzerns - komplett unter sein Dach holen. "Ich gehe jetzt davon aus, dass die Put-Call-Option zum Tragen kommt", sagte der Chef der Porsche AG, Matthias Müller, am Dienstag auf der Automesse IAA in Frankfurt. Die Porsche Holding, die neben Anteilen an der Porsche AG auch Anteile an VW hält, hatte Ende der vergangenen Woche die seit 2009 angestrebte Verschmelzung mit VW wegen hoher steuerlicher und rechtlicher Risiken auf Eis gelegt.

Auch VW will die ursprünglich bis Jahresende angepeilte Fusion zunächst nicht weiterverfolgen und sucht nach Wegen, beide Unternehmen dennoch zusammenzubringen. Damit würde sich nach Müllers Worten die Zusammenarbeit beider Unternehmen vereinfachen. "Jetzt brauchen wir für jedes gemeinsame Projekt einen Vertrag", sagte der Porsche-Chef. Durch die Zusammenarbeit wollen beide Konzerne insgesamt 700 Millionen Euro jährlich sparen. "600 Millionen Euro sind bereits identifiziert", sagte Müller. Über weitere Synergieeffekte werde spätestens im kommenden Jahr Klarheit herrschen. "Insgesamt kommen mehr als 700 Millionen Euro Synergien zusammen", sagte der Porsche-Chef.

Porsche und VW sind seit Jahrzehnten eng verbunden und aneinander beteiligt. Die Porsche Holding und der VW-Konzern haben sich gegenseitig Kauf- beziehungsweise Verkaufsoptionen auf einen Anteil von gut 50 Prozent am Porsche-Fahrzeuggeschäft eingeräumt, womit die Marke Porsche im VW-Konzern aufgehen würde. Diese Optionen können erstmals Ende 2012 ausgeübt werden, letztmals Ende Januar 2015. Bei der Ausübung dieser Optionen wird nach bisheriger Rechtslage allerdings mit erheblichen Steuerbelastungen gerechnet, deren Höhe allmählich abschmilzt. Nach Ausübung der Optionen hätte die Porsche Holding kein operatives Geschäft mehr, Einnahmequelle wäre allein die Beteiligung an VW.

Porsche vor Rekordabsatz

Negative Auswirkungen durch die derzeitigen Turbulenzen an den Finanzmärkten spürt Porsche noch nicht. "Wir sehen keine Auswirkungen auf unseren Auftragseingang", sagte Müller. Das Wachstum könne sich jedoch abschwächen. Porsche strebt dieses Jahr bislang einen Rekordabsatz von mehr als 100.000 Fahrzeugen an und will dauerhaft eine Umsatzrendite von 15 Prozent erwirtschaften.

"Aus der vergangenen Krise haben wir gelernt, dass auch das Luxus-Segment nicht immun gegen Wirtschaftskrisen ist", sagte Müller. "Wenn das Geld bei den Konsumenten knapp wird, wird es auch dieses Segment treffen." Die Neuauflage der Sportwagen-Ikone 911 Carrera auf der IAA werde der Marke Porsche jedoch neue Wachstumsimpulse verleihen. "Durch die Markteinführung des 911 wird unsere Marge sicher nicht schlechter werden", sagte der Vorstandschef. Im kommenden Jahr stelle Porsche neue Modelle der Baureihe Boxster/Cayman vor, 2013 komme dann voraussichtlich ein kleiner Geländewagen auf den Markt.

Über die Entwicklung einer weiteren, fünfte Modellreihe will Müller im Vorstand noch in diesem Jahr eine Entscheidung fällen. Zudem müsse Porsche das Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen renovieren und dort weiteren Platz für Produktionsanlagen schaffen. Dazu werde auch der Erwerb eines weiteren Grundstücks in der Nachbarschaft erwogen.

kst/dpa-afx/rtr
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