Friedenssignale VW-Spitze will Suzuki-Kooperation retten

Nach den von Suzuki geäußerten Trennungsabsichten versucht das VW-Management die Wogen zu glätten. Aufsichtsratschef Piëch gibt sich plötzlich bescheiden und Konzernchef Winterkorn ist um Diskretion bemüht. Schließlich ist auch ein anderer Autobauer an einer Kooperation interessiert.
IAA in Frankfurt: VW-Chef Winterkorn (r.) zeigt Niedersachsens Ministerpraesident David McAllister (CDU, 2.v.r.) den VW-Kleinwagen "Up"

IAA in Frankfurt: VW-Chef Winterkorn (r.) zeigt Niedersachsens Ministerpraesident David McAllister (CDU, 2.v.r.) den VW-Kleinwagen "Up"

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Das gesamte Management einschließlich des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch war am Montagabend im Vorfeld der Automesse IAA bemüht, eine weitere Eskalation des Streits mit den Japanern zu verhindern. Konzernchef Martin Winterkorn sagte, man befinde sich "in schwierigen Verhandlungen" mit Suzuki. Daher wolle er sich zunächst nicht öffentlich zu dem Thema äußern. Ähnlich zugeknöpft gab sich Piëch.

Inzwischen wird Suzuki  bereits von Fiat  umworben. Suzuki könnte ein interessater Partner für den asiatischen Markt sein, sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne.

Der japanische Kleinwagen- und Motorradspezialist hatte zuvor die vor knapp zwei Jahren mit Europas größtem Autobauer eingegangene Allianz aufgekündigt, weil er um seine Eigenständigkeit fürchtet. Suzuki-Chef Osamu Suzuki forderte von den Wolfsburgern, die von Volkswagen  gehaltenen Aktien zu verkaufen. Der japanische Konzern wolle technische Neuentwicklungen künftig alleine vorantreiben.

Volkswagen hatte die Japaner am Wochenende des Vertragsbruchs bezichtigt und damit den seit Monaten schwelenden Konflikt eskaliert. Suzuki habe unzulässigerweise Dieselmotoren von Fiat bezogen. Der deutsche Konzern setzte seinem Partner daraufhin die Pistole auf die Brust und räumte ihm eine mehrwöchige Frist ein, um "diesen Sachverhalt zu korrigieren".

Piëch: "Wir sind groß genug"

Auch VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch sandte Friedenssignale an Suzuki: Der deutsche Konzern habe seinen Standpunkt deutlich gemacht. Nun hätten die Japaner einige Woche Zeit, "dann werden wir sehen wie es weitergeht". VW gehe davon aus, dass man sich einigen werde. "Wir beschäftigen uns jetzt nicht mit irgendwelchen Alternativszenarien", antwortete Pötsch auf die Frage, ob VW den Verkauf seiner Beteiligung von knapp 20 Prozent an Suzuki erwäge.

Piëch, der bei solchen Gelegenheiten vor Journalisten gerne öffentlich über die Vergrößerung des Einflussbereichs von Volkswagen nachdenkt, wollte diesmal keine Übernahmefantasien anheizen. Gefragt, ob sich Volkswagen weitere Marken einverleiben wolle, antwortete der Porsche-Enkel: "Wir sind groß genug." Bei früheren Messeauftritten hatte der 74-Jährige die Fiat-Tochter Alfa Romeo noch als Wunschkandidaten für einen Zukauf bezeichnet. Suzuki hatte er schon einmal als Marke im VW-Riesenreich mitgezählt.

Auch Konzernchef Winterkorn stimmte verhaltene Töne an: "Erfolg und Größe sind nicht eine Frage von Marktanteilen, Umsatz und Rendite." Um an die Spitze der Automobilindustrie zu gelangen, gehöre neben zufriedenen Kunden, motivierten Beschäftigten, einem sparsamen Umgang mit Ressourcen und die Nutzung regenerativer Energien auch ein fairer und sachlicher Dialog mit den Kritikern. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte VW mangelnden Klimaschutz vorgeworfen. Dem hielt der Konzern Erfolge bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes seiner Neuwagenflotte entgegen.

mg/rtr
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