Donnerstag, 19. September 2019

Elektroautopionier Teslas waghalsige Zukunftswette

Mit seinem Roadster hat Tesla Motors der Autobranche gezeigt, dass das Fahren in einem Elektroauto richtig Spaß machen kann. Ein Elektroviertürer und ein E-SUV sollen den Daimler-Partner profitabel machen. Die Pläne sind ehrgeizig - doch Tesla baut sich still ein zweites Standbein auf.

Hamburg - Tesla Motors hat in diesem Jahr keinen Stand auf der weltgrößten Automobilmesse IAA - obwohl der Start seines neuen Hoffnungsträgers bevorsteht. Seine Fahrzeuge präsentiert der kalifornische Autohersteller in luxuriös ausgestatteten Innenstadtläden - obwohl er weltweit weniger als 2000 Autos verkauft hat. Seine Fabrik hat Tesla von zwei Autoriesen erworben - obwohl der kleine Autohersteller die Produktionskapazitäten seines neuen Werks niemals ausschöpfen wird.

Normale Maßstäbe scheinen für den Autohersteller aus dem Silicon Valley nicht zu gelten. Seit dem Jahr 2003 gibt es die kleine kalifornische Autoschmiede, die sich vom belächelten Startup in den Liebling der US-Prominenz verwandelt hat. Mit dem Tesla Roadster, der seine Kraft aus rund 7000 Laptop-Batteriezellen zieht, hat Tesla den etablierten Autobauern gezeigt, dass Elektroauto fahren eine Menge Spaß machen kann. Schauspieler wie George Clooney oder Brad Pitt gehören zum exklusiven Kreis der Tesla-Eigner, die für ihr Fahrzeug mindestens 100.000 Dollar auf den Tisch legen müssen.

Doch die Fertigung des auf dem Lotus Elise basierenden Elektro-Roadster, von dem bisher rund 1800 Stück weltweit verkauft wurden, läuft aus. Bis Ende des Jahres fertigt Tesla noch einige Restmodelle, doch nach 2500 Elektrosportwagen ist endgültig Schluss. Tesla will nun vom Kleinserienanbieter zum ernst zu nehmenden Hersteller reifen. Den Sprung in die Liga der Autokonzerne wollen die Kalifornier mit einem aufsehenerregenden Elektroauto schaffen: Einem Model S getauften Viertürer, der mit einer Batterieladung mindestens 250 Kilometer weit kommen soll. Mit der stärksten Akkuvariante sind sogar 480 Kilometer Reichweite drin.

Zwischen 57.500 und 77.500 Dollar soll der Tesla S je nach gewünschter Batterieleistung kosten. Das ist zwar noch immer eine Menge Geld. Doch in einem entscheidenden Punkt übertrumpft Tesla, an dem Toyota Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen Anteile halten, die bislang angekündigten E-Mobile etablierter Hersteller deutlich. Renault Börsen-Chart zeigen, Daimler und Co. begnügen sich bei ihren Elektroauto-Serienmodellen mit Reichweiten unter 200 Kilometern. Noch existieren nur Prototypen des Tesla-Hoffnungsträgers, die derzeit ausgiebig Probe gefahren werden. Sieben Sitze soll der Viertürer im Inneren bekommen, der Kofferraum wird normal groß sein. Aufladen lässt sich das Auto an der Steckdose.

Von Grund auf neu konzipiertes Auto

Gebaut wird das Model S in einer Automobilfabrik im kalifornischen Fremont, die ursprünglich den Autoriesen Toyota und General Motors Börsen-Chart zeigen gemeinsam gehörte. Mit seinen 1400 Mitarbeitern belegt Tesla aber nur einen Teil des riesigen Autowerks, das auf eine Jahreskapazität von 140.000 Autos ausgelegt ist.

Tesla hat das gesamte Auto von Grund auf neu konzipiert - im Gegensatz zu den etablierten Autoherstellern, die ihre E-Mobile auf der Basis bereits existierender Modelle bauen wollen. "Das ist eine brandneue Plattform. Wir formen das gesamte Chassis aus Aluminium, wir machen unsere eigenen Stanzungen", sagt Jérôme Guillen zu manager magazin Online. Der ehemalige Daimler-Manager hat Stuttgart vor einem Jahr Richtung Kalifornien verlassen und ist bei Tesla nun Baureihenleiter für das Model S.

Teslas Batterie habe die beste Energiedichte weltweit, meint Guillen. Doch das Gewicht des Akkus bleibt trotzdem hoch. Deshalb muss Tesla den Energieverbrauch des Autos minimieren, um so die Reichweite nach oben zu schrauben. Die Elektromotoren und die Kraftübertragung soll "supereffizient" werden, kündigt Guillen an. Zudem werde die Aerodynamik des Fahrzeugs sehr gut sein - auch deshalb, weil die Batteriebauweise des Model S einen völlig flachen Unterboden ermögliche.

Trotzdem wird der kalifornische Autobauer seinen Prototypen nicht auf der weltgrößten Automobilmesse IAA vorstellen, die am 15. September in Frankfurt startet. Derzeit sei seine Mannschaft vollauf mit den Vorbereitungen für das Model S ausgelastet, sagt Guillen entschuldigend. Zudem will Tesla seine Fahrzeuge erst bei einem eigenen Event im Herbst vorstellen. Am 1. Oktober lädt der kalifornische Elektroautobauer künftige Kunden zu Prototypen-Testfahrten in sein kalifornisches Werk ein.

Zahlungskräftige Elektroautofans aus Europa müssen sich aber noch länger gedulden, bevor sie in Teslas neuestem Modell Platz nehmen können. Bislang sind keine Model-S-Testfahrten in Europa geplant, obwohl Deutschland Teslas zweitgrößter Markt nach den USA ist. Doch Guillen meint, dass sich dies 2012 wohl ändern wird - und auch Europäer im Beta-Prototypen Platz nehmen können.

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