Höhere Ziele Schaeffler erwartet 10 Prozent Wachstum

Nach kräftigen Zuwächsen im ersten Halbjahr setzt sich der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler höhere Ziele für 2011. Das hochverschuldete Unternehmen setzt auf Wachstum - eine Fusion mit Continental steht vorerst nicht an.
Auf Wachstum eingestellt: Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler, Konzernchef Geißinger (v.l.)

Auf Wachstum eingestellt: Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler, Konzernchef Geißinger (v.l.)

Foto: DPA

Herzogenaurach - "Wir rechnen nun mit einem Umsatzwachstum von mehr als 10 Prozent", kündigte Konzernchef Jürgen Geißinger am Mittwoch an. Bisher hatte er ein Plus von 8 bis 10 Prozent in Aussicht gestellt. Im zweiten Halbjahr schwächten sich zwar die Wachstumsraten ab, es sei aber weiter von einer hohen Nachfrage auszugehen. "Ich sehe im Moment überhaupt keine Anzeichen, dass es nach unten geht", sagte Geißinger.

Die Verschärfung der Schuldenkrise in Europa und den USA und die Turbulenzen an den Börsen hätten "keine Auswirkungen" auf das Geschäft. Der Konzernchef hält einen erneuten Einbruch der Weltwirtschaft für unwahrscheinlich. Sollte er kommen, könne Schaeffler schnell reagieren. "Wir sind darauf vorbereitet", sagte Geißinger. "Wir sind aber auch auf weiteres Wachstum vorbereitet." So sei etwa davon auszugehen, dass die globale Autoproduktion in diesem Jahr um 4 Prozent zulegen werde. Das Geschäft mit der Fahrzeugindustrie sorgt bei Schaeffler für den Löwenanteil der Erlöse.

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz in der Sparte Automotive um 16 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Das Industriegeschäft legte, getrieben vor allem von den Bereichen Produktionsmaschinen und Antriebstechnik, um 25 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro zu. Im Konzern stieg der Umsatz insgesamt auf 5,4 Milliarden Euro - das sind 18 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Kein Zeitplan für Fusion mit Continental

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um ein Fünftel auf 883 Millionen Euro. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 641 Millionen Euro; vor Jahresfrist stand noch ein Nettoverlust von 260 Millionen zu Buche. Die Beteiligung am Autozulieferer Continental  steuerte 195 Millionen Euro bei. Schaefflers Umsatzrendite (Ebit-Marge) verbesserte sich im ersten Halbjahr auf 16,4 Prozent. Für das Gesamtjahr peilt der Konzern weiter eine Rendite von über 13 Prozent an. Weil die Kapazitäten massiv aufgebaut würden und mit höheren Material- und Personalkosten zu rechnen sei, ließ Geißinger die Prognose hier unverändert.

Die Verschuldung ging zum 30. Juni auf gut sechs Milliarden Euro zurück, nach dem ersten Quartal waren es noch 6,1 Milliarden. Schaeffler hatte vor mehr als zwei Jahren den weitaus größeren Hannoveraner Konzern Continental übernommen und sich dafür tief in die Schulden gestürzt. In der Finanzkrise führte dies fast zum Kollaps des fränkischen Unternehmens. Im März kündigte Schaeffler an, seine Beteiligung auf gut 60 von 75 Prozent zu reduzieren und mit dem Erlös einen Teil seines Milliardenschuldenberges abzutragen.

Auf die Frage nach einem möglichen Zusammenschluss mit Conti sagte Geißinger, der Stand sei unverändert. "Es gibt keinen Zeitplan für eine Fusion." Die beiden Unternehmen arbeiteten gut zusammen. "Wir sind damit sehr zufrieden." In einer Wachstumsphase sei dies wichtiger als eine Fusion.

ak/rtr
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