Freitag, 22. November 2019

Handelsgeschick Der effektvolle Argentino-Tango von VW

Die Schotten dicht: Wie BMW & Co. an Lateinamerika abprallen
REUTERS

4. Teil: Nicht protektionistischer als Europa

Das ist nach dem protektionistischen Feuerwerk keine unkomische Ansage - jedoch nicht aus der Luft gegriffen. Erhebungen der auf Handelsbarrieren spezialisierten Beratung Global Trade Alert zufolge ist Südamerika im Schnitt nicht mehr dem Protektionismus zugeneigt als die Industrienationen. Der unter Rousseffs Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva eingeleitete Aufschwung beruhte auf einer guten Portion Freihandel; nach anfänglichem Fremdeln stieg der frühere Gewerkschafter zum Liebling der Manager auf.

Hinzukommt, dass die USA und Europa die Militärdiktaturen in den 60er bis 80er Jahren nutzten, um neoliberale Wirtschaftspolitik in Südamerika zu verankern. In Chile haben daran selbst die linksgerichteten Nachfolgeregierungen wenig geändert, was der Hauptgrund für die gegenwärtigen Studentenproteste ist.

Südamerika holt auf. Eben auch im Protektionismus. Der direkte Draht in die Ministerien wird dabei für Manager und Unternehmer noch wichtiger. Ein Balanceakt zwischen guten Beziehungen und Korruption.

Beim schillernden Auftritt Kirchners 2007 in Berlin war VW-Mann Klima nicht der alleinige Ausrichter. Der damalige Siemens-Vorstand Uriel Sharif hofierte die Dame und führte ihr die Turbinenfabrik vor. Gegen ihn wurde vor Kurzem im Rahmen des Siemens-Korruptionsskandals Anklage erhoben. Die Affäre hatte in den 90er Jahren in Argentinien ihren Anfang genommen. Siemens bestach, so viel ist aktenkundig, den damaligen Präsidenten Carlos Menem um einen Staatsauftrag zu ergattern.

Das war plump. So weit bekannt ist, hat Klima das nicht nötig.

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