Donnerstag, 14. November 2019

Handelsgeschick Der effektvolle Argentino-Tango von VW

Die Schotten dicht: Wie BMW & Co. an Lateinamerika abprallen
REUTERS

2. Teil: Wein und Mineralwasser statt Autos

BMW ist der letzte Autohersteller, der noch mit der argentinischen Regierung verhandelt, wie er seine Importe durch Ausfuhren kompensiert. Die anderen stocken, wenn sie können, die Produktion im Land auf. Aber BMW ist reiner Importeur, und Export-Aufträge an örtliche Zulieferer zu vergeben, ist kurzfristig aussichtslos, da die Branche in Argentinien am Kapazitätslimit fährt.

So geht es vielen, sie müssen auf den Weiterverkauf anderer argentinischer Spezialitäten zurückgreifen, um ihre Auto-Ausfuhren nach Argentinien auszugleichen: Nissan Börsen-Chart zeigen wird seine Exportquote unter anderem durch die Ausfuhr von Sojaöl und Biodiesel erfüllen, Porsche Börsen-Chart zeigen tritt als Weinhändler auf, Mitsubishi Börsen-Chart zeigen führt argentinisches Premium-Mineralwasser aus.

Auch BMW Börsen-Chart zeigen präsentierte im Mai einen Plan, der die Ausfuhr etwa von Sojabohnen und Leder für Autositze vorsah. Regierungsvertreter bezeichneten das Angebot jedoch als zu "vage" und verlangten Nachbesserungen. Im Unternehmen heißt es dagegen, die Regierung habe kurzfristig mitgeteilt, die Ausfuhr von Soja als Kompensation nicht mehr zu akzeptieren. "Aber wenn Soja nicht mehr geht, wird es richtig schwer", sagt ein argentinischer BMW-Manager, "es gibt einfach nicht so furchtbar viele argentinische Produkte, die sich wettbewerbsfähig im Ausland verkaufen lassen."

Sich über diese Taschenspielertricks zu mokieren, mit dem Argentinien seine Handelsbilanz hübscht, hilft nichts. Die Regierung kann BMW am langen Arm verhungern lassen. Ein Treffen mit Industrieministerin Débora Giorgi in der vergangenen Woche brachte keine Einigung. "Es wird eine geben, aber wir wissen nicht wann", sagt der Manager und verspricht: "Wir werden alle Konditionen erfüllen." Die Einschiffung weiterer Autos hat BMW bis dahin eingestellt.

Volkswagen verschafft sich Spielraum

Doch die Episode hat für BMW noch eine bittere Pointe: Auch der direkte Konkurrent Audi musste eine Einfuhrblockade hinnehmen. Aber Klima, als VW-Statthalter für die Konzernmarke Audi Börsen-Chart zeigen verantwortlich, einigte sich schon am 17. März als erster mit der Regierung. VW stoppt den Verkauf der kränkelnden Marke Seat, weitet den Export des in Argentinien produzierten Pickups Amarok aus und schafft nebenbei Spielraum für Audi.

Präsidentin Kirchner rief extra ihren Finanzminister an, der an dem Tag vor Wirtschaftsvertretern sprach, und bat ihn, dort den Handel mit VW zu präsentieren. "Was beklagt ihr euch? Es geht doch", war die Botschaft.

Für Kirchner ist es - wie beim Berlin-Besuch vor Beginn ihrer ersten Amtszeit - direkte Wahlkampfhilfe, wenn der größte Autohersteller im Land auf ihre Initiative hin im kommenden Jahr unter dem Strich für eine halbe Milliarde Dollar exportiert. Denn im vergangenen hat er noch für 800 Millionen Dollar importiert.

VW tut der Deal nicht weh. Während BMW blockiert ist, kann Audi billig Kunden abgreifen; und Probleme, ihre Pickups abzusetzen haben die Wolfsburger in Südamerika nicht: Der Kontinent ist neben China und Indien ihr wichtigster Wachstumsmarkt.

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