Flugsicherung Lufthansa bereitet sich auf Streik vor

Stunden vor dem angekündigten Fluglotsenstreik versuchen die Arbeitgeber den Ausstand mit juristischen Mitteln abzuwehren. Fluggesellschaften wie die Lufthansa stellen sich jedoch schon darauf ein, dass es morgen zu einem massiven Chaos auf deutschen Flughäfen kommt.
Schlüsselfunktion: Streiken die Fluglotsen, geht auf deutschen Flughäfen nichts mehr

Schlüsselfunktion: Streiken die Fluglotsen, geht auf deutschen Flughäfen nichts mehr

Foto: Boris Roessler/ picture-alliance/ dpa

Frankfurt am Main - Die Lufthansa bereitet sich auf einen möglichen Streik der Fluglotsen am Donnerstag vor. "Wir beobachten die weitere Entwicklung genau und werden entsprechende Vorkehrungen treffen", sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Frankfurt am Main. Details zu den Vorbereitungen und Zahlen über betroffene Flüge im Falle eines Streiks wollte sie nicht nennen.

Die Lufthansa  hoffe weiter, dass es nicht dazu komme, sagte die Sprecherin. Sie forderte beiden Seiten zu Verhandlungen auf. Ein Streik sei rechtswidrig und unverhältnismäßig. Am Nachmittag verhandelt das Arbeitsgericht Frankfurt am Main über den Streit zwischen der Deutschen Flugsicherung und der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF).

Wenige Stunden vor dem möglichen Streik am Donnerstagmorgen zeichnete sich damit eine Zitterpartie für Passagiere und Fluggesellschaften ab. Während die Notfallplanungen bei Flughäfen und Airlines anliefen, haben zunächst die Juristen das Wort.

Die Fluglotsen drohen mit einem sechsstündigen Streik ab 6 Uhr. Sie wollen ihre Forderungen nach 6,5 Prozent mehr Geld, aber vor allem mehr Einfluss im Unternehmen durchzusetzen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warnte vor einem Streik "auf dem Rücken vieler Urlauber". Fluggesellschaften raten den Passagieren, sich bei den üblichen Servicehotlines und an den Schaltern nach Informationen zu ihrem Flug zu erkundigen.

Der Betreiber des größten deutschen Flughafens in Frankfurt, Fraport, hat die Passagiere derweil beruhigt. Bei einem sechsstündigen Ausstand könnten die Fluggäste davon ausgehen, noch am selben Tag weiterzukommen, sagte ein Sprecher von Fraport am Mittwoch. Er forderte die Passagiere auf, sich bei ihren Fluggesellschaften zu informieren, auch über mögliche Alternativverbindungen am Nachmittag. Der Flughafen sei auf einen Streik vorbereitet, zusätzliches Personal und Versorgungsmaterial stünden zur Verfügung.

Verstoßen Lotsen-Forderungen gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz?

Die Flugsicherung hat eine einstweilige Verfügung gegen den Streik beantragt. Einzelne Forderungen verstießen gegen geltendes Recht, hatte die DFS argumentiert, indem zum Beispiel junge Lotsen und Quereinsteiger von bestimmten Tätigkeiten ausgeschlossen bleiben sollten.

Sollte die DFS den Prozess verlieren, kann sie noch die Schlichtung anrufen. Damit könnte sie den Streik in letzter Sekunde abwenden oder zumindest um mehrere Wochen verzögern. Bei einem Streik wollen die Fluglotsen lediglich einen Notdienst aufrechterhalten, so dass tausende Flugverbindungen ausfallen könnten.

GdF-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang erklärte, die Forderungen seien weder unzulässig noch rechtswidrig. Er kritisierte die DFS für den Gang vor Gericht, der bei Tarifverhandlungen mit kleineren Gewerkschaften offenbar zur schlechten Gewohnheit geworden sei. Er beschuldigte das Unternehmen, die Lotsen einzuschüchtern. So sei den Beschäftigten mit fristloser Kündigung gedroht worden, wenn sie sich an einem rechtswidrigen Streik beteiligten.

Die Lufthansa wie auch verschiedene Luftverkehrsverbände appellierten erneut an die Tarifpartner, eine Lösung am Verhandlungstisch zu suchen. Lufthansa-Vorstandsmitglied Stefan Lauer sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Ein solcher Streik inmitten der Hauptreisezeit wäre nicht nur völlig überzogen, sondern würde die Grenze zum Schikanösen überschreiten." Der Deutsche Reiseverband (DRV) forderte die Lotsen auf, den Bürgern ihren Urlaub gerade jetzt in der Hochsaison nicht zu verderben.

Verkehrsminister Ramsauer ging die Lotsengewerkschaft frontal an. "Sich ausgerechnet eine Hauptferienreisewoche herauszupicken, um einen solchen Streik durchzuführen, das ist eine Aktion auf dem Rücken vieler Urlauber", sagte Ramsauer am Mittwoch in Berlin. "Ich kann an die Fluglotsen und an ihre Spartengewerkschaft nur eindringlichst appellieren, hier den Bogen nicht zu überspannen."

Die Flugsicherung habe zuletzt alles getan, um Nachwuchs zu rekrutieren und personelle Engpässe zu beseitigen. Zudem seien mit unter anderem 120.000 Euro Jahresgehalt "die Arbeitsbedingungen ja nicht gerade sehr schlecht", sagte Ramsauer. Der Großteil der etwa 1900 DFS-Fluglotsen verdient nach Arbeitgeberangaben mehr als 100.000 Euro pro Jahr.

nis/dapd/dpa-afx
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