Donnerstag, 19. September 2019

Neuer Antrieb Holperstart bremst Elektroauto-Euphorie

Deutscher Markt für Elektroautos: Steiniger Weg ins Batteriezeitalter
Bosch

4. Teil: Gesetzliche Vorgaben "mit dem Verbrennungsmotor nicht zu schaffen"

Aus Sicht der Hersteller muss es aber schneller gehen. Schon in neun Jahren müssen die Autobauer Fahrzeuge anbieten, die im Schnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro 100 Kilometer ausstoßen. Ab 2030 könnte der Wert auf 60 Gramm sinken. "Das ist mit dem Verbrennungsmotor nicht mehr wirtschaftlich zu schaffen", prophezeit Bille.

Der Verbrenner zu dreckig, das Elektroauto zu teuer und unattraktiv - manche Branchenkenner rechnen nun damit, dass diese Gemengelage dem Hybrid doch noch zum Durchbruch verhilft. "Die Industrie braucht diese Zwischenstufe", sagt Bille. Ein vollwertiges und zugleich verbrauchsarmes Auto sei anders momentan nicht denkbar. Dies belegten auch die vergleichsweise vielversprechenden Absatzzahlen von Hybridautos.

Marktdurchdringung der Elektroautos braucht noch Jahrzehnte

Alle Autohersteller basteln deshalb an Plug-in-Hybriden, bei denen sich die Batterie des Autos an jeder Haushaltssteckdose aufladen lässt. Mit Spannung blickt die Branche aber auf neue Modelle wie den Opel Ampera, bei denen ein Verbrennungsmotor die Reichweite des Fahrzeugs deutlich erhöht. Der Elektromotor des Wagens soll für etwa 60 Kilometer reichen, danach springt ein Benzinverbrenner ein.

In den USA ist das Auto als Chevrolet Volt bereits gestartet - die monatlichen Verkaufszahlen von etwa 600 lassen jedoch Luft nach oben. Auch BMW präsentierte jüngst den i8, einen Sportwagen, der ab 2013 mit zwei Antriebsquellen über die Autobahnen rauschen soll.

Mitsubishi Börsen-Chart zeigen will sich ebenfalls nicht ausschließlich auf reine Batterieautos verlassen. Acht neue Elektromodelle sind bis 2015 geplant, einige davon mit Verbrennungsmotor als Back-up. Sie sollen dafür sorgen, dass das Unternehmen bis 2020 wie geplant zu 30 Prozent Elektroautos verkauft.

McKinsey geht davon aus, dass der Marktanteil der Plug-in-Hybride im Jahr 2020 bereits bei 11 Prozent aller Neufahrzeuge liegen wird. Rein Akku-getriebene Fahrzeuge werden 2020 erst einen Marktanteil von 2 Prozent erreichen. Erst zehn Jahre später, im Jahr 2030, ziehen Batterieantriebe bei den Marktanteilen mit den Plug-in-Hybriden gleich.

Doch ob diese hochfliegenden Annahmen der Realität standhalten können, wird sich in den nächsten zwei bis drei Jahren zeigen. Das Massengeschäft geht ohnedies erst dann los, wenn Käufer mit Elektroautos tatsächlich billiger fahren als mit Verbrennungsmotoren. Das könnte zwischen 2015 und 2018 der Fall sein, doch sicher ist das nicht.

Fest steht nur: Für die großen Autobauer ist das Elektroautozeitalter erst mal ein Verlustgeschäft. So prophezeit es auch McKinsey-Experte Malorny. "Die Hersteller werden mit diesen Autos zunächst lange Zeit kein Geld verdienen."

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