Donnerstag, 19. September 2019

Neuer Antrieb Holperstart bremst Elektroauto-Euphorie

Deutscher Markt für Elektroautos: Steiniger Weg ins Batteriezeitalter
Bosch

3. Teil: Bundesregierung schließt Kaufprämie für E-Autos nicht mehr aus

Die Debatte, ob solche Subventionen dem deutschen Elektroautomarkt den notwendigen Schwung verleihen würden, geht aber weiter. McKinsey-Experte Malorny ist derzeit gegen direkte Förderungen. Die Elektroautokäufer der ersten Stunde verfügen ohnedies über ein hohes Einkommen und mehrere Fahrzeuge, argumentiert er.Sie kaufen Elektroautos nicht aus rationalen Gründen, sondern entscheiden emotional.

Ohne preisliche Unterstützung wird die Bundesregierung ihr Ziel verfehlen, bis 2020 eine Million E-Autos auf den Straßen zu sehen, meint hingegen Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der Fachhochschule Bergisch Gladbach.

Staatssekretär Bomba will die Verkaufszahlen in den nächsten Monaten sehr genau im Auge behalten - und stellt auch eine Abkehr von der bisherigen Linie in den Raum. "Wir haben uns zurzeit entschlossen, keine direkten Kaufanreize zu zahlen. Aber das ist nicht in Stein gemeißelt", sagt Bomba.

Bisher ist der Kauf eines E-Autos vor allem ein Statement. Stadtwerke und Unternehmen der Erneuerbare-Energien-Branche versprechen sich vom Kauf auch einen Imagefaktor. Als Geschäftsauto mit hoher Kilometerleistung machen sich die niedrigeren Betriebskosten zudem besser bemerkbar.

Echte Betriebskosten von 80 Cent pro Kilometer

Doch der hohe Anschaffungspreis macht echte Kosten-Nutzen-Rechnungen rasch wieder zunichte. Pro gefahrenem Kilometer koste ein Elektroauto derzeit 80 Cent, meint Willi Diez, Leiter des Zentrums für Automobilwirtschaft an der Universität Nürtingen-Geislingen. Benzingetriebene Autos kommen auf einen Wert von 40 Cent pro Kilometer - und liegen damit bei der Hälfte.

Die Elektroautopioniere leisten sich den Luxus, hohe Kilometerkosten für eine eingeschränkte Reichweite in Kauf zu nehmen. Masse ist mit solchen Kunden aber auf Dauer nicht zu machen. Von "eher verhaltenen Zahlen" spricht Elektroautoexperte Stephan Bille von der Managementberatung Unity angesichts der ersten Zulassungsdaten.

Sie belegen aus seiner Sicht, dass das reine Elektroauto in den kommenden Jahren noch keine große Zukunft hat. "Erst wenn der Benzinpreis über 2,20 Euro liegt, werden die Autofahrer andere Antriebe nachfragen", sagt Bille. Den Kalkulationen von McKinsey zufolge müsste sich der Rohölpreis sogar verdreifachen, damit sich elektrisches Fahren für Privatkunden rechnet.

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