Samstag, 21. September 2019

Neuer Antrieb Holperstart bremst Elektroauto-Euphorie

Deutscher Markt für Elektroautos: Steiniger Weg ins Batteriezeitalter
Bosch

2. Teil: Neue Modelle von BMW, Daimler und VW sollen Durchbruch bringen

Selbst in den USA, wo deutlich mehr Modelle erhältlich sind als hierzulande, gehört die Sichtung von E-Mobilen zu den selteneren Straßenphänomenen. Zwar hat Nissan Börsen-Chart zeigen von seinem Elektroauto Leaf in diesem Jahr 4806 Stück verkauft, General Motors' Börsen-Chart zeigen Volt hält bei 2870 Stück. "Für die Größe des Marktes ist das noch enttäuschend", findet Malorny jedoch. Der Marktanteil von Elektroautos liegt in den USA bei 0,1 Prozent.

Trotz der wenig ermutigenden Zahlen der Autonationen Frankreich und USA hält die Bundesregierung an ihrem Ziel fest, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen. In ihren Prognosen geht die Nationale Plattform Elektromobilität davon aus, dass Ende dieses Jahres insgesamt 10.000 Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren sollen. 2012 sollen 15.000 neue E-Mobile hinzukommen, 2013 soll der E-Autobestand auf 50.000 anwachsen (siehe Grafik in der Bildergalerie). Im Jahr 2020 sollen dann auf einen Schlag 180.000 Elektroautos verkauft werden.

Elektroautos bleiben teuer

Das Ziel in diesem Jahr wird die Bundesregierung aber kaum schaffen: Bis Ende Juni fuhren gerade einmal 3582 Elektroautos auf deutschen Straßen, wie aus der Statistik des KBA hervorgeht.

"Ich habe das nicht anders erwartet", sagt Rainer Bomba, der für Elektromobilität zuständige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. "Es gibt einfach noch zu wenig Angebote". Dass die Zahlen bereits jetzt unter Plan liegen, hält er im Gespräch mit manager magazin für kein Problem. "Solche Hochfahrkurven verlaufen nicht linear", sagt Bomba. Erst mit den ersten Elektroautomodellen von BMW, Daimler und VW im zwei Jahren werden die Zulassungen "einen Sprung nach vorne machen", prophezeit Bomba.

Das deckt sich zwar mit der Meinung der meisten Experten. Doch ein Anziehen des Marktes in zwei Jahren ist alles andere als sicher. In den nächsten Jahren bleiben Elektroautos deutlich teurer als vergleichbare Benziner oder Dieselautos. So verlangt Mitsubishi für den iMiev - das Auto ist in Deutschland Marktführer bei E-Wagen - etwa 35.000 Euro. Opels Elektroauto Ampera, das ab November verkauft wird, kostet gar 43.000 Euro.

Die Krux mit der staatlichen Förderung

Zwar sind die Fahr- und Unterhaltskosten deutlich niedriger als bei Wagen mit Verbrennungsmotoren. Doch selbst wenn sich deshalb über die Lebensdauer realistischerweise 10.000 Euro sparen lassen - der hohe Kaufpreis wird davon nicht mehr aufgefangen. Dass die Reichweite mit etwa 120 Kilometern beschränkt ist, macht die Sache nicht eben attraktiver.

Zu den ersten Kunden zählen folglich vor allem Firmen und Institutionen, die mit dem Kauf eines Elektroautos ein Zeichen setzen wollen. "Der Anteil von Privatkäufern beläuft sich auf etwa 5 Prozent", sagt ein Sprecher von Mitsubishi Deutschland gegenüber manager magazin. An mangelndem Angebot liegt das offenbar nicht - jeder Käufer bekomme seinen iMiev ohne lange Wartezeit.

Derzeit sind Elektroautos für zehn Jahre von der Kraftfahrzeugsteuer befreit, haben als Dienstwagen steuerliche Sonderregelungen und sollen künftig auch Busspuren nutzen können. Doch direkte Förderungen, die den Kaufpreis der Fahrzeuge senken würden, hat die Bundesregierung bisher vermieden.

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung