Debatte um Biokraftstoff "Bei E10 verschleißt das Öl schneller - das ist alles"

Der Biosprit E10 bleibt ein Ladenhüter. Nur die Hälfte aller deutschen Tankstellen verkauft den Biokraftstoff. Dort greifen 30 Prozent aller Kunden zu E10. Motoren- und Emissionsexperte Uwe Krummenoehler erklärt, warum er die Ängste der Deutschen für überzogen hält.
Benzinsorte Super E10: Der Treibstoff mit 10 Prozent Bioethanolanteil liegt wie Blei in den Lagern der Tankstellen

Benzinsorte Super E10: Der Treibstoff mit 10 Prozent Bioethanolanteil liegt wie Blei in den Lagern der Tankstellen

Foto: dapd

mm: Herr Krummenoehler, die Einführung des Kraftstoffs E10 sorgt in Deutschland seit Monaten für Diskussionen. Experten haben unter anderem kritisiert, dass man mit einer Tankladung E10 wegen des geringeren Energiegehalts weniger weit kommt. Stimmt das?

Krummenoehler: Der Energiegehalt von Ethanol gegenüber normalem Treibstoff ist um circa 40 Prozent kleiner. Doch bei der auf 10 Prozent gestiegenen Beimischung von Ethanol wird Otto Normalverbraucher das kaum spüren, wenn er den Motor nicht im Grenzbereich betreibt.

mm: Führt E10 tatsächlich zu einem höheren Verschleiß des Motors?

Krummenoehler: Wenn ich einen älteren Motor noch mit zwei Kolbenringen habe, besteht die Gefahr, dass etwas mehr Wasser aus dem Abgas ins Öl übergeführt wird. Doch jedes moderne Auto hat heute einen Ölsensor, der indirekt den Wassergehalt erkennt. Im Übrigen wandert bei jedem Kaltstart etwas Wasser ins Öl ab. Es kann bei E10 zudem Oxidationen an Aluminiumteilen geben, manche Kunststoffe können angegriffen werden und dies zu Undichtigkeiten führen. Wenn ein Motor für E10 freigegeben ist, hat er aber in der Regel keine Aluminium- oder Kunststoffteile, die geschädigt werden können. Vielleicht verschleißt das Öl etwas schneller - das ist aber auch alles.

mm: Können Sie nachvollziehen, warum nur wenige Autofahrer E10 tanken?

Krummenoehler: Die Autofahrer haben vielfach keine klare Ansage bekommen. Wenn die Autohersteller klar kommuniziert hätten, dass nur E10-geeignete Aluminium- oder Kunststoffteile verarbeitet wurden, könnten sich Autobesitzer beruhigt zurücklehnen. Doch Autofahrer, deren Modell vom Hersteller ausdrücklich für E10 freigegeben ist, können mit dem Biokraftstoff bedenkenlos fahren.

mm: Gibt es bereits Erfahrungen, wie sich Ethanol langfristig auf Motoren auswirkt?

Krummenoehler: In Brasilien gibt es seit vielen Jahren Autos, die für Flexfuel freigegeben sind. Deren Besitzer tanken einmal reines Ethanol, beim nächsten Tankstopp füllen sie dann eventuell E10 in den Tank, je nach Belieben. Die Autos vertragen das ohne Probleme.

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