Deutsche Autoindustrie Autobauer vor bestem Jahr ihrer Geschichte

Die deutschen Autohersteller stehen vor dem erfolgreichsten Jahr in ihrer 125-jährigen Geschichte. Nicht nur in den USA verbuchen BMW, Daimler und VW Rekordabsätze - auch im Inland zieht die Nachfrage stark an.
Karosserie eines 3er-BMW im Werk Regensburg: Der Export brummt, und im Inland steigt die Nachfrage

Karosserie eines 3er-BMW im Werk Regensburg: Der Export brummt, und im Inland steigt die Nachfrage

Foto: dapd

Berlin - Bis Ende Dezember laufen 5,9 Millionen Neuwagen von den Bändern der inländischen Pkw-Werke, wie der Branchenverband VDA am Montag in einer Schätzung ankündigte. "Das würde auch das Volumen des bisherigen Rekordjahres 2008 toppen", sagte Verbandspräsident Matthias Wissmann. Nach dem boomenden Export zieht auch die Inlandsnachfrage mächtig an und wächst um mehr als 10 Prozent auf gut 1,6 Millionen Fahrzeuge.

Die boomende Autokonjunktur hat nach den schweren Jobverlusten der Jahre 2009 und 2010 auch den Arbeitsmarkt erreicht: Die Stammbelegschaft in der deutschen Autoindustrie wuchs um 13.000 auf 718.000 Mitarbeiter, wie Wissmann sagte. Zusätzlich würden mehr Zeitarbeiter beschäftigt.

Ursache der guten Geschäfte sind der Autoboom in China, aber auch in anderen Schwellenländern wie Russland oder Indien. Dazu kommt, dass im USA-Markt immer mehr Kunden zu deutschen Autos greifen: Im Juni legten die Deutschen dort um fast 22 Prozent zu. Die hohen Benzinpreise lassen immer mehr Amerikaner zu Dieselfahrzeugen greifen, von denen Mercedes, Volkswagen  und BMW  ein besonders umfangreiches Angebot haben.

Im Inland machen sich offenbar die sinkende Arbeitslosigkeit und die jüngsten Lohnerhöhungen bemerkbar. Weltweit ist außerdem die japanische Konkurrenz zurzeit behindert, weil ihre Produktion nach dem Erdbeben nicht rund lief. Wissmann rechnet mit 3,1 Millionen Neuzulassungen bis Jahresende.

Fabriken zu 92 Prozent ausgelastet

Im ersten Halbjahr haben die deutschen Hersteller im Inland rund drei Millionen Autos gebaut, fünf Prozent mehr als im Vorjahr und ein Höchststand. Die Kapazitätsauslastung der Pkw-Hersteller beträgt 92 Prozent, die Auftragsbücher sind laut VDA gut gefüllt. Allein der inländische Auftragseingang stieg im ersten Halbjahr um 15 Prozent.

Der Autoexport stieg bis Juni um 6 Prozent auf 2,3 Millionen, die Auslandsbestellungen stiegen sogar um 13 Prozent. "Wir sind damit auch beim Export auf einem guten Weg zu einem neuen Höchststand", sagte Wissmann.

Sowohl in Inland wie auch im Ausland sind insbesondere große und teure Autos aus deutscher Produktion gefragt: Das Oberklassesegment in Deutschland wuchs bis Juni um 38 Prozent, das ist 3,8 mal so viel wie das Gesamtwachstum. In der Oberklasse aber gibt es neben Mercedes, BMW, Audi und Porsche kaum noch ebenbürtige Konkurrenz aus dem Ausland.

Sorgen macht der Industrie der immer höhere Spritpreis: Wissmann plädierte für "Preisberuhigung an der Zapfsäule", denn der Anstieg des Autokostenindex um vier Prozent sei vor allem den steigenden Spritpreisen geschuldet. Denn wenn die Verbraucher mehr Geld an der Tankstelle lassen, bleibt weniger übrig für den Neuwagenkauf.

la/dapd
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