Autoabsatz Wie Audi die Zwei-Millionen-Grenze stürmen will

Es wäre eine Zäsur: Audi-Chef Rupert Stadler will seinen Mitarbeitern Ende der Woche berichten, wie Audi im Jahr 2020 mehr als zwei Millionen Autos verkaufen kann. Der Plan ist alles andere als verwegen, die Modelle dazu gibt es bereits, zumindest in den Plänen. Ein Überblick über die Hoffnungsträger.

Hamburg - Als der damalige Audi-Chef und heutige Volkswagen-Vormann Martin Winterkorn seinen Topleuten 2005 die Vision aufzeigte, 2015 werde die Marke mit den vier Ringen 1,5 Millionen Autos pro Jahr verkaufen, hielten nicht wenige das für geradezu wagemutig. Audi hatte schließlich 2004 gerade einmal 779.000 Fahrzeuge an seine Kunden ausgeliefert.

Sechs Jahre später sind daraus - einer tiefen Weltrezession in der Zwischenzeit zum Trotz - bereits fast 1,1 Millionen geworden. Und wenn Winterkorns Nachfolger Rupert Stadler seinen 2000 wichtigsten Managern und Ingenieuren Ende der Woche für 2020 einen Absatz von zwei Millionen Autos verheißen wird, dann wird das für einige fast schon verhalten klingen.

Schließlich will der Audi-Lenker die alte Zielmarke von 1,5 Millionen bereits 2013 oder spätestens 2014 passieren. Aber Stadler soll im Vorstand bereits zur Vorsicht gemahnt haben. Er sei kein Marktschreier, und außerdem könne erneut eine Krise zuschlagen, mit der man heute noch nicht rechnen könne.

Die Modelle für die zwei Millionen indes gibt es bereits, zumindest in den Bauplänen der Audi-Designer und Entwickler. Auf 45 unterschiedliche Fahrzeuge will Stadler seine Flotte erweitern. Er will so ungefähr jede Nische besetzen, die in dem eh schon üppig bestückten Modellportfolio noch bleibt, viele neue Modelle alternativ auch mit Plug-In-Hybrid-Antrieben anbieten und zwei oder drei echte Elektromobile auf den Markt bringen.

manager magazin stellt die wichtigsten neuen Audis vor:

Audi A7: Sportlicher Ableger des A6

Audi A7: Auf den Sportback könnten auch ein Coupé und ein Cabrio folgen

Audi A7: Auf den Sportback könnten auch ein Coupé und ein Cabrio folgen

Gut 110.000 Mal verkaufte Audi im vergangenen Jahr seinen A5, einen sportlichen Bruder des Mittelklasseklassikers A4. Das Modell hat sich seit seinem Start 2007 zu einem Verkaufsschlager entwickelt. Also versuchen Audi-Chef Rupert Stadler und seine Mannschaft das ganze ein zweites Mal, nur eine Klasse höher. Auch der A6 hat vor einem halben Jahr - kurz vor seiner eigenen Erneuerung - einen sportlichen Ableger bekommen: den A7. Das ganze hat ja schließlich auch beim Konkurrenten Mercedes mit dem E-Klasse-Ableger CLS funktioniert.

Und wenn Stadler sich weiter am A5 orientiert, dürften dem bislang auf sich gestellten A7 Sportback weitere Ableger folgen. Den A5 gibt es inzwischen in den Versionen Sportback und Coupé sowie als Cabrio.

Audi Q3: Drittes Mitglied in der Geländefamilie

Audi Q3: Der Wagen steht auf der gleichen Plattform wie der VW Tiguan

Audi Q3: Der Wagen steht auf der gleichen Plattform wie der VW Tiguan

Q3: Nach dem elefantösen Q7 und dem gefälligeren Q5 bekommt Audis Geländefamilie jetzt das dritte Mitglied. In diesen Wochen wird der Q3 den Medien präsentiert, im Oktober soll er in den Handel kommen. Gebaut wird das neue Model im spanischen Martorell. Seat kämpft mit Absatzproblemen und hatte Probleme, seine Fabrik dort zu füllen; Audi sprang ein - und hielt so die eigenen Investitionen in Grenzen.

Der Wagen steht auf der gleichen Plattform wie das VW-Erfolgsmodell Tiguan. Was den Preis angeht, will Vertriebschef Peter Schwarzenbauer mutig an den Markt heran gehen. Das Basisangebot soll deutlich oberhalb dessen liegen, was der Münchener Rivale BMW für sein Konkurrenzmodell X1 verlangt.

A3 Sportlimousine: Startschuss für Modularen Querbaukasten

Audi A3 concept: Die Stufenheck-Variante soll vor allem in China und USA Kunden bringen

Audi A3 concept: Die Stufenheck-Variante soll vor allem in China und USA Kunden bringen

A3 Sportlimousine: Wenn Audi im kommenden Jahr eine neue Generation seines Kompaktmodells A3 auf den Markt bringt, bedeutet das gleich einen doppelten Einschnitt. Zum einen gibt Konzernchef Martin Winterkorn mit dem A3 den Startschuss für den neuen Modularen Querbaukasten (MQB) des Konzerns. Aus dem Baukasten sollen künftig vom Polo bis zum Passat Dutzende Modelle und mehrere Millionen Auto pro Jahr bedient werden. Die Fahrzeuge werden, zum Teil bis hin zur Klimaautomatik, das gleiche Grundgerüst in sich haben; Winterkorn und seine Entwickler erwarten Einsparungen in Milliardenhöhe. Aber auch aus einem anderen Grund gewinnt der A3 für Audi an Bedeutung: Es gilt, den Absatz wieder auf mehr als 200.000 Stück zu erhöhen.

Also wird die Familie noch einmal erweitert. Audi-Lenker Stadler will eine Stufenheck-Variante des A3 auf den Markt bringen, intern läuft das Modell als "Sportlimousine". Sie soll Audi vor allem in den USA und China neue Kunden bringen. Wie der A3-Ableger aussehen könnte, hat Audi Anfang des Jahres auf dem Autosalon in Genf gezeigt - ein bisschen wie ein sportlicher A4, nur kleiner.

Audi Q4: Die SUV-Orgie geht weiter

Audi Q3: Die SUV-Orgie geht mit neuen Modellen weiter - ob mit Q4 oder Q6, ist offen

Audi Q3: Die SUV-Orgie geht mit neuen Modellen weiter - ob mit Q4 oder Q6, ist offen

Q4: SUV und kein Ende; kaum bringt Audi in diesem Herbst als nächten der im Branchensprech als Sports Utility Vehicle (SUV) bekannten Geländekolosse (im Bild: der Q3), ist die interne Planung wieder einen oder sogar zwei Schritte weiter. Erweitern wollen Audi-Chef Stadler und seine Mannschaft ihre Q-Flotte in jedem Fall. Aber ob es ein Q4 wird, ein Q6 oder sogar die Doppellösung, das steht noch nicht fest. Und schon gar nicht, ob diese Palette unten auch noch um einen Q1 erweitert wird.

Am sichersten gesetzt erscheint Audi-Insidern jedenfalls der Q4, ein sportlicher, vielleicht sogar nur zweitüriger Coupé-Ableger des bislang mittleren Audi-SUVs Q5, der in rund fünf Jahren marktreif werden könnte. Den momentan noch mit einem dicken Fragezeichen versehenen Q6 darf man sich wohl ähnlich BMWs exzentrischem Giganten X6 vorstellen; der Q1 wäre eine aufgebockte Version des Kleinwagens A1.

Audi A6: Ein Cabrio ist fest beschlossen

Audi A6: Neben einem Cabrio dürfte Stadler auch ein Coupé an den Start bringen

Audi A6: Neben einem Cabrio dürfte Stadler auch ein Coupé an den Start bringen

A6 Cabrio: Erst der A7, ab 2014 weitere Varianten - und alles schön sportlich. Audi weitet auch die Modellfamilie um sein Oberklassemodell A6 (im Bild: die A6 Limousine) aus. Ein Cabrio ist bereits fest beschlossen, und Audi-Chef Stadler wird wohl auch ein zweitüriges Coupé an den Start bringen.

Die Audi-Spitze will den Anteil der hochpreisigen - und damit in der Regel auch besonders profitablen - Modelle am Gesamtabsatz erhöhen. 2010 haben die Ingolstädter inlusive aller Varianten rund 230.000 Exemplare des A6 verkauft. Daraus sollen deutlich mehr werden, und schon deshalb wollen Stadler und seine Crew die neuen A6-Varianten möglichst zügig auf den Markt bringen.

Audi A1: Enttäuschung im Modell-Portfolio

Audi A1: Bislang konnte der A1 dem BMW Mini noch kein Paroli bieten. Dennoch sind eine viertürige Version und ein Elektromodell geplant

Audi A1: Bislang konnte der A1 dem BMW Mini noch kein Paroli bieten. Dennoch sind eine viertürige Version und ein Elektromodell geplant

Foto: Jürgen Pander

A1: Wenn es eine Enttäuschung in Audis Modellportfolio gibt, dann ist es die Kleinste der Ingolstädter Nobelkarossen. Im Unternehmen heißt es zwar beschwichtigend, der im vergangenen Jahr in den Handel gebrachte A1 erfülle die internen Ziele; knapp 52 000 verkaufte Autos gleich im ersten Jahr seien keinesfalls enttäuschend. Schließlich biete man den A1 in China noch nicht einmal an. Dort komme der Audi-Mini erst in diesem Jahr auf den Markt.

Die Daten des Car-Centers der Universität Duisburg-Essen sprechen allerdings für eine gänzlich andere Entwicklung - zumindest in Deutschland. Demnach hat Audi 2011 bis Ende Mai rund 11.100 A1 verkauft. Allerdings entfielt fast ein Drittel dieses Absatzes auf Eigenzulassungen, also Neue, die vom Hersteller und von Audi-Händlern angemeldet werden. BMW dagegen kam beim Mini, dem Vorbild der Audi-Mannschaft, auf einen Absatz von knapp 16.200 und einen deutlich niedrigeren Eigenzulassungsanteil in Höhe von 21 Prozent.

Immer wieder heißt es in der Branche, Audi habe beim A1 die Preise zu hoch gesetzt. Und tatsächlich: Unter vier Augen geben Audi-Manager schon mal zu, der A1 sei schon recht teuer; insbesondere Kunden, die üppige Ausstattungen wählten, erschreckten sich schon mal, wenn sie den Endpreis hörten. Und nicht alle kauften dann trotzdem oder wählten alternativ einen weniger exclusiv ausgestatteten A3.

Doch Stadler will den A1 nicht aufgeben wie sein Vorgänger einst den damals Kleinsten, den A2. Im Gegenteil: Er will die Familie erweitern. Als erster Neuer soll noch 2012 eine viertürige Version auf den Markt kommen, wahrscheinlich 2014 als Elektroversion der A1 e-tron folgen. Als zunächst letzte Variante des Audi-Minis wollen die Entwickler gegen 2015 einen Cabrio nachschieben.

A1 E-Tron und Q7 Plug-In-Hybrid: Audis Umweltoffensive

Audi A1 E-Tron Spyder: Audi setzt auf Leichtbaukompetenz und Plug-In-Hybride

Audi A1 E-Tron Spyder: Audi setzt auf Leichtbaukompetenz und Plug-In-Hybride

A1 E-Tron und Q7 Plug-In-Hybrid: Der A1 E-tron, die Elektrovariante des kleinsten Audi-Modells, soll zwar schon Anfang 2014 kommen. Die eigentliche Umwelt-Offensive des Audi-Vorstands beginnt aber noch im gleichen Jahr mit dem Q7 Plug-In-Hybrid. Die wichtigsten Entwickler im Volkswagen-Konzern, allen voran Vorstandschef Martin Winterkorn sowie die Entwicklungschefs von VW und Audi, Ulrich Hackenberg und Michael Dick, glauben mittelfristig weder an reine Elektroautos noch an normale Hybridantriebe. Sie setzen auf Plug-In-Hybride, das aber dafür massiv.

Nach und nach wollen sie so ungefähr die komplette Flotte mit diesen Mischungen aus Verbrennungsmotoren und Batterieantrieben ausrüsten, die sich an der Steckdose wieder aufladen lassen. Vorteile versprechen sich die Audi-Techniker dabei gerade bei schweren Geländemodellen von ihrer Leichtbaukompetenz. Weniger Gewicht soll die Distanz verlängern, die die Modelle rein elektrisch fahren können. Audi will dazu vor allem mehr Aluminium einsetzen und zum Beispiel den Q7 in der nächsten Generation um bis zu 400 Kilogramm leichter machen.

Audi A9: Luxus-Ableger des Topmodells A8

Audi A8 L W12 quattro: Noch vor der nächsten Generation des Topmodells A8 soll der A9 kommen - als Luxus-Ableger wird es wohl ein zweitüriges Coupé werden

Audi A8 L W12 quattro: Noch vor der nächsten Generation des Topmodells A8 soll der A9 kommen - als Luxus-Ableger wird es wohl ein zweitüriges Coupé werden

A9: Außerhalb der Spanne zwischen dem kleinen A2 und dem großen A8 werde es keine Audi-Modelle geben, soll Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piech einmal postuliert haben. Falls es denn so war, wäre der Aufsichtsratsvorsitzende bald doppelt widerlegt. Den A1 gibt es schon, und voraussichtlich 2016 will Audi-Chef Stadler auch den A9 anbieten - sogar noch kurz vor der nächsten Generation des A8.

Der Luxus-Ableger des bisherigen Topmodells A8 sei geplant als "Interpretation einer klassischen Limousinenform", erläutert ein Ingolstädter Manager. Was das bedeutet? Stadler und sein Team denken an ein sehr sportliches zweitüriges Coupé.

Audi A2: Das alte Ökomobil wird wieder belebt

Audi A2: Das neue Modell ab 2016 soll sehr leicht und rein elektrisch angetrieben werden

Audi A2: Das neue Modell ab 2016 soll sehr leicht und rein elektrisch angetrieben werden

A2: Auch Audis altes Ökomobil A2 wird wieder belebt. Das Modell, dank Aluminium-Karosserie zwar sehr leicht und sparsam, dafür aber auch ziemlich teuer für einen Kleinwagen, hatte nach seiner Markteinführung 1999 zu wenige Kunden gefunden. Der damalige Audi-Chef Martin Winterkorn stellte es daraufhin 2005 ein.

Jetzt wollen die Audi-Strategen den A2 neu beleben - und zwar erneut als Vorzeigemodell: rein elektrisch und erneut sehr leicht. In den Verkauf gehen soll das Modell möglichst 2016, spätestens aber 2017.

Audi TT: Kleiner Bruder für den kleinen Sportwagen

Audi TT: Als Vorbild gilt die Studie eines Roadsters mit Heckantrieb

Audi TT: Als Vorbild gilt die Studie eines Roadsters mit Heckantrieb

Mittelmotor-Sportwagen: Audis kleiner Sportwagen TT dürfte einen kleinen Bruder bekommen. Um das Gefährt ranken sich noch allerhand Spekulationen. Als Vorbild gilt allerdings die Studie eines Roadsters mit Heckantrieb, den VW Anfang 2009 auf der Automobil-Ausstellung im amerikanischen Detroit präsentierte.

Konzernchef Winterkorn will offenbar, dass Porsche auf dieser Basis einen kleinen Sportwagen baut - und so auf höhere Stückzahlen kommt. Audi und eventuell auch VW könnten dann ebenfalls Ableger des Mini-Porsches entwickeln.

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