Übernahmeangebot Chinesischer BAIC-Konzern soll Interesse an Opel haben

Die Anzeichen für einen möglichen Verkauf von Opel verdichten sich: Laut einem Zeitungsbericht liegt dem Mutterkonzern GM ein ernsthaftes Angebot aus China vor. Kanzlerin Merkel fordert von General Motors, sich eindeutig zur Zukunft der deutschen Tochter zu äußern.
Vor der Opel-Zentrale in Rüsselsheim: Künftige Marschrichtung wieder unklar

Vor der Opel-Zentrale in Rüsselsheim: Künftige Marschrichtung wieder unklar

Foto: Michael Probst/ AP

Berlin - Der chinesische Staatskonzern zählte schon vor zwei Jahren zu den aussichtsreichsten Bietern: Der Autobauer BAIC soll laut der Onlineausgabe der "Welt" ernsthaftes Interesse für eine Opel-Übernahme angemeldet haben. Demnach liege GM bereits ein Angebot vor, heißt es unter Berufung auf Firmenkreise. Sowohl Opel als auch der Mutterkonzern wollten den Bericht nicht kommentieren.

Das Unternehmen aus China habe "ernsthaft seine Fühler Richtung Detroit ausgestreckt mit dem Ziel, Opel zu übernehmen", heißt es in dem Bericht. Bereits während des Bieterstreits im Jahr 2009 hatte BAIC General Motors durch ein sehr durchdachtes Angebot beeindruckt.

Die großen Opel-Händler bewerten die Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen durchaus als Chance: "Es würde sicher für Opel neue Märkte öffnen, wenn ein Chinese einstiege", sagte Albert Still, Aufsichtsratsvorsitzender der AVAG Holding, im Gespräch mit der "Automobilwoche". Die AVAG Holding ist der größte europäische Händler des Rüsselsheimer Herstellers.

"Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht", hieß es allerdings nur schmallippig bei Opel auf Anfrage von manager magazin. Zumindest in einem Schreiben an die Mitarbeiter, das manager magazin vorliegt, fand der neue Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke klare Worte. Die Berichte seien "reine Spekulation", schrieb Stracke. Opel sei wieder auf der Erfolgsspur, beschwor Stracke in dem Schreiben. Die Marktanteile steigen seit sieben Monaten in Deutschland und Europa, im ersten Quartal habe Opel die Gewinnschwelle erreicht. Die Auftragslage sei momentan sehr gut, er sei froh über den "momentanen Erfolg und die Aufbruchsstimmung im Unternehmen". Stracke bat seine Mitarbeiter, sich nicht von den Spekulationen beeinflussen zu lassen - genau das wiederholte er am Freitag auf einer eilig einberufenen Betriebsversammlung in Rüsselsheim.

Auch der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel wies die Spekulationen klar zurück. "Das ist dummes Zeug", sagte er gegenüber manager magazin. Hier versuche jemand, eine Entwicklung zu stören, meinte Einenkel. Erst in der vergangenen Woche hatte sich Einenkel mit der Opel-Führung endgültig auf den Abbau von 1200 Stellen im Bochumer Werk geeinigt. Ganz überzeugt von seiner ersten Einschätzung ist Einenkel aber offenbar nicht mehr so ganz.

Einenkel hat die US-Mutter General Motors jetzt aufgefordert, "die Verkaufspläne ohne wenn und aber zu dementieren. Pflaumenweiche Erklärungen helfen weder den Belegschaften noch dem Ruf unserer Produkte", sagte Einenkel am Samstag.

Auch die Kanzlerin schaltet sich in den Opel-Streit ein: Angela Merkel hat den US-Autokonzern General Motors (GM) aufgefordert, schnell Klarheit über die Zukunft seiner deutschen Tochter und ihre Mitarbeiter zu schaffen. Gerüchte über einen möglichen Verkauf, die die Opel-Beschäftigten verunsicherten, sollten bald aus der Welt kommen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag.

fd/rtr/dpa-afx