Dienstag, 7. April 2020

Autohersteller Opel-Verkaufsgerüchte auf dünner Grundlage

GM-Flagge neben einem Opel-Logo: Für einen Opel-Verkauf gibt es kaum handfeste Anhaltspunkte

Opels Verkaufszahlen zeigen nach oben, die Gewinnschwelle ist in Sichtweite. Doch zur Ruhe kommt der Autobauer nicht. Nun gibt es Gerüchte, dass General Motors erneut einen Verkauf von Opel überlegt. Die Grundlage für diese Spekulation ist dünn - doch GM ist immer für eine Überraschung gut.

Hamburg - Trennungwünsche, zähe Verkaufsverhandlungen, plötzlicher Fallrückzieher der eigenen Konzernmutter: Der Rüsselsheimer Autohersteller Opel hat seine eigenen, unangenehmen Erfahrungen mit geplanten Verkäufen gemacht. Vor zwei Jahren wollte der Mutterkonzern General Motors (GM) Opel loswerden, weil GM kurz vor der Insolvenz stand und dringend Geld brauchte. Die Verkaufsverhandlungen mit dem aussichtsreichsten Bieter Magna zogen sich über ein Jahr hin - und verliefen letztlich ergebnislos, weil der wiedererstarkte GM-Konzern seine Europa-Tochter wegen ihrem Know-how im Kleinwagensegment doch behalten wollte.

Seit 2010 saniert GM Börsen-Chart zeigen die deutsche Tochter Opel in Eigenregie, im nächsten Jahr Opel wieder Gewinne schreiben. "Wir haben die Gewinnschwelle schneller erreicht als geplant", sagte Opel-Aufsichtsratschef Nick Reilly noch vor einem Monat im Interview mit manager magazin Online. Ab nächstem Jahr, so meinte Reilly, werde Opel nachhaltig profitabel arbeiten.

Doch nun könnte alles anders kommen als geplant. Berichten von "SPIEGEL ONLINE" und "Auto Bild" zufolge erwäge GM, Opel zu verkaufen. Als Interessenten kämen chinesische Autohersteller und Volkswagen Börsen-Chart zeigen infrage, berichteten die beiden Medien.

Die Manager in Detroit seien verärgert, dass GMs Europageschäft mit Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall weiter Verluste schreibe, berichtet "SPIEGEL ONLINE" über die möglichen Hintergründe. Alle anderen Regionen würden dagegen Gewinne einfahren.

Opel-Chef appelliert an die Mitarbeiter

"Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht", hieß es bei Opel auf Anfrage von manager magazin. In einem Schreiben an die Mitarbeiter, das manager magazin vorliegt, fand der neue Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke klare Worte.

Die Berichte seien "reine Spekulation", schrieb Stracke. Opel sei wieder auf der Erfolgsspur, beschwor Stracke in dem Schreiben. Die Marktanteile steigen seit sieben Monaten in Deutschland und Europa, im ersten Quartal habe Opel die Gewinnschwelle erreicht. Die Auftragslage sei momentan sehr gut, er sei froh über den "momentanen Erfolg und die Aufbruchsstimmung im Unternehmen". Stracke bat seine Mitarbeiter, sich nicht von den Spekulationen beeinflussen zu lassen.

Auch der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel wies die Spekulationen klar zurück. "Das ist dummes Zeug", sagte er gegenüber manager magazin Online. Hier versuche jemand, eine Entwicklung zu stören, meinte Einenkel. Erst gestern hat sich Einenkel mit der Opel-Führung endgültig auf den Abbau von 1200 Stellen im Bochumer Werk geeinigt.

In einer Sitzung interner Aufsichtsräte mit Vorstandsmitgliedern am Dienstag seien langfristige Schritte der Zusammenarbeit mit GM besprochen worden. "Das macht man nicht, wenn man im Hintergrund das Gefühl hat, dass sich doch etwas Anderes abzeichnen könnte", sagte Einenkel.

Über mangelnde Auslastung kann sich Opel derzeit jedenfalls nicht beschweren. Wegen voller Auftragsbücher hat der Autohersteller in einer Pressemitteilung Sonderschichten angekündigt. die Werksferien im Stammwerk Rüsselsheim fallen deshalb kürzer aus: statt drei Wochen werde die Frühschicht nur zwei Wochen und drei Tage pausieren, hie es heute. Danach sind dann zwei Sonderschichten geplant. Opel wird dieses Jahr 190.000 Fahrzeuge in Rüsselsheim fertigen. Ein Großteil davon entfällt auf das Mittelklassefahrzeug Insignia: Rüsselsheim schraubt in diesem Jahr 158.000 Insignias zusammen, um 14.000 mehr als im Jahr 2010.

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