Tognum Daimler und Rolls-Royce übernehmen das Steuer

Daimler und Rolls-Royce sind nach dem anfangs zähen Ringen um den Großdieselmotorenhersteller Tognum jetzt am Ziel. Die beiden Unternehmen haben sich knapp 60 Prozent der Anteile gesichert und übernehmen somit die Kontrolle bei der ehemaligen Daimler-Tochter.
Tognum-Produktionshalle in Friedrichshafen: Das Management des Motorenbauers hat das nachgebesserte Angebot von Daimler und Rolls-Royce angenommen

Tognum-Produktionshalle in Friedrichshafen: Das Management des Motorenbauers hat das nachgebesserte Angebot von Daimler und Rolls-Royce angenommen

Foto: DPA

Stuttgart/London - Daimler und Rolls-Royce halten nun knapp 60 Prozent der Tognum-Aktien, wie die beiden Unternehmen mitteilten. Von den genau 59,87 Prozent des Tognum-Aktienkapitals stammen 58,35 Prozent von den Aktionären, die das Angebot von 26 Euro je Aktie annahmen. Die übrigen rund 1,52 Prozent wurden vom Bieter-Duo, das für die Übernahme ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet hat, über die Börse erworben.

Daimler hat seinen bereits zuvor gehaltenen Anteil von gut 28 Prozent an Tognum in das Angebot eingebracht. Im Gegenzug steuert Rolls-Royce sein in Bergen gebündeltes Geschäft mit Gas- und Dieselmotoren mittlerer Geschwindigkeit zum Gemeinschaftsunternehmen Engine Holding bei.

Für Spätentschlossene gibt es nun die gesetzlich vorgeschriebene zusätzliche Annahmefrist bis zum 20. Juni. Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber hatte schon am Wochenende deutlich gemacht, er erwarte eine deutliche Mehrheit. Die Bieter rechnen damit, dass ihnen in den nächsten 14 Tagen weitere Aktien angeboten werden.

Daimler  und Rolls-Royce seien über "dieses überzeugende Resultat sehr erfreut", erklärte Daimler. Dies sei ein "Meilenstein bei der Übernahme von Tognum" und bilde eine starke Basis für die künftige Zusammenarbeit der drei Unternehmen. Die Bieter hatten zugesichert, der Tognum-Hauptsitz bleibe in Friedrichshafen und dort würden auch weiterhin Produktion sowie Forschung und Entwicklung angesiedelt. Die Arbeitsplätze der mehr als 9000 Mitarbeiter seien nicht in Gefahr.

Daimler und Rolls-Royce hatten Übernahmeangebot erhöht

Tognum  baut Dieselmotoren und Antriebssysteme für Schiffe, Lokomotiven, Militär- und andere Landfahrzeuge. Außerdem liefert es unter anderem Gasmotoren und Gasturbinen für Kraftwerke. Daimler ist als größter Lastwagenbauer der Welt bereits einer der wichtigsten Kunden von Tognum.

Der Autobauer hatte Tognum Ende 2005 - damals noch unter dem Namen MTU Friedrichshafen - für 1,6 Milliarden Euro an den Finanzinvestor EQT verkauft. Die Schweden brachten das Unternehmen dann 2007 als Tognum an die Börse; 2008 stieg Daimler dann wieder bei der ehemaligen Tochter ein.

Unter der neuen Leitung soll Tognum zum weltweiten Marktführer für Industriemotoren weiterentwickelt werden. Entscheidend für den Erfolg des Übernahmeangebots war letztlich, dass Vorstand und Aufsichtsrat von Tognum ihren Widerstand aufgaben, nachdem das Angebot um 2 Euro je Anteilsschein erhöht wurde, und sie die im eigenen Besitz befindlichen Aktien einreichten.

mg/dpa-afx/afp/dapd
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