Chrysler-Übernahme Fiat will Kanadas Chrysler-Anteil

Das italienische Autounternehmen Fiat will den US-Hersteller Chrysler offenbar so schnell wie möglich dominieren. Fiat-Chef Sergio Marchionne hat Kanadas Regierung jetzt ein Kaufangebot für den 1,7-Prozent-Anteil des kanadischen Staats an Chrysler gemacht.
Fiat-Chef Sergio Marchionne: Offerte an Kanadas Regierung gesendet

Fiat-Chef Sergio Marchionne: Offerte an Kanadas Regierung gesendet

Foto: BILL PUGLIANO/ AFP

Venedig - Nach dem Ausstieg der US-Regierung bei Chrysler will der neue Mehrheitseigner Fiat seine Kontrolle rasch ausweiten. Der italienische Autobauer bietet der kanadischen Regierung 125 Millionen Dollar für deren 1,7-prozentigen Anteil an der ehemaligen Daimler-Tochter, wie Fiat-Chef Sergio Marchionne am Samstag am Rande einer Konferenz in Venedig sagte.

Gerade erst einigte sich Fiat mit dem US-Finanzministerium darauf, dessen verbliebenes Aktienpaket von 6 Prozent zu übernehmen. Damit steigt die eigene Beteiligung am drittgrößten US-Autokonzern auf 52 Prozent.

Außerdem kaufen die Italiener dem Ministerium die Option ab, alle Chrysler-Aktien zu erwerben, die im Besitz eines Fonds der Autogewerkschaft UAW sind. Der Fonds Veba hält 45,7 Prozent an Chrysler. Wie Fiat nun an diese Aktien kommt, ist noch nicht sicher. "Alle Optionen sind offen. Das Ziel ist es, die Position von Veba zu Geld zu machen. Daher müssen wir einen Weg finden, ihnen das Geld zu geben", erläuterte Marchionne.

Eine Möglichkeit ist für ihn ein Börsengang Chryslers, der früheren Angaben zufolge aber eher kommendes als dieses Jahr über die Bühne gehen würde. Im Rahmen dieses Vorhabens könnte die Gewerkschaft ihren Anteil versilbern. Eine andere Möglichkeit wäre, dass sich Fiat mit Veba auf eine Übernahme der Anteile einigt. Dann wäre ein Börsengang nicht mehr erforderlich, sagte Marchionne, der auch an der Spitze von Chrysler steht.

Mit der Situation vertrauten Kreisen zufolge hat Veba keine Eile mit dem Verkauf und wartet ab, bis am meisten Gewinn zu erzielen ist. Auch Fiat ist nach eigener Auskunft nicht auf einen raschen Chrysler-Börsengang angewiesen. "Momentan brauchen wir kein Geld", sagte Marchionne. Er machte zugleich deutlich, dass er keine Absicht habe, die Fiat-Zentrale von Turin in die USA zu verlagern.

kst/rtr
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