Dienstag, 25. Juni 2019

Werkseröffnung VW startet den "Toyota-Fighter"

VW startet Toyota Fighter: Schrille Kritik zur US-Werkseröffnung
Volkswagen

Volkswagen eröffnet heute sein neues US-Werk. Vom Band läuft der US-Passat, kernig "Toyota Fighter" getauft. Doch neben Jubel macht sich Unmut breit. VW nutze das niedrige amerikanische Lohnniveau zu rigide, wie auch andere deutsche Unternehmen in ihren US-Werken. Der Vorwurf: Die neuen "Slum-Lords" in Amerika kämen aus Deutschland.

Chattanooga, Tennessee - Volkswagen Börsen-Chart zeigen produziert ab heute offiziell wieder Autos in den USA. Die Pause dauerte 23 Jahre. Die neue Fabrik in Chattanooga, Tennessee, die an diesem Dienstag feierlich eröffnet wird, fährt seit Jahresbeginn die Produktion des neuen Passat hoch. Er wurde eigens auf die Bedürfnisse amerikanischer Kunden zugeschnitten und gilt als Schlüsselprodukt für eine insgesamt vier Milliarden Dollar teure Attacke von Volkswagen auf den US-Markt - und damit auf die globale Führungsposition von Toyota Börsen-Chart zeigen.

Der japanische Weltmarktführer ist nach einem Rückrufdesaster im vergangenen Jahr sowie nach herben Produktionseinbrüchen infolge des schweren Erdbebens im März angeschlagen. Volkswagen will den Absatz des Konzerns in den USA laut Vorstandschef Martin Winterkorn bis 2018 verdreifachen und den Verkauf auf eine Million Fahrzeuge steigern. Analysten in Amerika nennen den " All-New Passat" daher kernig "Toyota Fighter". Das Fahrzeug wird derzeit an die Händler ausgeliefert und soll nach der Sommerpause verkauft werden. Die Parole für den Angriff lautet schlicht: Deutsche Technik, made in den USA, mit maßgeschneiderten Produkten für US-Konsumenten.

Volkswagen schließt in Chattanooga den Bau seiner angeblich weltweit effizientesten Fabrik ab. Vorerst, denn das riesige Grundstück bietet Platz für mindestens eine Verdoppelung der Kapazität. Dass der Autobauer aus Deutschland mit seinem Kraftakt - die Fabrik kostete eine Milliarde Dollar - bei 9 Prozent Arbeitslosigkeit im Land 2000 direkte und 10.000 indirekte Jobs schafft, wird vor Ort in Tennessee wohlwollend registriert. Kein Wunder, dass der US-Chef bei Volkswagen, Jonathan Browning, 2011 als "das vielleicht wichtigste Jahr für VW in den USA" bezeichnet. Für den US-Absatz peilt der Konzern ein Plus von 20 Prozent an.

Das Timing für den Start der neuen Fabrik gilt als gut und kritisch. Zum Auftakt der Serienproduktion in Chattanooga beginnt der US-Automarkt eine Erholung. Die Marktforscher bei J.D. Power hoben Ende Januar ihre Verkaufsprognose für das laufende Jahr auf fast 13 Millionen Fahrzeuge an. "Der Optimismus in der Branche nimmt dank des besseren Ausblicks für die Konjunktur zu", begründet der Prognosechef bei J.D. Power, Jeff Schuster, den optimistischen Ausblick. Diese Euphorie erhielt in den vergangenen Wochen allerdings einen kleinen Dämpfer. Nicht nur, weil sich die Konjunkturerholung in den USA derzeit etwas abschwächt. Sondern auch, weil im April stockende Lieferungen von Autoteilen aus Japan die US-Werke ausbremsten. Die annualisierte Produktion ging in dem Monat von neun Millionen auf 7,9 Millionen Fahrzeuge zurück. Das trug zum ersten Rückgang der US-Industrieproduktion in zehn Monaten bei.

Volkswagen zahlt halb so viel wie die US-Konkurrenz

Volkswagen fühlt sich in seiner Entscheidung für den Produktionsbeginn in Amerika bestätigt. Die Entscheidung war im Juli 2008, nur weniger Monate vor Ausbruch der schweren Finanzkrise verkündet worden. "Weil Volkswagen smart genug war, die Pläne trotz der Großen Rezession durchzuziehen, profitieren sie jetzt von der Erholung", kommentiert Kimm Kill, Entwicklungsdirektor beim Center for Automotive Research in Ann Arbor, Michigan, den offiziellen Produktionsbeginn in Chattanooga.

Auch der schwache Dollar hilft den Wolfsburgern. Der Greenback hat in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber sechs wichtigen Währungen im US-Dollar-Index 11 Prozent an Wert verloren. Gegenüber dem Euro hat er allein seit Jahresbeginn mehr als 5 Prozent eingebüßt. Das bestätigt die strategische Entscheidung von Volkswagen und anderen deutschen Autobauern, sich mit expandierender lokaler Fertigung in Amerika gegen Wechselkurskapriolen abzusichern.

"Die Verbesserung unserer Position auf dem US-Markt", verriet Browning im Februar bei einem Vortrag, "ist eine globale Toppriorität für Volkswagen". Warum, liegt auf der Hand: Während China vom Absatzvolumen her längst die Spitzenposition erreicht hat, gilt der US-Markt noch immer als der am härtesten umkämpfte der Welt. Wer sich hier behauptet, hat das Zeug zum Autoweltmeister. In Europa, China und Brasilien hat Volkswagen ja ohnehin schon eine Spitzenposition erobert.

Zum Produktionsbeginn in Chattanooga rechnen US-Finanzmedien ihren Lesern vor, welche Kostenvorteile VW mit der Produktion in Tennessee erlangt. Das "Wall Street Journal" verweist darauf, dass Volkswagen mit einem Stundenlohn von 27 Dollar (inklusive Zulagen) seinen neuen Beschäftigten nur halb so viel zahlt, wie die US-Konkurrenz in Detroit. Und das, obwohl diese während der Krise den Gewerkschaften schmerzhafte Zugeständnisse abverlangt hatte. Doch die brachten nicht viel. Zu den niedrigen Stundenlöhnen, die damals für Neueinsteiger am Fließband vereinbart worden waren, wollten laut dem "Wall Street Journal" nicht viele Arbeiter einsteigen, weshalb die US-Hersteller ihre Arbeitskosten nur begrenzt senken konnten.

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