Montag, 23. September 2019

Elektromobilität Mehr Parkplätze für E-Autofahrer

Aufladen und durchstarten: Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein - dafür braucht es noch mehr Anreize als Forschungsförderung und gebührenfreie Sonderparkplätze

Deutschland soll dank staatlicher Hilfe die weltweite Nummer Eins bei Elektroautos werden. "Das ist unser Ziel", sagte Kanzlerin Angela Merkel am Montag bei einem Spitzentreffen mit Industrie und Gewerkschaften im Kanzleramt. Die wichtigsten Fördermaßnahmen stehen.

Berlin - Der quietschgelbe Wagen von Wolfgang Lohbeck ist vor der weißen Fassade des Kanzleramts nicht zu übersehen. Das Mitte der 90er Jahre in der Schweiz entwickelte "Smile-Car" ist Greenpeaces Gegenentwurf zur milliardenschweren Entwicklung von Elektroautos in Deutschland. Dank einer Optimierung des Motors verbraucht der Benziner auf Langstrecken nur etwas mehr als zwei Liter. Der CO2-Ausstoß pro Kilometer liegt bei nur 60 Gramm.

"Das Versenken von Milliardensummen für die Elektroauto-Entwicklung halte ich für falsch", sagt Lohbeck. Bei großen Karossen und Kombis werde die Wirtschaftlichkeitsschwelle niemals erreicht. Er gibt dem E-Auto nur eine Zukunft für kleine, leichte Wagen, also den Stadtverkehr. Er sei nicht prinzipiell gegen das E-Auto, nur sei weit mehr zu gewinnen, wenn auch die Optimierung von Leistung und Verbrauch bei Autos mit Verbrennungsmotor vorankomme.

Während Lohbeck draußen seine Runden dreht, berät Merkel drinnen in der Regierungszentrale mit der Autoindustrie und den Chefs der großen Energiekonzerne RWE, Eon, Vattenfall und EnBW, wie Deutschland mit seinem Fokus auf schwere und schnelle Wagen den Anschluss an E-Auto-Länder wie Frankreich und China bekommen kann.

Von der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) erhält sie nach 2010 den zweiten Zwischenbericht. Und der spricht eine klare Sprache: Es ist noch viel zu tun, wenn das Mutterland des Autos auch hier Leitmarkt werden soll. Bis 2014 soll es als ersten Schritt bis zu 7000 öffentliche Ladestationen geben, das Problem: Eine Säule kostet bis zu 9000 Euro - die Umweltverbände fürchten bereits, dass die Energiekonzerne sich hier den Zugriff alleine sichern wollen. Und das E-Auto kostet bisher im Schnitt fast 10.000 Euro mehr als ein vergleichbares Modell, das mit Sprit statt Strom fährt.

Bund will eigene E-Dienstwagen anschaffen

Natürlich sind sie alle mit Elektro- und Hybridautos gekommen, vor dem Kanzleramt kommt es zu einem kleinen Stau. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) muss erstmal acht Minuten warten. Im Vergleich zu 2010 habe Deutschland einige Plätze gut gemacht, sagt er. Er sieht Deutschland dank Fortschritten bei Forschung und Batterieentwicklung unter den Top Fünf und betont, dass der globale Wettstreit um das beste E-Auto nicht in einen Subventionswettlauf ausarten dürfe.

Merkel, Ramsauer und der neue Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) wollen am Mittwoch im Kabinett mit einem Aktionsplan das E-Auto weiter anschieben.

Der NPE-Bericht sollte auch als Grundlage für das Regierungsprogramm Elektromobilität dienen. Folgende Kernpunkte sind inzwischen bekannt: Die Forschungsförderung wird auf eine Milliarde Euro für 2012 und 2013 verdoppelt. Alle bis Ende 2015 zugelassenen Elektro- oder Hybrid-Autos, die weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, werden für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit - bisher waren es fünf Jahre.

E-Dienstwagen werden so besteuert wie konventionelle Fahrzeuge. Das heißt, der Steuersatz für Nutzer wird so gesenkt, dass ihm keine Nachteile beim Fahren eines deutlich teureren E-Autos entstehen. Bei den Bundesressorts sollen zehn Prozent aller neu angeschafften oder gemieteten Dienstwagen E-Autos sein.

Gebührenfreie Sonderparkplätze, Aufhebung von Zufahrtsverboten sowie Erlaubnis zur Busspur-Nutzung sollen E-Autos weiter attraktiv machen.

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