Mittwoch, 19. Juni 2019

Gewinneinbruch Toyota verliert Weltmarktführerschaft

In Trümmern: Viele Verkaufs- und Produktionsstätten von Toyota wurden durch die Naturkatastrophe in Japan in Mitleidenschaft gezogen

Toyota hat nach der Katastrophe in Japan im vierten Quartal einen Gewinneinbruch erlitten. Nun muss der Konzern trotz eines verdoppelten Jahresgewinns die Weltmarkführerschaft an seinen US-Konkurrenten General Motors abgeben. Volkswagen ist den beiden Unternehmen dicht auf den Fersen.

Tokio - Der japanische Autokonzern Toyota lieferte nach Angaben vom Mittwoch von Januar bis März 2,1 Millionen Fahrzeuge aus. Damit fiel er hinter seinen US-Rivalen General Motors zurück, der im vergangenen Quartal 2,2 Millionen Autos losschlug. Volkswagen brachte knapp zwei Millionen Fahrzeuge an die Kundschaft und lag damit auf Rang drei.

Die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan im März ließ auch den Quartalsgewinn von Toyota um mehr als 75 Prozent auf umgerechnet 218 Millionen Euro einbrechen. VW hatte im Quartal 1,7 Milliarden Euro verdient.

Der Toyota-Gewinn im gesamten Geschäftsjahr bis Ende März 2011 verdoppelte sich aber auf etwa 3,5 Milliarden Euro, der Umsatz stieg minimal auf 162 Milliarden Euro. Diese Zahlen zeigen die wahre Stärke Toyotas, das sich gerade von dem Desaster mit 14 Millionen Rückrufen wegen Qualitätsproblemen erholt hatte. Das Erdbeben betraf nur noch wenige Wochen des alten Geschäftsjahres. Den verdoppelten Jahresgewinn führte Konzernchef Akio Toyoda auf einer Pressekonferenz am Mittwoch auf Sparrunden zurück.

Wegen der Katastrophe strich Toyota die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bis März 2012, will aber bis Juni eine Schätzung nachreichen. Die Absätze fielen in Japan, Nordamerika und Europa, waren aber robust in den Wachstumsmärkten in Asien und Südamerika.

Im Kampf um die Spitze im Automobilbau will Toyota sich nicht voreilig geschlagen geben: Konzernchef Toyoda kündigte an, die volle Produktion werde schneller als erwartet wieder aufgenommen. Nach dem Erdbeben vom 11. März war die Produktion bei Toyota durch Schäden in den Werken und bei Zulieferern eingebrochen. Im April lag sie etwa bei 50 Prozent der Kapazität.

Nun gab der Autobauer bekannt, mit dem Ziel der vollen Produktion in Japan und im Ausland bereits im kommenden Monat wieder beginnen zu wollen. Für Juni peilt der Konzern 70 Prozent der Leistung vor dem Erdbeben an. Ursprünglich sollte dies erst von Juli an in Japan und von August an in den ausländischen Werken geschehen. Der Toyota-Präsident sagte, die Produktion solle spätestens im Dezember wieder auf dem Stand vor dem Erdbeben sein.

Allerdings muss sich Toyota einer neuen Herausforderung stellen: Die japanische Regierung verlangt nach dem Desaster von Fukushima die Abschaltung des Atomkraftwerks Hamaoka, das direkt auf einer Erdbebenspalte steht und vor allem die Region beliefert, in der Toyotas Hauptwerke arbeiten.

Toyota hatte 2008 GM als größten Autobauer der Welt abgelöst und den Titel auch für das Kalenderjahr 2010 verteidigt. Opel-Mutter GM befindet sich nach einer geplanten Insolvenz und gigantischen Hilfen der US-Bundesregierung wieder auf Wachstumskurs. VW-Chef Martin Winterkorn will aber trotzdem seinen Konzern bis 2018 zum größten Autobauer der Welt trimmen und dann mindestens zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr absetzen. Der VW-Verkaufschef Christian Klingler hatte vor wenigen Tagen gesagt, es sei nicht Ziel der Wolfsburger, "mithilfe eines Unfalls an Toyota vorbeizuziehen".

VW war im Jahr 2010 auf Platz drei nach Toyota und GM angekommen. Branchenbeobachter halten es für möglich, dass VW schon 2011 auch im Gesamtjahr Toyota überholt. Offen ist, ob GM eingeholt werden kann. Volkswagen eröffnet am 24. Mai sein erstes Werk in den USA. Dort soll die US-Version des Mittelklassewagens Passat entstehen, mit dem Volkswagen GM auf dem Heimatmarkt frontal angreifen will.

rei/rtr/dpa-afx

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