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Autohersteller: Opels Hoffnungsträger 2011

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Opel-Aufsichtsratschef Reilly "Opel ist exakt auf dem Weg zur Gewinnschwelle"

Wie sieht die Zukunft von Opel aus? Aufsichtsratschef Nick Reilly spricht im Interview mit manager magazin über steigende Zulassungszahlen, den schwierigen Imagewandel und hochfliegende Kleinwagenpläne.

mm: Herr Reilly, obwohl GM in Europa im ersten Quartal 2011 knapp 400 Millionen Dollar Verlust schrieb, sprach General-Motors-Chef Dan Akerson von einem Meilenstein bei der Restrukturierung. Wieso das?

Reilly: Europa und damit Opel hat deutlich besser abgeschnitten als erwartet, das hat Akerson extra hervorgehoben. Im ersten Quartal haben wir sogar einen kleinen Gewinn nach Restrukturierungskosten ausgewiesen. Europa ist die einzige Region, die noch keine nachhaltigen Gewinne erzielt - aber wir haben die Gewinnschwelle schneller erreicht als geplant. Wir legen nun die Grundsteine dafür, ab nächstem Jahr nachhaltig profitabel zu sein. Ab dann zeigen sich die vollen Effekte unserer Restrukturierung in unserem Geschäftsergebnis.

mm: Was macht Sie dabei so sicher?

Reilly: In Europa haben wir unsere Gewinnschwelle so abgesenkt, dass wir selbst bei einem Opel-Volumen von 1,2 Millionen Fahrzeugen profitabel arbeiten können. Denn wir rechnen damit, dass der europäische Automarkt nur langsam wächst. Unsere neuen Autos sind sehr gut angekommen, und pro Fahrzeug erzielen wir jetzt mehr Gewinn. Im ersten Quartal haben wir bereits 320.000 Autos verkauft, wir sind also exakt auf dem Weg zum Break-even-Punkt vor Restrukturierungskosten.

mm: Eines von Opels größten Problemen ist das miese Image bei den Autokäufern. Hat sich hier in den letzten Monaten etwas verändert?

Reilly: Unsere neuen Autos haben eine Menge Auszeichnungen gewonnen, und das spiegelt sich nun auch in den Marktanteilen wieder. In den letzten 18 Monaten war Deutschland unsere größte Herausforderung. Aber auch hier ist unser Marktanteil in den letzten fünf Monaten kontinuierlich gestiegen. Im April hatten wir sogar den höchsten Marktanteil seit langer Zeit. Die Autos werden gut angenommen, und die Käufer haben Opel wieder auf ihrem Einkaufszettel. Ein Imagewandel kommt nicht über Nacht, aber wir machen stetige Fortschritte - und werden diesen Weg beharrlich weiter gehen.

mm: Schließen Sie die Restrukturierung Ende 2011 wie geplant ab?

Reilly: Wenn es nicht einen dramatischen Einbruch im Automarkt gibt, sehen wir keine weiteren Einschnitte vor. Wir haben ein Werk in Antwerpen geschlossen und bauen deutlich Kapazitäten in Bochum ab. In den anderen europäischen Werken haben wir die Kapazitäten angepasst. Unseren Prognosen zufolge werden wir 2012 eine Auslastung von über 100 Prozent bei Zweischicht-Betrieb haben, in den beiden Jahren danach werden es sogar über 115 Prozent sein. Wenn wir alle Werke im Dreischicht-Betrieb betrieben, wären sie im Jahr 2014 immer noch zu 90 Prozent ausgelastet. Damit haben wir die notwendige Auslastung erreicht, um langfristig profitabel zu sein, andererseits haben wir noch Flexibilität nach oben, falls der Markt schneller wächst als erwartet. Bei unseren Prognosen für die Marktentwicklung sind wir eher konservativ und erwarten keine starke Erholung des europäischen Automarktes.

Zwei neue Opel-Modelle für die Kleinwagen-Klasse

mm: Ab Anfang 2012 werden sie betriebsbedingt keine Mitarbeiter mehr abbauen?

Reilly: Im Großen und Ganzen ist die Restrukturierung Ende dieses Jahres vorüber. Ein paar hundert Mitarbeiter haben aber schon vor einiger Zeit Altersteilzeit-Verträge unterzeichnet. Sie werden das Unternehmen wie geplant in den nächsten Jahren verlassen. Es wird also immer noch Mitarbeiter geben, die Opel in den Jahren 2012 bis 2014 verlassen. Doch das war von Anfang an so eingeplant. Seit Beginn des Restrukturierungsplans hat sich fast nichts verändert - mit Ausnahme einiger Zeitpunkte.

mm: Welche sind das?

Reilly: Das Getriebewerk in Bochum mit rund 400 Mitarbeitern sollte ursprünglich Ende des letzten Jahres schließen. Doch die GM-Niederlassung in Brasilien fragte deutlich mehr Getriebe nach als vorgesehen. Da wir sonst weniger Autos in Brasilien verkauft hätten und an den Getrieben Geld verdient haben, war es ökonomisch sinnvoll, die Getriebeproduktion noch zu verlängern. Aber dieser Sondereffekt ist irgendwann zu Ende und dann werden wir die Getriebefertigung in Bochum schließen.

mm: Der Sanierungsplan für Opel hat das Werk Bochum hart getroffen. Bleibt es dabei, dass in Bochum insgesamt 1800 Mitarbeiter gehen müssen?

Reilly: Im letzten Jahr haben wie geplant bereits 600 Mitarbeiter unser Werk in Bochum verlassen. In diesem Jahr müssen wir deshalb noch 1200 Stellen abbauen. Wir haben verschiedene freiwillige Programme angeboten, darunter auch 200 Stellen in Rüsselsheim. Leider wurde dieses Angebot nur von wenigen Bochumer Mitarbeitern angenommen. Deshalb können wir Kündigungen als letzte Maßnahme nicht ausschließen. Seit drei Wochen liegt der Fall nun bei einer Einigungsstelle. Wir rechnen mit einem Ergebnis in den nächsten vier bis sechs Wochen.

mm: Wie weit sind die Planungen für den Opel-Kleinwagen mit dem Arbeitstitel "Junior" gediehen, der ab 2013 im Werk Eisenach gebaut werden soll?

Reilly: Der "Junior", der kleiner als der Corsa sein wird, wird vollständig von Ingenieuren in Rüsselsheim entwickelt. Damit wird Opel künftig mit zwei Modellen in dieser Klasse vertreten sein, einem Agila-Nachfolger und dem "Junior". "Junior" ist übrigens nur ein interner Arbeitstitel, das Fahrzeug wird anders heißen.

Damit wollen wir in erster Linie junge Leute ansprechen, die über ein gutes Einkommen verfügen, große Autos aber als das falsche Statussymbol ansehen. Sie wollen niedrige CO2-Emissionen, geringe Verbrauchswerte und ein gutaussehendes Auto, das die neuesten Sicherheitstechnologien samt Vernetzung bietet.

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