Donnerstag, 19. September 2019

BMW "Eher männlich dominiert"

Frauenquote: In Berufen mit technischem Hintergrund sind Frauen leider noch unterrepräsentiert

Unter 55 obersten Führungskräften drei Frauen: BMW-Personalvorstand Harald Krüger spricht mit dem manager magazin vor Beginn der Hauptversammlung des Unternehmens über Frauenquoten, die Dominanz von Männern auch unter den BMW-Kunden und über 2000 Neueinstellungen im laufenden Jahr.

mm: Herr Krüger, haben Sie schon Post bekommen von Frau von der Leyen und Frau Reding? Die Damen lassen ja bei der Frauenquote einfach nicht locker.

Krüger: Nein, ich habe noch keine Post bekommen. Aber ich bin in intensivem Dialog mit den Ministerinnen von der Leyen und Schröder. Auch mit der EU-Kommissarin Reding wird es demnächst einen solchen Dialog geben. Wir haben ja bei dem Thema zwei Ebenen, eine deutsche und eine europäische.

mm: Welche ist lästiger?

Krüger: Ich sag mal, beide haben interessante Vorstellungen. Sie verkennen aber, dass die Unternehmen eine viel breitere Strategie der sozialen Verantwortung verfolgen. Für uns bei BMW ist der Dreiklang aus altersgemischter Belegschaft, internationaler Belegschaft und der Ausgewogenheit der Geschlechter extrem wichtig. Und nur in dieser echten Vielfalt liegt auch der strategische Vorteil.

mm: Und der wäre?

Krüger: Zum Beispiel den chinesischen Kunden zu kennen, der seinen 5er BMW eben nicht selber lenkt, sondern einen Chauffeur hat, und der vor allem den Komfort in der zweiten Sitzreihe sucht. Ein junger, deutscher Ingenieur hat vielleicht nicht im Kopf, wie die Schlaglöcher in China aussehen.

mm: Wie viele Ihrer Kunden sind denn Frauen?

Krüger: Das ist sehr unterschiedlich. In Amerika haben wir einen relativ hohen Anteil, beim 6er Cabrio sind es dort fast 50 Prozent. In China ist der Anteil auch nicht so gering. In Deutschland ist die Kundschaft beispielsweise in der 7er-Reihe eher männlich dominiert.

mm: Wahrscheinlich weil die Frauen hier so selten in den Vorständen sitzen?

Krüger: Die Siebener-Kunden sind ja nicht nur Vorstände. Aber zurück zu den Mitarbeitern. Ich bin an einer nachhaltigen Frauenförderung im ganzen Unternehmen interessiert. Frau Reding ist ausschließlich interessiert an Frauen in Vorstand und Aufsichtsrat. Das Beispiel Norwegen mit der 40 Prozent-Quote in den Topgremien zeigt jedoch: Im mittleren und oberen Management hat sich dort im Prinzip nichts getan.

mm: Das sind da alles nur Alibi-Frauen an der Spitze?

Krüger: Nein, aber es zeigt, dass Sie, wenn Sie diese Quote erfüllen, nicht gezwungen sind, eine nachhaltige Entwicklung im ganzen Unternehmen einzuleiten. Die "Leuchtturm"-Wirkung einzelner Frauen in Vorstand und Aufsichtsrat allein führt nicht zum Erfolg.

mm: Der Mini hat vermutlich höhere Frauen-Quoten als der Siebener. Wäre es für das Image von BMW nicht wichtig, einen solchen "Leuchtturm" zu haben?

Krüger: Das wird nach und nach kommen. Auf der Ebene direkt unter dem Vorstand haben wir jetzt drei Frauen, da waren vor zwei Jahren noch null.

mm: Drei Frauen von wie vielen Führungskräften dieser Ebene?

Krüger: Von 55. Das werden sicherlich noch mehr Frauen werden in den kommenden Jahren. Deshalb haben wir ja in der BMW AG den Zielkorridor 15 bis 17 Prozent bis 2020 über alle Ebenen. Das hat eine gewisse Signalwirkung. Und das ist ein extrem anspruchsvolles Ziel: Auf Basis von jetzt 13 Prozent Frauenanteil und mit Blick auf unseren hohen Bedarf an technischen Absolventen, unter denen nur 10 bis 20 Prozent weiblich sind. Bei BMW verlangen 65 Prozent der Führungsfunktionen einen technischen Hintergrund.

mm: Also sind die Frauen selber schuld, weil sie nicht das richtige studieren?

Krüger: Nein. Aber ich kann mich als Personalvorstand mit 30 Prozent Frauenanteil in meinem Bereich auch nicht hinstellen und meinen Vorstandskollegen sagen: Nun macht mal.

mm: Mittel- bis langfristig, so steht es in Geschäftsbericht, soll eine Frau in den BMW-Vorstand einrücken. Beliebt ist da ja das Personalressort. Fürchten Sie um Ihren Job?

Krüger: Die Benennung des Vorstands ist Sache des Aufsichtsrats. Und dabei gibt es laufende Verträge. Deshalb sprechen wir von mittel- bis langfristig.

mm: In den Aufsichtsrat soll bis 2015 eine Frau mehr einziehen. Ist es Sache der Arbeitnehmerseite, diese Dame zu stellen?

Krüger: Wir haben eine in jeder Hinsicht konstruktive Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmerseite. Da ich selbst vom Aufsichtsrat kontrolliert werde, bin ich für diese Frage der falsche Adressat. Aber der Aufsichtsrat misst natürlich mich und meine Kollegen auch daran, ob wir nachhaltig Kandidatinnen entwickeln. In der persönlichen Leistungstantieme von Vorstand und erster Führungsebene ist das einer der Berechnungsfaktoren, beginnend in diesem Jahr. 2012 weiten wir diese Zielvereinbarung auf weitere Ebenen aus. Und für das Trainee-Programm gibt es schon jetzt einen Zielkorridor von 20 bis 30 Prozent Frauen.

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