Autozulieferer Continental wird wieder normal

Der Automobilzulieferer Continental versüßt seinen Anteilseignern die Hauptversammlung mit vorgezogenen Quartalszahlen und kündigt an, in Asien stark zu wachsen. Nur der Dividendenverzicht missfällt den Aktionären.
Von Kristian Klooß
Conti-Chef Elmar Degenhart und Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle: "In Asien spielt die Musik"

Conti-Chef Elmar Degenhart und Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle: "In Asien spielt die Musik"

Foto: Holger Hollemann/ dpa

Hannover - Continental  hat sich anlässlich der diesjährigen Hauptversammlung dafür entschieden, die Eckdaten für das erste Quartal 2011 bereits eine Woche früher als offiziell geplant bekannt zu geben. Dafür gibt es Gründe: Denn der Automobilzulieferer hat in den ersten drei Monaten des aktuellen Geschäftsjahres seinen Konzernumsatz um rund 20 Prozent auf gut 7,3 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis (Ebit) lag bei knapp 634 Millionen Euro, was einer Steigerung um gut 28 Prozent entspricht.

"Vor einem Jahr haben wir Ihnen eine neue Epoche für Ihre Continental angekündigt", sagte der Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart in seiner Rede. "Heute können wir sagen: Diese Epoche hat gut begonnen", sagte Degenhart.

Schon im vergangenen Jahr hatte Continental die Ergebnisprognosen mehrfach nach oben angehoben. Grund war unter anderem die weltweite Konjunkturbelebung. Unter dem Strich erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr einen Erlös von rund 26 Milliarden Euro. Die Geschäftseinheit "Automotive", dazu zählen der Bau von Antriebssträngen, Brems- oder Fahrerassistenzssysteme und die Innenraumausstattung, trug dazu knapp 16 Milliarden Euro Umsatz und knapp 570 Millionen Euro Ebit bei. Die Geschäftseinheit "Rubber", darunter fällt vor allem die Reifenherstellung, war für gut zehn Milliarden Euro Umsatz und ein Ebit von gut 1,4 Milliarden Euro verantwortlich.

Für 2011 kündigte Degenhart ein Umsatzwachstum um 10 Prozent auf mehr als 28,5 Milliarden Euro an. Gleichzeitig will der Konzern die im vergangenen Geschäftsjahr erreichte bereinigte Umsatzmarge von 9,7 Prozent erneut erreichen. "Nach dem ersten Quartal liegen wir hier voll im Plan und sogar leicht darüber", so Degenhart. Ein weiteres Ziel für 2011 bleibe der Abbau der Nettofinanzschulden um mindestens 500 Millionen Euro auf unter sieben Milliarden Euro.

Der Umsatz soll um 10 Prozent steigen

Bezüglich des Schuldenabbaus hatte der Konzern zuletzt weitere Schritte getan. Dazu zählten die im Januar erfolgte Kapitalerhöhung, die jüngst mit mehr als 35 Geldinstituten neu verhandelten, entzerrten Kreditfälligkeitstermine und die Platzierung mehrerer Unternehmensanleihen, die den Automobilzulieferer unabhängiger von Bankkrediten gemacht haben. "Ihre Continental steht finanziell auf soliden und gesunden Beinen", sagte Degenhart den Aktionären. Und betonte, dass die Ratingagentur Moody's zuletzt das Rating von Continental von "B1" auf "Ba3" angehoben habe - erstmals seit der Milliardenakquisition der ehemaligen Siemens-Tochter VDO im Jahr 2007.

Als Herausforderungen für das laufende Jahr nennt der Konzernchef vor allem die hohen Rohstoffkosten. Sie würden die Division ContiTech sowie die beiden Reifen-Divisionen belasten. Vor allem das Lkw-Geschäft gilt aufgrund des rund fünfzehnmal höheren Kautschukverbrauchs für Reifen als anfällig. "Insgesamt gehen wir bis zum Jahresende von einer Belastung von mehr als 700 Millionen Euro alleine in der Rubber Group aus", sagte Degenhart. Als Gründe für den Anstieg gelten vor allem schlechte Kautschukernten und Spekulationen.

Um die Konsequenzen der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan zu beziffern, ist es nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden hingegen noch zu früh. Auf Nachfrage eines Aktionärsvertreters bezeichnete er die Auswirkungen auf das operative Geschäft als "begrenzt". Continental beschäftigt in Japan insgesamt rund 950 Mitarbeiter an sechs Standorten. Vier dieser Einrichtungen dienen der Forschungs- und Entwicklungsarbeit oder verschiedenen Marketing- und Vertriebsaktivitäten. Die zwei Produktionswerke, die der Konzern in Japan unterhält, stehen in den Städten Hiroshima und Hamakita im Süden des Landes, also jenseits des Katastrophengebiets.

In rund 40 Produktionsstätten und 30 Vertriebsbüros beschäftigt der Konzern schon heute rund 25.000 Mitarbeiter in Asien. Die Erlöse in der Region steigerte Continental im vergangenen Jahr um knapp 50 Prozent auf rund vier Milliarden Euro. "Dort spielt die Musik", sagte Degenhart den Aktionären. Weshalb das Unternehmen es sich zum Ziel gesetzt habe, in Asien überproportional zu wachsen.

Die Bric-Staaten sollen Wachstum bringen

Allem voran in China strebt der Automobilzulieferer ein starkes Wachstum an. So hat der Konzern Anfang des Jahres ein neues Reifenwerk im chinesischen Hefei eröffnet. "Auch für Elektromobilität wird China ein Leitmarkt sein", sagte Degenhart. Ein neues Geschäft, in dem Continental bereits heute erste Schritte geht. So baut der Automobilhersteller in Deutschland einen Elektromotor für den Automobilhersteller Renault. In Indien plant Continental indes den Kauf des Reifenproduzenten Modi Tyres. Das Unternehmen stellt nach eigenen Angaben rund eine Million Reifen im Jahr her. "In Asien wollen wir unseren Umsatzanteil der Automotive-Division schrittweise von derzeit 21 Prozent auf 30 Prozent steigern".

In den anderen Bric-Staaten Brasilien und Russland soll vor allem Reifenfertigung ausgebaut werden. Jenseits der Bric-Staaten verkündete Continental überdies den Bau eines neuen Reifenwerks in den Vereinigten Staaten.

Besonders gut wurde die Stimmung der rund 800 anwesenden Aktionäre als der Vorstandschef auf die Möglichkeit hinwies, in die Topetage der deutschen börsennotierten Unternehmen aufzusteigen. "Wir haben die Möglichkeit, in den Dax zurückzukehren!", sagte Degenhart. Möglich wurde dies dadurch, dass die Schaeffler GmbH jüngst dreißig Millionen Continental-Aktien veräußert hatte, um mit dem Geld Schulden zu tilgen. So erhöhte sich der Anteil der frei handelbaren Continental-Aktien auf knapp 40 Prozent, was eine der Voraussetzungen für den Wiederaufstieg in den Dax  ist, zu dessen historischen Gründungsmitgliedern Continental sogar zählt. Gemessen an der Marktkapitalisierung und dem Handelsvolumen der Aktie scheint ein erneuter Aufstieg in den Dax jedenfalls möglich; es wäre der zweite Wiederaufstieg in die erste deutsche Börsenliga in der Contiental-Geschichte. Als wichtigster Konkurrent um den Platz unter Deutschlands Top-30 börsengelisteten Unternehmen gilt vor allem der Leverkusener Chemiekonzern Lanxess .

Kein Haar in der Suppe entdeckt

Die Schaeffler GmbH, die sich im Sommer 2008 mit einem öffentlichen Übernahmeangebot für Schaeffler und der zeitgleichen Finanzkrise verhoben hatte, hält zwar nach dem Aktienverkauf zwar noch immer rund 60 Prozent der Anteile an Continental. Eine Übernahme Contis durch Schaeffler scheint derzeit aber vom Tisch zu sein. Der im Aufsichtsrat vertretenen Großaktionärin Maria-Elisabeth Schaeffler begegnete der Vorstandsvorsitzende in seiner Rede im Übrigen betont freundlich. "Höchstwahrscheinlich bewegen sich die Autos auch dank der Bauteile der Schaeffler-Gruppe so zuverlässig", sagte er der in schwarzen Hosenanzug und roten Einstecktuch erschienenen Milliarden, nachdem er zuvor die Autozulieferteile Contis gelobt hatte.

Versöhnliche Töne schlugen schließlich auch die Aktionärsvertreter und Aktionärsschützer an. "Bei der strategischen Positionierung konnten wir kein Haar in der Suppe entdecken", sagte etwa Frank Holger Lange, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Eigentlich können sich die freien Aktionäre glücklich schätzen", so der DSW-Sprecher. Der Aktienkurs habe sich erholt, die Übernahme von Conti sei vom Tisch. Der ehemalige Aufsichtsrat Rolf Koerfer sei durch einen Aufsichtsrat ersetzt worden, der etwas vom Geschäft verstehe. "Wenn wir jetzt noch eine dauerhafte Dividendenfähigkeit hätten, wäre es perfekt."

Auf eine Dividende müssen die Aktionäre allerdings wie schon im Vorjahr auch für das Jahr 2010 verzichten. Das Management begründete den Dividendenverzicht mit einem Kursplus der Aktie von rund 13 Prozent seit Anfang des Jahres. Ob 2011 eine Dividende gezahlt wird, ließ Conti-Chef Degenhart offen. "Insgesamt scheint es uns verfrüht, eine belastbare Aussage zu diesem Thema zu treffen."

Mehr lesen über