Mittwoch, 11. Dezember 2019

Möglicher Börsengang Trucks machen Daimler wieder Freude

Übersicht: Die weltgrößten Truckhersteller 2010
DPA

Im Krisenjahr 2009 schrieb Daimlers Nutzfahrzeugsparte tiefrote Zahlen. In den nächsten Jahren dürfte die Sparte jedoch trotz schärferer Abgasnormen wieder hohe Gewinne abwerfen. Der Vorstand dürfte Diskussionen um einen Börsengang der Trucksparte jedoch während der heutigen Hauptversammlung abbügeln.

Hamburg - Vergangenen Freitag war es wieder mal Zeit für ein liebgewonnenes Daimler-Ritual: Das kategorische Nein zur Abspaltung der Truck-Sparte. "So wie wir aufgestellt sind, gibt es nichts Besseres als den Daimler", befand Finanzchef Bodo Uebber in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt". Gerade die breite Produktpalette vom Premiumauto bis zum Schwerlastwagen mache den Autobauer für die Aktionäre "hoch attraktiv", legte Daimlers Herr über die Finanzen nach.

Damit wies Uebber Spekulationen über einen Börsengang der Lkw-Sparte in die Schranken - eine Aufgabe, die Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler oder Konzernchef Dieter Zetsche auf dem heutigen Aktionärstreffen in Berlin übernimmt.

Dennoch klingt ein IPO verlockend: Analysten zufolge könnte Daimler Börsen-Chart zeigen mit einem Börsengang seiner Nutzfahrzeugsparte einen zweistelligen Milliardenbetrag erlösen - und das mit nur geringem Risiko. Doch Zetsches Team lehnt einen solchen Schritt bislang ab. Dafür gibt es gute Gründe. Denn nach dem Krisenjahr 2009, in dem die Nutzfahrzeugsparte tiefrote Zahlen ablieferte, dürften Lkw, Lieferwagen und Busse der Daimler-Führung künftig wieder viel Freude bereiten.

Der Konzern mit dem Stern ist der größte weltweit aufgestellte Hersteller von Lkw über sechs Tonnen, die Daimler unter den vier Marken Mercedes-Benz, Freightliner, Fuso und Western Star anbietet. 355.263 Lastwagen hat der Konzern im vergangenen Jahr abgesetzt, ein Plus von 37 Prozent im Vergleich zum Krisenjahr 2009. Die Truck-Sparte hat mehr als ein Fünftel zum Konzernumsatz von 97,8 Milliarden Euro beigetragen und 1,3 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen abgeworfen. Zählt man Daimlers Bus- und Lieferwagengeschäft dazu, sorgten die Nutzfahrzeuge sogar für 35 Prozent des Daimler-Gesamtumsatzes.

Lkw-Sparte wächst wieder zweistellig

Für dieses Jahr stehen alle Zeichen auf Wachstum: Laut Lkw-Spartenvorstand Renschler liegt der Auftragseingang im Januar und Februar 28 Prozent über dem Vorjahr - und die starken Monate kommen noch. "Daimler hat sehr gute Chancen, die Weltmarktführerschaft bei Nutzfahrzeugen zu verteidigen", meint auch der Autoexperte Willi Diez. Die Stuttgarter haben im Lkw-Bereich ihre Hausaufgaben gemacht, meint der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft der Universität Nürtingen.

Die Marken haben klare regionale Schwerpunkte: Mercedes-Benz-Trucks werden vor allem in Europa verkauft. In Asien ließe sich Lastwagen mit dem Stern am Kühler nur schwer vermarkten, meinen Experten. Der Markenname Mercedes ist dort ein Synonym für prestigeträchtig und teuer. Deshalb vermarktet Daimler seine Lkw in Asien unter der Marke Fuso, ein Überbleibsel aus der gescheiterten Allianz mit Mitsubishi. In Nord- und Südamerika verkauft Daimler seine Brummis unter dem Namen Freightliner.

Damit kann Daimler auf sehr unterschiedliche Märkte eingehen: In Europa müssen Trucks Bergstraßen bewältigen können, in den USA fahren sie oft Tausende Kilometer in der Ebene. In Schwellenländern wiederum scheren sich die Frachtunternehmer kaum um die vorgeschriebene Höchstzuladung. "Dort müssen sie Lkw bauen, die zwar am Papier nur 16 Tonnen Gesamtgewicht haben dürften, aber auch bei 24 Tonnen nicht zusammenbrechen", sagt Diez.

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