Drang zur Größe Daimler und VW erwägen Transporter-Kooperation

Bewegung in der Autobranche: Daimler und Volkswagen überlegen offenbar, im Geschäft mit Transportern zusammenzuarbeiten. Noch aber ist die Entscheidung nicht gefallen - und ein dritter Partner könnte noch in die Gespräche hineinplatzen.
Produktion des Mercedes Sprinter: Möglicherweise bald mit Partnern

Produktion des Mercedes Sprinter: Möglicherweise bald mit Partnern

Foto: Bernd Settnik/ picture alliance / dpa

Volkswagen eine Vertiefung ihrer noch bis 2016 laufenden Kooperation bei Transportern und Lieferwagen aus. "Wir besprechen derzeit, wie wir die Geschäfte darüber hinaus fortführen und gegebenenfalls sogar noch erweitern können, um Größenvorteile zu erzielen", sagte Volker Mornhinweg, Chef der Mercedes-Benz-Transportersparte.

Die Wolfsburger bestätigten Gespräche mit Daimler über eine weitere Zusammenarbeit bei Transportern, wollen sich aber noch nicht auf die Stuttgarter als Partner festlegen: Verhandlungen über die gemeinsame Entwicklung von Transportern liefen auch mit dem MAN-Konzern, an dem Volkswagen (VW) maßgeblich beteiligt ist, sagte ein Sprecher.

Daimler und VW zählen neben Fiat und Ford zu den größten Hersteller von Transportern und Lieferwagen in Europa. VW lässt seinen Transporter Crafter seit Jahren bei Daimler bauen. Er ist technisch weitgehend identisch mit dem Mercedes-Benz Sprinter. Der Kooperationsvertrag läuft 2016 aus. Bis dahin sollen Nachfolger entwickelt werden. Für VW kommt eine Fertigung in Eigenregie offenbar nicht infrage, dafür ist der Absatz zu gering - 2010 wurden weltweit 37.500 Crafter ausgeliefert.

Um die Produktionskosten weiter zu drücken, möchte auch Daimler im Ausland expandieren und verstärkt mit Partner zusammenarbeiten. "Wir schauen uns auf der Welt zahlreiche Märkte darauf hin an, ob sich dort eine Transporter-Produktion lohnt", sagte Transporter-Chef Mornhinweg. "Dazu gehören Länder in Afrika, Südostasien und natürlich Indien", sagte der Manager. Bei dieser Expansion "denken wir auch an Partnerschaften", da das Geschäft kapitalintensiv ist und bei Transportern die Stückzahlen geringer als im Pkw-Geschäft sind.

Zum Vergleich: 2010 lieferte Mercedes weltweit rund 224.000 Transporter, die Zahl der verkauften Pkw belief sich auf knapp 1,2 Millionen. Um Skaleneffekte nutzen zu können, will Daimler künftig auch Stadtlieferwagen anbieten, wie sie VW ebenfalls im Programm hat. Dazu vereinbarten die Stuttgarter im vergangenen Jahr eine Kooperation mit Renault, Ziel sei ein Marktanteil von 4 bis 5 Prozent, sagte Mercedes-Manager Mornhinweg. Europaweit wurden 2010 rund eine halbe Million Stadtlieferwagen an Handwerker und Lieferanten verkauft. "Ich kann mir gut eine Kooperation mit VW und Renault vorstellen", sagte Mornhinweg, der sich von einer Dreier-Allianz noch höhere Einspareffekte verspricht.

Vor allem in Russland rechnet sich Mercedes-Benz gute Chancen im Transporter-Geschäft aus: "Russland ist aus unserer Sicht der in den nächsten Jahren am stärksten wachsende Markt für Transporter", sagte Mornhinweg. 2020 würden dort voraussichtlich 300.000 Transporter verkauft, dreimal so viel wie heute. Um die hohen Zölle für Importfahrzeuge in Russland zu umgehen, lässt Daimler seine Mercedes-Transporter seit kurzem beim russischen Fahrzeugbauer Gaz montieren.

Über diese Auftragsfertigung hinaus strebt Daimler eine strategische Partnerschaft mit Gaz an, dem größten russischen Hersteller von Lieferwagen mit Sitz in Nischni Nowgorod. "Die Idee ist ein Gemeinschaftsunternehmen mit Gaz", erklärte Mornhinweg. "An diesem Gemeinschaftsunternehmen sollten wir mehr als eine nur symbolische Beteiligung halten, eine Mehrheitsbeteiligung ist aber nicht unbedingt notwendig." Gaz wird an der Börse derzeit mit rund einer Milliarde Dollar bewertet.

Die geplante Beteiligung dürfte die Stuttgarter daher einen weiteren dreistelligen Millionen-Betrag kosten. Bisher wurde den Russen zugesichert, gut 100 Millionen Euro in die Modernisierung des Gaz-Werks rund 400 Kilometer östlich von Moskau zu stecken. Dort sollen jährlich rund 25.000 Mercedes-Benz Transporter vom Band rollen.

kst/rtr/dpa-afx
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