Porsche Milliardenklage überschattet Rekordergebnis

In den USA haben einige Hedgefonds erneut eine milliardenschwere Klage gegen Porsche eingereicht. Die Unternehmen fordern Schadensersatz wegen der gescheiterten Volkswagen-Übernahme. Der Sportwagenbauer präsentiert unterdessen ein Rekordergebnis für das Geschäftsjahr 2010.
Autobauer Porsche: 2010 hat sich der operative Gewinn auf knapp 700 Millionen Euro verdreifacht

Autobauer Porsche: 2010 hat sich der operative Gewinn auf knapp 700 Millionen Euro verdreifacht

Foto: VALENTIN FLAURAUD/ REUTERS

New York/Stuttgart - US-Hedgefonds haben beim obersten Gerichtshof in Manhattan eine Klage gegen Porsche eingereicht. Die Unternehmen wollen Verluste von einer Milliarde Dollar geltend machen, die sie nach eigenen Angaben im Zusammenhang mit der gescheiterten Volkswagen-Übernahme erlitten haben.

Zu den Hedgefonds, die vor Gericht ziehen, gehören Greenlight Capital LP und Tiger Global LP. Einige der Fonds hatten bereits 2010 erfolglos geklagt. Im Dezember hatte ein Bundesrichter in Manhattan eine ähnliche Klage abgewiesen. In dem Verfahren hatten insgesamt 39 Kläger einen Gesamtschaden von mehr als zwei Milliarden Dollar behauptet. Die Kläger fühlten sich vom früheren Porsche-Management hinters Licht geführt.

Porsche  hatte mit riskanten Finanztransaktionen versucht, den deutlich größeren Autokonzern VW zu übernehmen. Allerdings hatten sich die Porsche-Manager am Schluss verspekuliert, Porsche drohte unter der Schuldenlast zusammenbrechen - und Volkswagen  konnte den Spieß umdrehen.

Porsche mit Rekordergebnis im Rumpfgeschäftsjahr 2010

Die Stuttgarter veröffentlichten unterdessen am Rande einer Aufsichtsratssitzung Eckdaten ihrer Bilanz für das Rumpfgeschäftsjahr 2010 (1. August bis 31. Dezember). Demnach fuhr die kleine Sport- und Geländewagenschmiede dank der wiedererwachten Lust der Autokäufer auf Luxusschlitten Rekorde bei Ergebnis und Umsatz ein.

Der operative Gewinn verdreifachte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 688 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 59 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro zu. "Dieser Erfolg unterstützt unsere Stellung als einer der profitabelsten Sportwagenhersteller weltweit und gibt uns die notwendige Flexibilität, weiterhin in unsere Produkte zu investieren", sagte Porsche-Chef Matthias Müller.

Die glänzenden Zahlen halten Müller den Rücken für seine ehrgeizigen Pläne frei. Eifrig tüfteln die Schwaben derzeit daran, welche Fahrzeuge sie in Zukunft noch auf den Markt bringen könnten. In den nächsten Jahren will Müller den Absatz auf rund 200.000 Fahrzeuge hochschrauben, etwa doppelt so viele wie zuletzt.

Ein wichtiges Projekt hat dabei bereits Gestalt angenommen. Voraussichtlich 2013 kommt ein kleiner Bruder des Geländewagens Cayenne auf den Markt. Der Cajun soll im Porsche-Werk Leipzig gebaut werden.

Neuer Vorstand für das Ressort Beschaffung

Der Absatz von Porsche stieg im Rumpfgeschäftsjahr 2010 um 57 Prozent auf 40.446 Wagen. Alle vier Baureihen legten weltweit zu. Müller rechnet damit, dass sich dieser Trend auch im laufenden Geschäftsjahr 2011 fortsetzen wird. Dieses ist bereits - wie bei VW - an das Kalenderjahr angepasst.

Die Zahl der Mitarbeiter bei Porsche stieg auf 13.159 (Ende Dezember) - 3,4 Prozent mehr als Ende Juli 2010. "Porsche ist für zukünftiges Wachstum gut aufgestellt", sagte Finanzvorstand Lutz Meschke. An diesem Donnerstag präsentiert der Sportwagenbauer die Bilanz in Stuttgart.

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Ein neues Gesicht wurde bereits bei der Aufsichtsratssitzung präsentiert: Der Sportwagenbauer vergrößert seinen Vorstand um das Ressort Beschaffung, ab April wird Uwe-Karsten Städter dafür verantwortlich sein. Mit dem Ausbau des Topmanagements werde der stark wachsenden Bedeutung der Einkaufsaufgaben Rechnung getragen, die bisher im Finanzressort gebündelt waren, erklärte Müller. Der 54-Jährige kommt von VW und war dort bislang für die Konzernbeschaffung Elektrik/Elektronik zuständig.

Auch die Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE hatte dank des brummenden Autogeschäfts nach langer Durststrecke einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro (August bis Dezember 2010) eingefahren. Zuvor verbuchte die Holding, unter deren Dach die Porsche AG und die Beteiligung der Stuttgarter an VW gebündelt sind, zwei Geschäftsjahre lang tiefrote Zahlen. Grund: Der verlorene Übernahmekampf mit VW.

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