Sonntag, 25. August 2019

BMW Neue Werke, noch mehr Autos

Norbert Reithofer

Die bestürzende Lage in Japan überschattet die Bilanzvorlage des Autoherstellers. BMW hält Lieferengpässe für möglich, gibt sich langfristig aber sehr selbstbewusst. Der Autohersteller plant neue Werke, noch mehr Autos und fürchtet kaum ein Risiko.  

München - Irgendwie fast unwirklich, an so einem Tag die Bilanzpressekonferenz eines Herstellers von gehobenen Automobilen zu besuchen. Das dachte sich wohl auch Norbert Reithofer, Vorstandsvorsitzender von BMW Börsen-Chart zeigen, und sprach heute zu den Journalisten aus aller Welt zunächst von der Katastrophe in Japan: "Es fällt schwer zum Alltagsgeschäft überzugehen. Wir sind tief betroffen von dem unfassbaren Leid."

50 Mitarbeiter der BMW-Vertriebstochter in Tokio seien bereits nach Deutschland geholt worden. Den japanischen Mitarbeitern sei schon seit Samstag angeboten worden, sie in den Süden des Landes zu bringen. Der Vorstand habe eine Soforthilfe für die Opfer beschlossen, deren Höhe später mitgeteilt werde. Außerdem werde BMW ein Spendenkonto einrichten, auf das Mitarbeiter einzahlen könnten.

BMW ist seit 30 Jahren mit einer eigenen Gesellschaft in Japan präsent und hat dort im Jahr 2010 rund 44.000 Fahrzeuge verkauft, wie ein Sprecher sagte. Damit gehört das Land zu den zehn wichtigsten Märkten des Konzerns. Wie sich die Katastrophe auf das eigene Geschäft in Japan auswirken werde oder auf die globale Wirtschaftsentwicklung insgesamt, dazu wollte Reithofer noch nichts sagen.

Der Automobilhersteller bezieht aus Japan Getriebe; der Vorrat reiche aber noch für einige Wochen, sagte Einkaufsvorstand Herbert Diess. Außerdem hätten die eigenen Zulieferer teils japanische Unterlieferanten für Elektronikbauteile. In gut einer Woche könne man sagen, ob es da zu Engpässen kommen werde.

Woher kommt der Strom für die Elektroautos?

Ob die eigene Elektroauto-Leichtbau-Strategie nicht Makulatur sei, wenn "sauberer" Atomstrom vielleicht durch umweltschädliche Kohleverstromung ersetzt werden müsste, darauf hatte der BMW-Vorstand keine Antwort. Man sei schließlich kein Energiekonzern. Dass Kohlefaser der Werkstoff der Zukunft sei, zeige der Einstieg von Volkswagen bei SGL Carbon, dem Joint-Venture-Partner von BMW für die Elektroautos I3 und I8, die 2013 auf den Markt kommen sollen.

Abseits der bestürzenden Nachrichten aus Japan spulte BMW das Programm ab: "Wir sind weltweit der erfolgreichste Premium-Hersteller". Der Konzern (60,5 Milliarden Euro Umsatz) hat die Krise so schnell verlassen, wie sie über ihn gekommen ist. Er soll in diesem Jahr "deutlich über 1,5 Millionen Automobile" (Vorjahr: 1,46 Millionen) der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce ausliefern.

Für die Marke BMW wurde auch auf Nachfrage keine getrennte Zahl genannt. Alle drei Marken sollen aber wachsen, und zwar stärker im ersten Halbjahr (wegen neuer Modelle) als im zweiten Halbjahr (wegen des Basiseffekt zum guten Jahresausklang 2010). Der Absatzmarkt China werde wieder zweistellige Zuwachsraten ausweisen, aber nicht ganz so hohe wie 2010.

Da das Sparprogramm und die Baukastenstrategie der vergangenen Jahre in den jetzt neuen Modellen erstmals durchschlägt und auch höhere Preise geplant sind, soll sich die Marge weiter verbessern, sagte Finanzchef Friedrich Eichiner. Die Vorsteuerrendite (Ebit) im Automobilgeschäft soll mehr als 8 Prozent betragen, die Kapitalrendite (Roce) mehr als 26 Prozent. Für die Sparte Finanzdienstleistungen (sie hat jetzt ein Geschäftsvolumen von 66 Milliarden Euro) nannte Eichiner kein Renditeziel; im vergangenen Jahr sei eine Eigenkapitalrendite von 26 Prozent erzielt worden.

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