Montag, 23. September 2019

BMW Neue Werke, noch mehr Autos

Norbert Reithofer

2. Teil: Entscheidung über neues Werk in Brasilien

Die Dividendenerhöhung um einen Euro auf 1,30 Euro bezeichnete Eichiner als "deutlichen Schritt". Angesichts der Konzernliquidität von rund 9 Milliarden Euro sagte der Finanzchef: "Wir bereiten uns auf zukünftige Investitionen vor. Der Vorstand befindet sich in einem neuen Strategieprozess". Neu ist, dass in diesem Jahr über einen Werksneubau in Brasilien entschieden werden soll. Es werde sich zunächst nur um die Montage von vorproduzierten Bauteilen handeln - weitere Ausbau nicht ausgeschlossen.

Währungsrisiken sieht der Vorstand keine, weil alles abgesichert. Die hohen Rohstoffpreise werden zwar zu Buche schlagen, aber durch Produktivitätsgewinne überkompensiert. Und überdies gelingt BMW das Wunder, immer mehr Autos zu produzieren, ohne das Personal aufzustocken. 2010 ging die Mitarbeiterzahl leicht auf 95.500 zurück und soll in diesem Jahr stabil bleiben. Damit fertigt BMW mit etwa der gleichen Belegschaft wie vor zehn Jahren anderthalb mal so viele Autos wie damals.

Keine Zahl zu Leiharbeitern

Dass dies gerade in den fast nicht mehr stattfindenden Werksferien nur mit einer großen Zahl an Leiharbeitern gelingen kann, darüber scheint der Vorstand nicht gerne zu sprechen. Jedenfalls will Personalchef Harald Krüger partout keine Zahlen für Leiharbeiter nennen und geht auf den Konflikt mit der IG Metall mit keinem Wort ein.

Der bayerische IG Metall-Chef Jürgen Wechsler, der auch im BMW-Aufsichtsrat sitzt, hatte die Zahl der BMW-Leiharbeiter in Deutschland auf 5000 beziffert und angedroht, Zusatzschichten im Frühjahr nur zu genehmigen, wenn sich BMW beim Thema Leiharbeit bewegt. Auch habe BMW die Tariferhöhung in diesem Frühjahr erst auf massives Drängen der IG Metall zwei Monate vorgezogen.

Reithofer verweist elegant auf eine vergangene Woche kommunizierte Erfolgsbeteiligung für alle Mitarbeiter von 1,6 Monatsgehältern, außerdem auf die gute Kursentwicklung, von der ja auch die Belegschaftsaktionäre profitiert hätten. Reithofer selbst hat laut Geschäftsbericht im vergangenen Jahr 4,3 Millionen Euro verdient - ein im Vergleich der Dax-Vorstände fast bescheidener Betrag. Das "Familienunternehmen" BMW, fast zur Hälfte im Besitz der Familie Quandt, ist traditionell auf Maßhalten gestimmt.

Vorstandsvergütung künftig teils in Aktien

Doch nun sollen auch aktienbasierte Vergütungssysteme Einzug halten. Im Dezember 2010 habe der Aufsichtsrat beschlossen, ab 2011 die Vorstandsmitglieder zu verpflichten, 20 Prozent ihrer Tantiemen nach Steuern in BMW-Stammaktien zu investieren, die mindestens vier Jahre zu halten sind, heißt es im Geschäftsbericht.

Zum Thema Frauenförderung sagte Reithofer an der Seite seiner sechs männlichen Vorstandskollegen nur diese zwei Sätze: "Wir werden mehr Frauen in Führungspositionen bringen. Sie bringen zum Beispiel auch andere Aspekte in die Führung ein". Immerhin ist Quandt-Erbin Susanne Klatten im Aufsichtsrat nicht die einzige Frau. Auch Renate Köcher vom Institut Allensbach bringt andere Aspekte ein.

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