Übernahme Tognum mit Daimler und Rolls-Royce weitgehend einig

Daimler und Rolls-Royce haben ein offizielles Übernahmeangebot für den Motorenspezialisten Tognum vorgelegt. Die beiden Unternehmen bieten rund 3,2 Milliarden Euro. Die Friedrichshafener unterstützen die Offerte der beiden Partner, pokern aber um einen höheren Preis.
Tognum in Friedrichshafen: Daimler und Rolls-Royce bieten 24 Euro je Aktie

Tognum in Friedrichshafen: Daimler und Rolls-Royce bieten 24 Euro je Aktie

Foto: OBS / Tognum

Hamburg/Stuttgart - Daimler und Rolls-Royce hätten den Aktionären des Großdieselmotorenherstellers Tognum 24 Euro je Anteilsschein geboten, teilten die beiden Unternehmen mit. Das Angebot habe ein Gesamtvolumen von etwa 3,2 Milliarden Euro.

Es sei aber noch kein Einverständnis über die Höhe des Angebotspreises erzielt worden, teilte Tognum am Vormittag mit. Der Vorstand werde das Angebot prüfen und zum gegebenem Zeitpunkt eine Empfehlung an die Aktionäre abgeben, ob sie das Angebot annehmen oder ablehnen sollten, hieß es weiter.

Grundsätzlich werde die Partnerschaft mit den beiden Unternehmen aber begrüßt. "Daimler und Rolls-Royce wären für uns zwei finanzstarke strategische Investoren, die sich klar zur weiteren internen und externen Wachstumsstrategie von Tognum bekennen", sagte Vorstandschef Volker Heuer. "Damit wären wir hervorragend aufgestellt, um die weitere Konsolidierung des Marktes aktiv mitzugestalten."

Daimler-Chef Dieter Zetsche zeigte während einer Analystenkonferenz Verständnis für das Tognum-Management: Man könne nicht erwarten, dass das Tognum-Management den angebotenen Kaufpreis zur Annahme empfehle. "Das ist nicht ihre Rolle." Rolls-Royce-Chef John Rose, erklärte, der Übernahmeprozess könne sich hinziehen.

Tognum setzt Höhenflug an der Börse fort

Daimler  und Rolls-Royce wollen sich jeweils rund 50 Prozent an dem Friedrichshafener Spezialisten für schwere Motoren sichern. Tognum baut unter anderem Antriebe für Panzer und Schiffe. Das Unternehmen verdiente in den ersten neun Monaten 2010 bei 1,7 Milliarden Euro Umsatz rund 100 Millionen Euro vor Steuern.

Am Dienstag war die Tognum-Aktie mit 23,22 Euro aus dem Handel gegangen. Sie hatte seit Montag gut ein Viertel zugelegt, nachdem manager magazin über das Interesse von Daimler und Rolls-Royce an Tognum berichtet hatteund die beiden Konzerne die Verhandlungen bestätigt hatten. Am Mittwoch setzte sie ihren Höhenflug fort und kletterte zeitweise um weitere 8 Prozent.

Die Unternehmen verwiesen darauf, dass das Angebot 30 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag liege. Sie knüpften ihr Angebot an die Bedingung, dass sie inklusive des bisherigen Daimler-Anteils von 28,4 Prozent mehr als 50 Prozent der Aktien erhalten. Tognum-Investoren hatten sicherlich auf einen höheren Zuschlag gehofft. Für 24 Euro war Tognum vor gut drei Jahren an die Börse gebracht worden.

Mit Tognum wollen Daimler und Rolls-Royce nach eigenen Angaben einen globalen Marktführer für Industriemotoren schaffen. Dazu haben sie eine Investmentgesellschaft namens Zeus gegründet, in die die Briten ihr bei der Tochter Bergen gebündeltes Geschäft mit Gas- und Dieselmotoren mittlerer Geschwindigkeit einbringen wollen. Daimler wiederum steuert seine bereits bestehende 28,4-prozentige Beteiligung an Tognum bei. So rechnet der Autokonzern für sich mit Nettoausgaben von rund 900 Millionen Euro für die Übernahme und das neue Gemeinschaftsunternehmen. Rolls-Royce würde rund 1,4 Milliarden Euro zahlen.

Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben

"Durch den geplanten Zusammenschluss gewinnen wir eine starke Plattform, um das enorme Marktpotenzial voll auszuschöpfen", sagte Daimler-Chef Zetsche. Das Geschäft mit Industriemotoren wächst nach Einschätzung von Daimler überdurchschnittlich und hat ein Volumen von 30 Milliarden Euro pro Jahr. Arbeitsplätze sollen durch den Zusammenschluss nicht in Gefahr sein.

Die Grundsatzvereinbarung zwischen den beiden Partner sieht unter anderem vor, dass der Hauptsitz in Friedrichshafen bleibt und dort auch weiterhin Produktion sowie Forschung und Entwicklung angesiedelt sind. Dadurch sollen die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft sicher sein. Künftig sieht Zetsche für den Standort eher zusätzliches Beschäftigungspotenzial, als Risiken eines Jobabbaus. Auch an der geplanten Nachfolgeregelung an der Unternehmensspitze wollen die neuen Eigner nach bisheriger Planung festhalten. Im September soll der Vorstandsvorsitz an den aktuellen Finanzvorstand Joachim Coers übergehen.

Daimler hatte bereits einmal die Mehrheit an Tognum

Daimler  hatte bereits bis Ende 2005 die große Mehrheit an Tognum und kurzfristig sogar 100 Prozent der Anteile gehalten. Damals hieß das Unternehmen allerdings noch MTU Friedrichshafen. Um zu Geld zu kommen, hatte der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp die Tochter kurz vor seinem Ausscheiden an den schwedischen Finanzinvestor EQT verkauft.

Daimler gehörte allerdings weiterhin zu den großen Lieferanten von Tognum. Unter anderem um diese Geschäftsbeziehung abzusichern, waren die Stuttgarter bereits im Mai 2008 wieder mit 22,3 Prozent der Anteile bei Tognum eingestiegen und hatten später auf 28 Prozent erhöht. Konzernchef Dieter Zetsche hält die schweren Motoren für eine gute Ergänzung des Konzernportfolios. Erst kürzlich hatte er gesagt, er könne sich vorstellen, die Beteiligung an Tognum zu erhöhen.

Einem Medienbericht zufolge fordern allerdings einige Investoren mehr als 24 Euro. Die "Financial Times Deutschland" berichtete, einige Großanleger wollten sich von ihren Anteilen nur dann trennen, wenn das Angebot deutlich über dem Kurs von 24 Euro beim Börsengang 2007 liege und die guten Geschäftsaussichten für den Konzern eingerechnet würden, hieß es in dem Bericht ohne Angabe von Quellen.

Fotostrecke: Die wichtigsten Baustellen bei Daimler

Mit Material von dpa-afx
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