Umstrittenes Superbenzin Autovermieter setzen auf E10

Aus Angst um den Motor verschmähen Autofahrer den Supertreibstoff E10 - die Mineralölbranche hat ein gewaltiges Problem. Firmenkunden sehen die Sache jedoch völlig anders. Die größten Autovermietungen und Fuhrparkbetreiber des Landes stehen überwiegend zu E10 - weil der neue Sprit sich rechne.
Spart Kosten: Geschäftskunden und Gewerbetreibende tanken im Zweifel lieber E10 statt Super plus

Spart Kosten: Geschäftskunden und Gewerbetreibende tanken im Zweifel lieber E10 statt Super plus

Foto: Boris Roessler/ dpa

Hamburg - Wenn es um den Motor des eigenen Wagens geht, hört bei den meisten Deutschen der Spaß auf. Schon der leiseste Verdacht, der neue Biotreibstoff E10 schade dem Antrieb, lässt Millionen Autofahrer zum bis zu 20 Cent teureren Super Plus greifen. Der Mineralölindustrie droht bei der Einführung der von der Regierung verfügten neuen Sorte deshalb ein Super-GAU.

Doch es gibt einen Lichtblick für Raffineriebetreiber und Tankstellenbetreiber: Viele Geschäftskunden sehen die Lage wesentlich nüchterner - das ist das Ergebnis einer Umfrage von manager magazin.

Autovermieter und große Konzerne lassen demzufolge munter E10 tanken. Sie haben meist neue, E10-taugliche Wagen in ihren Flotten, fühlen sich bestens informiert und füllen den mit Ethanol versetzen Treibstoff in die Tanks, um Geld zu sparen. "So weit wir unsere Mietfahrzeuge selbst betanken, nutzen wir den Kraftstoff E10", sagte die Deutschland-Geschäftsführerin des weltweit tätigen Autovermieters Hertz, Katrin Teichert, gegenüber manager magazin. Sie erwarte keine Schäden an den Motoren. "Wir verlassen uns auf die Angaben der Hersteller."

Den Kunden rate das Unternehmen, den günstigsten verfügbaren Kraftstoff zu tanken - und das sei in der Regel E10. Der Treibstoff sorge für einen "positiven Kosteneffekt". Tests, nach denen Autos auf vergleichbarer Strecke mehr E10 als herkömmliches Super schlucken, verunsichern sie nicht: "Was den Verbrauch betrifft, so haben wir selbst noch keine Erfahrungswerte. Experten gehen von einem nur geringfügig erhöhten Verbrauch aus, der jedoch durch den Preisunterschied mehr als ausgeglichen würde."

Marktführer Sixt erwartet keine Schwierigkeiten

Auch Marktführer Sixt  macht sich keine Sorgen um die Motoren seiner Autos. "Unsere Kunden können selbstverständlich E10 tanken", sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber manager magazin. Wenn mal ein Mitarbeiter einen Wagen volltanke, sei er dazu angehalten, statt Super plus die neue Sorte zu wählen, "weil es günstiger ist". Schwierigkeiten seien nicht zu erwarten.

Einerseits ist es naheliegend, dass die Autovermieter dem neuen Sprit aufgeschlossen gegenüberstehen. Ihre Wagen sind in der Regel nagelneu, die Motoren haben nach offizieller Lesart keine Probleme mit E10. Andererseits dürften schon minimale Schäden wie Rost im Tank, die Experten zufolge auch bei neuen Autos auftreten könnten, den Wiederverkaufswert der Autos senken. Die Vermieter sind aber darauf angewiesen, ihre Wagen zu attraktiven Konditionen wieder abzugeben.

Dass die E10-Verwendung darauf keinen Einfluss nimmt, ist auch Vermieter Avis überzeugt. "Sofern ein Mitarbeiter einen Wagen volltankt, sollte er E10 wählen", sagte eine Sprecherin gegenüber manager magazin. Das Unternehmen unterstütze die Einführung des neuen Treibstoffs. "Wir begrüßen Maßnahmen, die die Erdölvorräte schonen."

Zurückhaltend äußert sich lediglich die deutsche Nummer zwei der Vermieter, Europcar. "Leider hat sich in den letzten Tagen gezeigt, dass nun doch noch nicht final geklärt ist, ob Motoren E10 vertragen", sagte eine Sprecherin gegenüber manager magazin. "Auch hinsichtlich des Verbrauchs gibt es noch Schwankungen in den offiziellen Angaben." Den Kunden sei aber freigestellt, welchen Kraftstoff sie tanken.

Mancher Konzern mit großem Fuhrpark hat keine Probleme mit E10. Mitarbeiter, die einen Benziner als Dienst- oder Vertriebsfahrzeug nutzten könnten selbst entscheiden, was sie tanken, sagte eine Siemens-Sprecherin gegenüber manager magazin. Das Unternehmen unterhält nach eigenen Angaben einen Fuhrpark von 2000 Dienstwagen und mehreren Tausend Vertriebsautos in Deutschland. Dabei setzt der Münchener Technologiekonzern  allerdings ohnehin kaum auf Benzin - 90 Prozent der Fahrzeuge haben einen Dieselmotor.

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