US-Absatz Jahresendspurt für Deutsche Autobauer

Die deutschen Autobauer haben in den USA zum Jahresschluss noch einmal richtig abgesahnt. In keinem anderen Monat rollten so viele Neuwagen vom Hof wie im Dezember 2010. Am meisten profitierten BMW und Volkswagen, während Daimler die Kunden weniger überzeugen konnte.
Der Geländewagen X3: Verkaufsschlager von BMW in den USA

Der Geländewagen X3: Verkaufsschlager von BMW in den USA

Detroit - Insgesamt verkauften die Autobauer in den USA mehr als 1,1 Millionen Pkw, wie der Marktforscher Autodata mitteilte. Das ist ein Zuwachs von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Besonders die Crossover-Modelle hätten viele neue Fans gefunden, sagte der US-Vertriebschef des Marktführers General Motors , Don Johnson. Unter Crossover versteht GM sportliche Geländewagen wie den Chevrolet Equinox oder den GMC Terrain. In Deutschland würden die Autos immer noch als Dickschiffe gelten, in den USA dagegen wirken sie im Vergleich mit wuchtigen Pick-up-Trucks oder gigantischen Straßenkreuzern schon fast zierlich.

Auch bei den deutschen Herstellern verkauften sich die Geländewagen blendend, allen voran der erst jüngst runderneuerte BMW X3. Insgesamt konnte BMW  samt der britischen Tochtermarke Mini um 17 Prozent auf 23.600 verkaufte Autos zulegen. Der kultige Kleinwagen feierte zum Jahresausklang ein unerwartetes Comeback, nachdem ihn die Käufer in der jüngsten Vergangenheit oft links liegen gelassen hatten.

Smart findet nach wie vor kaum Käufer

Dem zweisitzigen Smart aus dem Hause Daimler  war kein Comeback vergönnt. Er dümpelte auch im Dezember mit lediglich 570 verkauften Fahrzeugen in den USA vor sich hin. Insgesamt konnte Daimler gut 22.000 Wagen absetzen. Neben Mercedes-Pkw bieten die Stuttgarter mittlerweile auch den Sprinter-Transporter unter eigenem Namen an. Das sorgte für einen Zuwachs von knapp 6 Prozent bei den Verkäufen.

Bei Volkswagen  heißt der Verkaufsschlager in den USA immer noch Jetta. Das Modell hat gerade erst eine Generalüberholung verpasst bekommen, was die Käufer zu schätzen wussten. Der Absatz sprang um mehr als ein Drittel hoch. Der Wagen zielt vor allem auf die Kundschaft, die sonst zu japanischen Mittelklasse-Limousinen greifen würde.

Insgesamt konnte die Marke VW die Verkäufe zum Jahresende um 17 Prozent auf 23.900 steigern. Die Konzernschwester Audi  legte im gleichen Maße auf gut 10.500 Autos zu und schaffte damit im Gesamtjahr ein neues Rekordergebnis. Vor allem die Geländewagen Q5 und A7 verkauften sich im Dezember deutlich besser. Konzern-Neuzugang Porsche  wurde mit 2.600 Autos 21 Prozent mehr los.

US-Autobauer verkauften deutlich mehr Autos, aber mit geringeren Zuwächsen

Die Zuwächse lagen teils deutlich über denen der amerikanischen Konkurrenz. Von den Stückzahlen her liegen General Motors, Ford  und Chrysler aber in unerreichbarer Ferne, genauso wie japanische Schwergewichte à la Toyota , Honda  oder Nissan . Auch die südkoreanische Hyundai  hat sich in den USA eine große Fangemeinde erobert.

Beim US-Marktführer GM stieg der Absatz im letzten Monat des Jahres um knapp 8 Prozent auf 224.200 Wagen. Die Crossover-Modelle alleine legten um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu. General Motors war nach der überstandenen Insolvenz Mitte 2009 erst Ende 2010 erfolgreich an die Börse zurückgekehrt - allerdings mit weniger Mitarbeitern, Werken und Marken.

Ford, die Nummer zwei in den Staaten, setzte mit 191.000 Wagen gute 3 Prozent mehr ab als im Vorjahresmonat. Damals gehörte allerdings auch noch Volvo  zum Konzern. Die Schweden ausgeklammert, lag das Plus bei 7 Prozent. Wieder einmal waren die Pick-Up-Trucks der F-Serie die meistverkauften Autos der Vereinigten Staaten.

Chrysler konnte abermals am stärksten unter den "Großen Drei" zulegen, nachdem die Insolvenz im vergangenen Jahr die Kunden verschreckt hatte. Die Verkäufe stiegen um 16 Prozent auf 100.700 Autos. Das gute Abschneiden war zum überwiegenden Teil dem neuen Jeep Grand Cherokee und den Dodge Ram-Trucks geschuldet.

Toyota musste dagegen einen Verkaufsrückgang von knapp 6 Prozent verkraften auf 177.500 Autos. Vor allem das Brot-und-Butter-Auto Corolla verkaufte sich schlechter. Der Hybridwagen Prius dagegen konnte zulegen.

Insgesamt erwartet die Branche, dass der Aufwärtstrend 2011 anhält. "Die Weltwirtschaft kommt in Schwung", stellte Ford-Chefökonomin Ellen Hughes-Cromwick fest.

mg/dpa-afx

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