Donnerstag, 23. Mai 2019

VW/Porsche US-Gericht weist Milliardenklage ab

Liaison mit undurchsichtigem Vorspiel: Das Zusammengehen von Volkswagen und Porsche hat ein juristisches Nachspiel

Volkswagen hat eine Sorge weniger. In den USA hat ein Gericht eine Schadensersatzklage gegen die Konzerntochter Porsche zurückgewiesen. Investoren hatten Verluste in Milliardenhöhe geltend gemacht, die ihnen durch Kurskapriolen der VW-Aktie beim Übernahmeversuch durch Porsche entstanden seien.

Stuttgart/New York - Der Sportwagenbauer Porsche hat einen Teilerfolg bei der Abwehr möglicher Schadensersatzklagen in den USA erzielt. Ein New Yorker Gericht wies die Klage von Investoren wegen Unzulässigkeit vollumfänglich ab, wie das Unternehmen am Donnerstagabend in Stuttgart mitteilte.

Insgesamt hätten 39 Kläger vor dem Bundesgericht in New York Ansprüche im Zusammenhang mit dem Versuch von Porsche, den größeren Wettbewerber Volkswagen zu übernehmen, geltend machen wollen, hieß es weiter. Die Kläger bezifferten ihren Gesamtschaden auf zwei Milliarden Dollar.

Ein Porsche-Sprecher sagte am Freitag, es sei immer darauf hingewiesen worden, dass das Unternehmen die Klage in den USA für unzulässig und unbegründet halte. Das Gericht begründete die Ablehnung der Klage in dem Verfahren Elliott Associates und Black Diamond Hedge-Fonds damit, dass die bundesstaatlichen US- Wertpapiergesetze keine Anwendung auf die betroffenen Aktiengeschäfte fänden. Die Kläger können gegen die Gerichtsentscheidung innerhalb von 30 Tagen Berufung einlegen.

Die Stuttgarter hatten sich mit schwer durchschaubaren Aktiengeschäften 2008 gut 74 Prozent der VW-Stammaktien gesichert und dabei einen Höhenflug der Papiere auf bis über 1000 Euro ausgelöst. Investoren, die auf fallende Kurse gewettet hatten, mussten aufgrund der Knappheit der frei verfügbaren Aktien zum sprunghaft überhöhten Preis kaufen. Diesen Schaden machen die Investoren nun geltend und werfen zudem dem damaligen Porsche-Management vor, die Informationen zu spät veröffentlicht zu haben.

Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Wiedeking und Härter

Auch die Klagen gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den damaligen Finanzvorstand Holger Härter wurden abgewiesen. Härter galt als Architekt einer komplexen Optionsstruktur auf VW-Stammaktien.

Beide Manager verließen im Sommer 2009 das Unternehmen, als ihr Übernahmeplan scheiterte. Gegen die beiden früheren Spitzenmanager des Sportwagenbauers ermittelt weiterhin die Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Es geht um den Verdacht der Marktmanipulation.

Der Porsche-Sprecher sagte weiter, in Deutschland seien keine Zivilklagen wegen der gescheiterten Übernahme anhängig. Stattdessen soll nun Porsche als zehnte Marke in den VW-Konzern integriert werden.

Die möglichen juristischen Auseinandersetzungen wurden vom VW-Management mehrfach als Hinderungsgrund für eine schnelle Fusion von Volkswagen und Porsche angegeben. Ursprünglich war eine Verschmelzung beider Unternehmen für 2011 geplant. Zu Verzögerungen kann es außer wegen der Schadensersatzklagen auch aus steuerlichen Gründen kommen. Die Porsche-Dachgesellschaft führen mittlerweile VW-Chef Martin Winterkorn und sein Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch.

nis/dpa-afx

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