Dienstag, 28. Januar 2020

GM-Börsengang "Diese Wettbewerbsverzerrung belastet die ganze Branche"

GM: Untergang und Auferstehung einer Industrie-Ikone
AP

Die Wall Street ist im GM-Fieber. Mit stehenden Ovationen begrüßen Händler und Investoren den US-Autobauer zurück auf dem Parkett. Der Aktienkurs steigt. Doch die Konkurrenz von Volkswagen und Co. beißt sich auf die Lippen. Einmal mehr wird klar: Wer miserabel wirtschaftet, wird dafür auch noch belohnt.

Hamburg - Ohne Superlative scheint es bei General Motors nicht zu gehen. Erst rutschte der Detroiter Autobauer in die größte Pleite der US-Geschichte, nun legt das Unternehmen ein ebenso eindrucksvolles Comeback hin. Als GM-Chef Dan Akerson die Glocke an der Wall Street läutete, gab er das Zeichen zum größten IPO, den die Börse je gesehen hat.

Aus dem einst hässlichen Detroiter Riesen General Motors ist ein Liebling der Investoren geworden. In New York jubeln die glücklichen Anleger, zumeist große Pensionsfonds und andere Institutionelle wie Staatsfonds und Banken. Kurz nach ihrer Wiedernotierung legte die Aktie am Donnerstag deutlich auf 35 Dollar zu und übertraf den Ausgabekurs damit um zwei Dollar.

Wer allerdings nicht unmittelbar von dem märchenhaften Börsengang profitiert, teilt die Euphorie eher nicht. Denn nur durch das massive Eingreifen der US-Regierung konnte der lange Zeit größte Autobauers der Welt überhaupt wiederauferstehen. Auf diese Weise hat der Staat jahrelange Misswirtschaft in Detroit auch noch belohnt.

"Die Staatshilfen für General Motors sind ein massiver Eingriff in den Wettbewerb", klagt Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach. "Mit einer geordneten Insolvenz wäre GM nicht verschwunden, aber die Sanierung hätte länger gedauert. In der Zwischenzeit hätte andere Hersteller weltweit größere Marktanteile von GM übernommen."

Noch immer zeugen Dutzende Ruinen vom Niedergang

Doch der US-Regierung war es wichtiger ein Symbol gegen den besonders im Fall von GM augenfälligen Verfall der US-Industrie zu setzen - ganz gleich, ob der Konzern sein Scheitern mit jahrelangen Rabattschlachten und Überkapazitäten selbst zu verantworten hatte oder nicht. "General Motors war alles andere als ein Vorbild in der Branche", sagt Fondsmanager Jürgen Meyer von SEB Asset Management.

Noch immer zeugen Dutzende Fabrikruinen in den gesamten USA vom Niedergang des Autobauers. Ganze Werke, Immobilien, sogar werkseigene Golfplätze und Kirchen stehen noch zum Verkauf, doch darum muss sich das Unternehmen nicht mehr scheren. In der Motors Liquidation Companies werden die verbliebenen 124 Investitionsruinen feilgeboten, das Abwicklungsunternehmen trug ähnlich einer Bad Bank mit Hilfe des Staates die Lasten der aufwändigen Sanierung.

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