Montag, 17. Februar 2020

Elektromobile auf dem Pariser Autosalon Die Elektroauto-Leistungsshow in Paris

Aktuelles Reichweiten-Ranking: So weit kommen die Elektroautos
AFP

Den größten Überraschungseffekt auf dem Pariser Autosalon kann diesmal Opel für sich verbuchen. Zwar versprach Volkswagen-Boss Matthias Müller in seiner Rede am Mittwochabend ein neues Zeitalter, Daimler-Chef Dieter Zetsche stellte gleich eine neue Perspektive für Autos im Allgemeinen in Aussicht.

Doch bei Opel lässt sich die wahre Revolution direkt am schwarz-gelb gehaltenen Messestand besichtigen. Mit dem Elektroauto Ampera-e, einem der meistbeachteten Modelle in Paris, hat ein Opel-Manager 420 Kilometer am Stück abgespult - unter Alltagsbedingungen bei einer Fahrt von London nach Paris. Ein "wahrer game changer" sei das Auto, warb Opel-Chef Karl Thomas Neumann.

Der leuchtgelb lackierte Elektro-Kompaktwagen wird von einem weiblichen und einem männlichen Model zugleich präsentiert - ein Novum. Denn bislang setzte die Autobranche auf ihren Messeständen auf die erprobte Kombination weiblicher Schönheit vor kunstvoll gebogenem Blech.

Neue Zeiten brechen für die Autoindustrie an, diese Botschaft wollen alle deutschen Autohersteller unter das Messevolk bringen. Und diese sollen weg vom Verbrennermotor in eine Zukunft führen, in der ein immer größerer Teil der Neuwagen emissionsfrei und mit Elektroantrieb fährt. Die zweite, nicht offen ausgesprochene Botschaft der deutschen Autogarde lautet: Wir werden dem Elektroauto-Pionier Tesla Börsen-Chart zeigen das Feld für Langstreckenfahrten mit reinem Elektroantrieb nicht kampflos räumen - sondern gegen die Kalifornier auf breiter Front antreten.

Eine deutlich verbesserte Generation von Elektroautos

Denn hier in Paris ist die die zweite, deutlich merklich verbesserte Generation von Elektroautos zu besichtigen. In Reichweitenangst muss bei diesen Fahrzeugen dann niemand mehr verfallen. Mercedes und Volkswagen Börsen-Chart zeigen versprechen Alltags-Reichweiten von 500 Kilometern mit einer Akkuladung - zu einem Preis, der in vier, fünf Jahren laut Volkswagen kaum höher als ein Dieselmotor liegen soll.

Wirtschaftlich möglich machen dies der rasant sinkende Preis von Lithium-Ionen-Zellen und deutliche Fortschritte bei der Zellchemie. Noch sind die Modelle EQ (Mercedes) und I.D. (VW) allerdings Studien. Doch bis zum Ende des Jahrzehnts sollen sie in Serie gehen, versprechen die Hersteller. Dabei wird die Batteriereichweite gleichbleiben oder steigen. Das Äußere wird sich aber merklich von den Messe-Konzeptwagen unterscheiden.

Opel ist da bereits weiter: Der Ampera-e steht schon in seiner endgültigen Form auf dem Messestand und kommt bereits im Frühjahr 2017 in den Handel, die endgültige offizielle Reichweitenangabe steht noch aus. Doch nach dem offiziellen aktuellen Prüfzyklus NEFZ schafft der Ampera über 500 Kilometer Reichweite, nach dem neuen strengeren Prüfzyklus WLTP sind es 380 Kilometer mit einer vollen Akkuladung.

Daimler und VW preschen vor, BMW hält sich bedeckt

Von den deutschen Premiumherstellern ist einzig BMW diesmal nicht sehr offensiv auf dem Elektropfad unterwegs. Die Bayern stellen hier zwar die neue, reichweitenstärkere Version ihres Elektrowagens i3 ins Scheinwerferlicht. Der soll im Alltag mindestens 200 Kilometer, bei guten Bedingungen sogar 250 Kilometer mit einer Ladung schaffen, heißt es bei BMW. Doch wo Daimler und VW gleich ganze Elektroauto-Modellfamilien in Aussicht stellen, hält sich BMW bedeckt.

Anfang des kommenden Jahrzehnts wollen die Bayern ein Mittelklassefahrzeug mit reinem Elektroantrieb vorstellen, bestätigte i3-Produktmanager Heinrich Schwackhöfer im Gespräch mit manager-magazin.de. Der i3 und auch der Hybrid-Sportwagen i8 sollen laufend Verbesserungen erhalten. Doch gegen den Einbau richtig dicker Lithium-Ionen-Batteriepacks hat Schwackhöfer ausgerechnet ein Umwelt-Argument parat: Bei großen Batterien über 400 Kilometern Reichweite stimme die CO2-Bilanz nicht mehr, meint der BMW-Manager. Diese verbrauchen in der Produktion mehr CO2, als sie über ihre Lebensdauer einsparen können. Mag sein, dass BMW einen Ausweg aus dieser Nachhaltigkeits-Misere findet. BMW-Chef Krüger soll aktuell mit seinen Managern über eine neue Elektroauto-Strategie für die Bayern beraten.

Porsches Mission E: Warum Porsche auf eigene Elektromotoren setzt

Die Sportwagen-Konkurrenz von Porsche will sich mit ihrem Elektro-Sportwagen Mission E übrigens auch nicht durch den mächtigsten Akku im Unterboden absetzen - sondern durch einen besonders kraftvollen Motor. Wettbewerber mögen zwar Beschleunigungswerte von 3 Sekunden auf 100 km/h erreichen, erläutert Stefan Weckbach, der Leiter von Porsches Elektroauto-Projekt, im Gespräch mit manager-magazin.de.

Doch das sei technisch nicht allzu oft hintereinander möglich, weil es Batterien und Motoren an die Grenzen bringe. Porsche hingegen arbeite an eigenen Elektromotoren. "Die erlauben es, Performance und Leistung reproduzierbar zu machen", drückt es Weckbach aus. Im Klartext: Mit dem E-Porsche können Käufer mehrfach hintereinander mit dem maximalen Wumms beschleunigen.

Ehrgeizig sind auch die Absatzziele: Der Mission E soll der Einstieg von Porsche Börsen-Chart zeigen ins reine Elektroauto-Zeitalter sein. Ein zweites E-Modell soll bald nach 2020 folgen, stellt Weckbach in Aussicht. Und dass dieses zweite Modell dann eine SUV-Form annehmen könnte, bestreitet der Porsche-Ingenieur zumindest nicht. Und auch bei den Absatzzielen zeigt sich Porsche konzerntreu. Im Jahr 2025, so hat VW-Chef Müller vor wenigen Monaten erklärt, will der Konzern ein Viertel seiner Neuwagen mit Elektroantrieb verkaufen. Auch bei Porsche sei das "nicht unmöglich", sagt Weckbach.

Selbst Renault-Nissan-Chef Ghosn ist "glücklich" über die neue Konkurrenz

Die große Jagd der Deutschen auf den Elektroauto-Emporkömmling Tesla, sie dürfte nach dieser Pariser Automesse endgültig als eröffnet gelten. Wer da zumindest jetzt nicht mitmachen will, ist ausgerechnet Carlos Ghosn, Chef der Autoallianz Renault-Nissan. Ghosn präsentierte schon 2009 die ersten Stromer-Modelle und hat früh erklärt, bei den Stromern ganz vorne dabei sein zu wollen. Über 100.000 Elektroautos haben die beiden Konzerne laut Angaben von Ghosn bereits verkauft.

"Glücklich" sei er über die neue Elektroauto-Konkurrenz, bekräftigte er in einem mit Journalisten vollgepackten Konferenzraum. Von Anfang an habe er erklärt, dass das Engagement in diesem Bereich von CO2-Emissionen und der Abhängigkeit vom Öl getrieben sei. "Die Leute, die sich damals über uns lustig gemacht haben, wollen jetzt fünf Elektroauto-Modelle herausbringen. Diese Branche ist voll von Überraschungen, und es ist eine gute, dass nun alle mitmachen", sagte er.

Zwar hat Renault Börsen-Chart zeigen nun die Batterie seines Elektromodells Zoe so weit verbessert, dass der Wagen nun auf offiziell 400 Kilometer Reichweite kommt. Doch neue Elektroauto-Modelle mit Reichweiten oder Außenmaßen, die Tesla wirklich Paroli bieten könnten, hat Ghosn nicht anzukündigen.

Da lässt er lieber erstmal die Deutschen vorpreschen.

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